Ende im Lizenzstreit Nach Gerichtsniederlagen: Arm legt Streit mit Qualcomm offenbar bei

Von Sebastian Gerstl 2 min Lesedauer

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Nach mehreren Rückschlägen vor US-Gerichten deutet sich im Lizenzkonflikt zwischen Arm und Qualcomm eine Annäherung an. Qualcomm hat internen Quellen zufolge seine Flaggschiff-Chips auf die neueste Generation der Arm-Computerarchitektur umgestellt.

Auch im letzten offenen Streitpunkt mit Qualcomm musste Arm vor Gericht eine Niederlage einsteckten: Die Richter im US-Bezirksgericht von Delaware verfügten, dass Qualcomm für die Übernahme der auf Arm-Architekturen basierenden Chips des KI-Startups Nuvia keine zusätzliche Genehmigung von Arm einholen musste. Hinter verschlossenen Türen scheint sich nun ein Ende des seit Jahren schwelenden Lizenzstreits abzuzeichnen.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Auch im letzten offenen Streitpunkt mit Qualcomm musste Arm vor Gericht eine Niederlage einsteckten: Die Richter im US-Bezirksgericht von Delaware verfügten, dass Qualcomm für die Übernahme der auf Arm-Architekturen basierenden Chips des KI-Startups Nuvia keine zusätzliche Genehmigung von Arm einholen musste. Hinter verschlossenen Türen scheint sich nun ein Ende des seit Jahren schwelenden Lizenzstreits abzuzeichnen.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Nach einem langwierigen und öffentlich ausgetragenen Rechtsstreit zwischen ARM und Qualcomm zeichnet sich eine Wende ab. Der britische Chip-Architekt ARM, der zuletzt mehrfach vor Gericht unterlag, scheint sich mit dem US-Halbleiterhersteller Qualcomm zu arrangieren – zumindest teilweise.

Nuvia-Akquise benötigte keine Zustimmung für übernommene IP-Lizenzen

Denn auch im letzten noch schwelenden Streitpunkt vor Gericht hat Arm gegen den Weltgrößten Fabless-Chipproduzenten nun eine Niederlage erlitten. Der Hersteller der gleichnamigen Prozessorarchitektur hatte Qualcomm vorgeworfen, mit der Übernahme des KI-Chip-Spezialisten Nuvia und der direkten Übernahme von dessen Arm-Lizenzen ohne Genehmigung gegen die Vertragsbedingungen von Arm verstoßen zu haben. Infolgedessen hatte Arm Qualcomm umgehend sämtliche IP-Lizenzen aufgekündigt, setzte aber diesen Vorgang bis zum endgültigen Ausgang des laufenden Rechtsstreits vorübergehend aus.

Im Dezember 2024 hatte Arm bereits eine Niederlage einstecken müssen: Das Bezirksgericht in Delaware hatte verfügt, dass Qualcomm weiterhin Nuvia-Chips, die mit Arm-Lizenzen gefertigt wurden, in seine eigenen Produkte verbauen darf. Nun hat Arm auch im letzten noch offenen Streitpunkt verloren: Das Gericht entschied, dass das übernommene, von ehemaligen Apple-, AMD- und Google-Ingenieuren gegründete Start-up Nuvia seine CPU-Kerndesigns nach der Akquise weitergeben durfte, ohne hierfür eine Zustimmung des Prozessorkern-IP-Entwicklers notwendig war. Die Richter folgten demnach der Argumentation Qualcomms, wonach dessen eigene Arm-Lizenz ausreiche und Nuvias Designs keine gesonderte Arm-Technologien nutzten.

Insider melden Umstieg auf Armv9-Architektur

Die Anwälte von Arm haben zwar angekündigt in Berufung gehen zu wollen. Doch aktuelle Entwicklungen scheinen dafür zu sprechen, dass beide Seiten die juristische Auseinandersetzung nun hinter sich lassen könnten: Wie die Nachrichtenagentur Reuters meldet haben interne Quellen bei Qualcomm bestätigt, dass der Prozessorhersteller die neueste Generation seiner Flaggschiff-SoCs bereits auf ARMs aktuelle Architektur „v9“ – ein klares Signal für eine Fortsetzung der technologischen Zusammenarbeit. Dazu zählen auch Chips, die bereits Nuvia-Technologien integrieren. Im Vergleich zur bisherigen Generation bietet v9 unter anderem verbesserte Fähigkeiten für KI-Anwendungen wie Chatbots und Bildgeneratoren. Drei Jahre nach dem Beginn des Lizenzstreits scheinen sich beide Unternehmen nun wieder als Lizenzgeber und -nehmer auf dem Weg nach Vorne zu begeben.

Für Qualcomm ist dieser Schritt notwendig: Unternehmen wie Apple und Mediatek, die mit dem Fabless-Chipanbieter im Smartphone- und Embedded-Bereich direkt konkurrieren, haben bereits seit einiger Zeit offiziell bestätigt, in ihren aktuellsten Produkten auf die Armv9-Architektur zu setzen. Gegenüber Reuters hat ein Sprecher des Unternehmens zwar diesen Schritt nicht offiziell bestätigt, aber vermeldet, man habe sich „für die Befehlssätze entschieden, die für unsere Kunden sinnvoll sind. Das ist das Schöne daran, ein eigenes CPU-Designteam zu haben – wir können die Befehle auswählen, die einen Mehrwert bieten.“

Investoren reagierten auf die Meldung positiv: Nach Veröffentlichung der Nachricht durch Reuters zog der Börsenkurs von Arm um 5% an. Arm befindet sich derzeit in einer prekären Lage: Die Konkurrenz zur Designs, die auf quelloffene RISC-V-Prozessorkerne setzen, wird in allen Marktsegmenten schärfer. Gleichzeitig wurden Pläne bekannt, das der IP-Entwickler künftig auch eigene Prozessoren entwickeln möchte – und damit in direkte Konkurrenz mit seinen eigenen Lizenznehmern tritt. Der Markt hatte diese Gerüchte sehr verhalten angenommen; Qualcomm hatte sogar mit einer Kartellrechtsklage gedroht.(sg)

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