Verbindungstechnik Isolierstoffe prägen Design und Verarbeitung von Leiterplattenklemmen
Die Leiterplattenfertigung lässt sich durch den Einsatz geeigneter elektromechanischer THR-Bauteile vereinfachen, da sie einen durchgängigen SMT-Prozess für SMD- und bedrahtete Bauteile zulassen. Bei diesen Bauteilen spielt die Wahl des Isolierstoffes eine wichtige Rolle: Er ermöglicht nicht nur das bleifreie Reflowlöten, sondern bestimmt auch die Produkteigenschaften.
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Noch vor ca. zehn Jahren beschränkte sich die Auswahl der für die Herstellung von reflowfähigen Leiterplattenklemmen geeigneten Isolierstoffe auf wenige LCP-Kunststoffe (Liquid Crystalline Polymers). Heute kann der Hersteller von Leiterplattensteckverbindern oder -anschlussklemmen aus gut einem halben Dutzend unterschiedlicher Isolierstoffe wählen.
Die Auswahlkriterien für den Isolierstoff richten sich in erster Linie nach den Anforderungen der Applikation sowie nach der Verarbeitung der Bauelemente. Von zentraler Bedeutung sind daher ausgezeichnete Isoliereigenschaften wie eine hohe Durchschlagfestigkeit und maximale Kriechstromfestigkeit (CTI, Comparative Tracking Index).
Diese Eigenschaften sind für eine hohe Produktqualität sowie möglichst kleine Bauteile unerlässlich. Weitere Anforderungen sind die Einstufung der Brennbarkeit gemäß UL 94 in V0 und die Verwendung von halogen- und schwermetallfreien Brandschutzmitteln. Darüber hinaus muss der Isolierstoff eine ausreichende Elastizität für die Montage- und Handhabungsprozesse sowie eine hohe Fließfähigkeit bei der Herstellung von Bauelementen im Spritzgießverfahren mitbringen.
Das Reflowlöten fordert besondere Isolierstoffe
Wenn man Leiterplattensteckverbinder oder -anschlussklemmen in den SMT-Prozess integriert, erhöhen sich nochmals die Anforderungen an den Isolierstoff. Das bleifreie Reflowlöten verlangt eine deutlich höhere Temperaturbeständigkeit und eine genau an die Leiterplatte angepasste Wärmedehnung. Zudem muss die Wasseraufnahme des Isolierstoffes möglichst gering sein. Diese Eigenschaft verhindert Blasenbildung auf den Oberflächen der Bauelemente während des Reflow-Lötprozesses und vermeidet teure Trockenverpackungen oder das Vortrocknen vor der Verarbeitung.
Lange Zeit konnten diese zusätzlichen Anforderungen mit den eingesetzten, häufig unverstärkten, Isolierstoffen nicht voll erfüllt werden. Die Eignung für den Reflow-Lötprozsess ging auf Kosten des CTI und der Elastizität. Erst durch die Weiterentwicklung der PPA-Kunststoffe (Polyphthalamide) und neuer Hochtemperaturpolyamide konnten alle Anforderungen erfüllt werden.
Wago nutzt diese neuen Isolierstoffe für die Herstellung der Leiterplattensteckverbinder und -anschlussklemmen und verfügt inzwischen über ein umfangreiches THR-Programm. Zu diesem Programm zählen verschiedene Stift-, Feder- und Klemmenleisten sowie seit kurzer Zeit auch eine SMD-Klemmenleiste mit Betätigungsdrückern. Alle THR-Komponenten sind in der für den SMT-Prozess üblichen Gurtverpackung (Tape-and-Reel) erhältlich.
Flexible Verdrahtung mittels Leiterplattenklemmen
Jede Leiterplatte benötigt Anschlussklemmen, um elektrische Verbindungen zu Spannungsversorgungen oder anderen Baugruppen herzustellen. Die flexibelsten Verbindungen lassen sich mit Steckverbindersystemen erreichen. Ob Leiterplatten mit Leitungen verbunden werden sollen (Wire-to-Board) oder zwei Leitungen miteinander (Wire-to-Wire) das Multisteckersystem (MCS) und picoMAX enthalten für beide Varianten entsprechende Komponenten.
Das MCS-Produktprogramm bietet THR-fähige Stiftleisten mit geraden und abgewinkelten Lötstiften in den Rastermaßen 2,5 bis 7,5 mm. Damit stehen dem Anwender die steckbaren Wire-to-Board-Verbindungen mit den Nennquerschnitten von 0,5; 1,5 und 2,5 mm2 im Spannungsbereich bis 400 V durchgehend zur Verfügung. Und das mit denselben Bemessungsgrößen, wie sie THT-Bauelemente für das Wellenlöten aufweisen.
Das bedeutet: der Verarbeitungsprozess hat heute keinen Einfluss mehr auf die Leistungsfähigkeit des Bauelements. Für Neuentwicklungen bieten diese Isolierstoffe gute Möglichkeiten, die Forderungen nach Miniaturisierung bei gesteigerter Leistung nachzukommen. Kleinste Abmessungen und hohe Bemessungsspannungen sind nur mit einem optimalen CTI des Isolierstoffes erreichbar.
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