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Ist Reshoring ferner Traum oder bald reale Notwendigkeit?

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Chinas Sozialismus und dessen Bedeutung für Weltwirtschaft

Aufbau des Sozialismus nach chinesischer Prägung und dessen Bedeutung für die Weltwirtschaft: Hier sind verstärkte Beteiligungen einer Staatsholding an Bodenschätzen (z. B. Kohle und Erze in Australien und Südamerika) und landwirtschaftlichen Nutzflächen (u. a. in der Ukraine und Argentinien) aber auch die politische Einflussnahme im Ausland geplant. Schon jetzt baut China in strategisch interessanten Ländern Afrikas und Asiens die Infrastruktur (Häfen, Flugplätze, Straßen) oder Industrieanlagen (Stahlwerke) auf.

Kampf gegen Korruption: Ein Beispiel dafür ist die Zahl der Millionäre: 2000 gab es einige tausend, heute sind es 1,4 Millionen, sowie weitere 168 Milliardäre. Für eine Bevölkerung, in der alle vor 35 Jahren die gleiche Ausgangsposition hatten, ist das durchaus eine bedenkenswerte Entwicklung.

Verbesserung des Umweltschutzes: Es gibt zwar seit Jahren Gesetze zur Reinhaltung von Boden, Wasser und Luft, doch hielt sich bislang kaum jemand daran. Nun sollen die Verursacher für Schäden aufkommen. Die extreme Luftverschmutzung ist nun nicht mehr auf einzelne Viertel in bestimmten Städten begrenzt sondern ist in fast allen Großstädten vorhanden. Dies hat Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit. Allerdings muss man berücksichtigen, dass vor etwa 50 Jahren Japan oder die USA in der gleichen Situation waren und erst dann entsprechende Maßnahmen ergriffen hatten.

Erhöhung der Rechtssicherheit und des IP-Schutzes: Denn inzwischen werden chinesische Firmen selbst Opfer von Kopien und Patentverletzungen. Allerdings gibt es noch eine viel unangenehmere Falle in dieser Bestimmung. Der chinesische Staat fördert Patentanmeldungen, um im Ausland Märkte zu besetzen. Chinesische Fälscher melden (nach kleinen Änderungen an den Maschinen oder Verfahren) eigene Patente an. Damit wird der ausländische OEM zum „Patentverletzer“, wenn er nicht eigene Patente angemeldet hat und kann auch nicht mehr in die von den Chinesen besetzten Auslandsmärkte liefern.

Die meisten der aufgeführten Ziele sollen bis 2016, aber spätestens bis 2018 erreicht werden, das wird für einige Vorhaben nicht ausreichen, doch hat die chinesische Führung immer wieder deutlich gemacht, dass ein einmal in Gang gesetzter Prozess konsequent vorangetrieben wird. Die Tage Chinas als Billigproduzent sind gezählt und künftig wird China zum Käuferland.

Während in der Vergangenheit Maschinen und Fabrikausrüstungen im Vordergrund des Interesses standen, wird nun vermehrt in Luft- und Wasserreinhaltung, in Infrastruktur wie Hochgeschwindigkeitszüge oder saubere Kraftwerke, aber auch in Konsum- und Luxusgüter investiert. Für den Umweltschutzbereich wurden 560 Mrd US-$ bereitgestellt, davon allein je 40 Mrd. für Abwasserleitungen und Abfallbeseitigung.

Es ist jedoch jedem Fabrikplaner bekannt, dass eine Nachrüstung zur Erfüllung von Umweltauflagen immer sehr viel teurer wird, als es eine Berücksichtigung zu einem früheren Zeitpunkt gewesen wäre.

Leiterplattenwerk musste von heute auf morgen schließen

Für die Abnehmer chinesischer Produkte wird es also teurer. Zudem verliert die Elektronikindustrie den bisherigen Präferenzstatus. Das wurde zu Jahresbeginn deutlich, als ein reicher Chinese ein Grundstück für ein Einkaufszentrum suchte und dieses gerade dort identifizierte, wo ein seit 1986 bestehendes, gut ausgelastetes und exportorientiertes Leiterplattenwerk stand.

Geld, Beziehungen zur Lokal- oder Provinzregierung und Macht triumphierten über die Rechte des Unternehmens, das seit 25 Jahren dort produzierte. Das Unternehmen musste innerhalb von vier Wochen das Grundstück geräumt und alle Gebäude entfernt haben. Für eine geordnete Verlagerung, einen geplanten Umzug oder eine „last round“ für die Kunden blieb keine Zeit. Man kann sich die Hektik und das Chaos bei den betroffenen Kunden vorstellen.

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