Streit eskaliert ARM kündigt Qualcomm die Architekturlizenz

Von Manuel Christa 2 min Lesedauer

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Chip-Designer Qualcomm bestätigt, eine 60-tägige Kündigungsfrist für die ARM-Architekturlizenz bekommen zu haben. Die Architektur steckt in allen Snapdragon-Chips von Qualcomm, die in vielen Smartphones und Notebooks verwendet werden. Ist das nun das Ende der ARM-Prozessoren von Qualcomm?

ARM droht Qualcomm mit Lizenzentzug.(Bild:  KI-generiert)
ARM droht Qualcomm mit Lizenzentzug.
(Bild: KI-generiert)

Diesem schmerzhaften Schritt, über den Bloomberg berichtete, liegt ein Lizenzstreit seit 2022 zugrunde. Qualcomm kaufte 2021 das Halbleiter-Startup Nuvia, dessen Phoenix-Kern auf Technologie- und Architekturlizenzen von ARM basieren. ARM aber vertritt den Standpunkt, dass diese Lizenzen mit der Akquise nicht übertragbar sind und klagte gegen den großen Chip-Designer, weil dieser weiter Prozessoren auf der Lizenzbasis entwickelte. Qualcomm entgegnete, dass die eigene ARM-Lizenz ohnehin die Nuvia-Designs abdecken würden. So wird es unweigerlich zum Prozess der beiden Partner kommen.

Qualcomm ist mit den Snapdragon-Prozessoren dick im Geschäft: Nur (schwächere) Mediathek-SoCs sind häufiger in Smartphones zu finden. Viele High-End-Smartphones verwenden Snapdragons und nun auch die erste Notebooks mit den neuen Snapdragon X Elite und Snapdragon X Plus. Darin stecken Oryon-Kerne, die wiederum eine angepasste Version der Phoenix-Architektur sind.

ARM hat nun Qualcomm die 60 Tage als Ultimatum für eine Einigung eingeräumt, bevor die Kündigung ausgesprochen werde. Aus Sicht von ARM würde das nicht nur Lizenzverlust, sondern auch Stopp von Produktion und Verkauf aller (!) ARM-Chips bedeuten.

Qualcomm agiert weiter als wäre nie etwas gewesen

Bislang gibt sich Qualcomm aber unbeirrt von den Drohgebärden. Seit zwei Jahren unternimmt der Chip-Designer keinerlei Anstalten, sich von ARM loszulösen – im Gegenteil: Es kommen immer neue ARM-Prozessoren auf den Markt. Qualcomm vollzieht also weiter die Gratwanderung, Entwicklung und Geschäft der Chips mit ARM-Architektur voranzutreiben, als gäbe es keine Schlammschlacht mit dem Lizenzgeber.

„Angesichts des bevorstehenden Prozesses im Dezember scheint ARMs verzweifelter Trick ein Versuch zu sein, den Rechtsprozess zu stören. Seine Behauptung auf Beendigung des Prozesses ist völlig unbegründet. Wir sind zuversichtlich, dass die Rechte von Qualcomm im Rahmen der Vereinbarung mit ARM bestätigt werden. Das wettbewerbswidrige Verhalten von ARM wird nicht toleriert“, lässt sich ein Qualcomm-Sprecher von androidauthority.com zitieren.

Für ARM ist Qualcomm wichtiger Partner, aber nicht unverzichtbar

Es mag so aussehen, als würde ARM sich ins eigene Fleisch schneiden, indem man mit scheinbar allen Mitteln gegen einen der größten Partner vorgehen würde. Als Lizenzgeber der Architekturbasis aber sieht sich das britische Unternehmen als dickeren Fisch im Teich. Dank mehrerer Chip-Designer, nicht nur dank Qualcomm, ist die Architektur ziemlich erfolgreich. Spätestens mit den ARM-CPUs von Apples M-Serie ist sie auch aus Notebooks nicht mehr wegzudenken. Auch die X86-Konkurrenz wird nervös, denn die einstigen bitteren Konkurrenten AMD und Intel gründeten erst kürzlich eine Architektur-Allianz.

Die Fehde mit Qualcomm zeigt, dass ARM nun langfristig auf einen größeren Stück vom Kuchen aus ist und wohl darauf spekuliert, zukünftig strengere und teurere Lizenzen vergeben zu können. Bis das Duell aber zwischen ARM und Qualcomm ausgefochten ist, ist der Halbleitermarkt vor Auswirkungen daraus noch verschont. Erst mit dem Gerichtsentscheid wird sich das ändern. (mc)

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