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"Wir erleben immer bessere KI-Systeme, die jeweils für eine bestimmte Aufgabe trainiert sind und diese zum Teil auch besser als wir Menschen erledigen. Eine Maschine, die besonders gut Krankheits-Diagnosen stellt, kann aber eben nur das und wird weder meine Reisen buchen noch meine Wohnung putzen", sagt Berg. "Wir müssen besser und breiter darüber aufklären, was künstliche Intelligenz kann, und was sie aber auch nicht kann."
Von wegen typisch deutsche Technikfeindlichkeit: Ein KI-Verbot fordert lediglich eine verschwindend Minderheit: Nur vier Prozent der Befragten wünscht sich, dass die Politik den Einsatz von KI verbietet. Knapp sechs von zehn Bundesbürgern (57 Prozent) sind hingegen der Meinung, dass die Politik den Ängsten der Bevölkerung beim Thema KI entgegenwirken müsse. "Was wir dringend brauchen ist eine bundesweite Strategie zu Entwicklung und Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Wenn wir die nächsten Jahre darauf verwenden, alleine das Für und Wider der Technologie zu debattieren, werden wir international abgehängt", ist Bitkom-Präsident Berg überzeugt und dürfte damit bei der Bundeskanzlerin offene Türen einrennen.
EU-Kommission fördert F&E im Bereich KI
Auch auf europäischer Ebene wurde die Relevanz des Themas KI erkannt. Bis 2020 will die EU-Kommission jährlich 500 Millionen Euro für die allgemeine Forschung und Entwicklung im Bereich KI zur Verfügung stellen. Daneben sollen für diesen Zeitraum insgesamt 500 Millionen Euro über den Europäischen Fonds für strategische Investitionen für KI-Projekte mobilisiert werden. Für den Zeitraum 2021 bis 2027 sind weiter steigende Ausgaben angekündigt, werden allerdings nicht beziffert. "Diese Summen können nur ein Anfang sein und müssen im nächsten Haushalt deutlich angehoben werden. Im internationalen Vergleich bewegt sich Europa mit dreistelligen Millionenbeträgen nicht auf Augenhöhe", kommentiert Bitkom-Präsident Achim Berg das Vorhaben der EU.
Neben höheren Investitionen in Forschung und Entwicklung sollen nach Plänen der EU-Kommission ein Netzwerk an Digital Innovation Hubs mit KI-Spezialisierung entstehen, und eine sogenannte On-Demand-Plattform aufgebaut werden, die vor allem kleineren und mittleren Unternehmen den Zugang zu neuesten KI-Technologien ermöglicht und sie ermutigt, diese zu testen und einzusetzen. "Entscheidend ist, dass es der EU gelingt, die bestehenden und künftigen nationalen KI-Initiativen zu koordinieren und deren Austausch untereinander zu fördern, ohne Doppelstrukturen zu etablieren", so Berg. "Gleichzeitig muss es gelingen, einen regulatorischen Rahmen zu schaffen, der neben der KI-Forschung auch die KI-Anwendung ermöglicht. Niemandem ist geholfen, wenn wir vorne Milliarden in die Grundlagenforschung pumpen und dann verbieten, die neuen Technologien auch in der Praxis einzusetzen, zum Beispiel indem man individualmedizinischen Angeboten einen datenschutzrechtlichen Riegel vorschiebt. Ohne regulatorische Flankierung besteht die ganz reale Gefahr, dass die nun angekündigten Investitionen wirkungslos verpuffen."
Zugleich will die EU die Auswirkungen von KI auf die Arbeitswelt erforschen und eine Expertengruppe einrichten, um eine KI-Ethikrichtlinie zu entwickeln. "Mit den rechtlichen und ethischen Fragen rund um KI müssen wir uns intensiv auseinandersetzen. Ein gesellschaftlicher Konsens ist die Voraussetzung für eine breite Akzeptanz von KI-Systemen, mit denen wir das Leben der Menschen verbessern und unsere Wirtschaft wettbewerbsfähiger machen können", sagt Berg.
KI-Bundesverband: Den Nutzen von KI transparent machen
Wie wichtig (und dringend) der KI-Wirtschaft eine bundesweite KI-Strategie ist, signalisiert auch die Gründung eines KI-Bundesverbandes am Rande der Handelsblatt-Tagung "Künstliche Intelligenz" am 15. und 16. März mehrere hundert Teilnehmer nach München lockte, die dort einem hochkarätigen Vortragsprogramm lauschen durften. Mit einem politischen Beirat im Rücken möchte der neue KI-Verband das Thema zügig anschieben.
Wie Verbandspräsident Jörg Bienert, Founder und Vorstand des Kölner Deep-Learning-Unternehmens aiso-lab, vor der Presse erklärte, soll die Verbandsarbeit dazu beitragen, dass Politik und Gesellschaft "nüchtern und präzise" mit der KI-Technologie umgehen. "KI wird entweder als große Heilsbringerin oder als große Gefahr gesehen. Gegner und Freunde erzeugen einen falschen Hype", so der KI-Experte, der auch mehrere mit einem Startups im Silicon Valley zugebracht hat. Der neue Verband verfügt über einen politischen Beirat, dem Thomas Jarzombek (CDU) - dieser war bei der Handelsblatt-Tagung mit einem Videostatement zugeschaltet-, Jens Zimmermann (SPD) Manuel Höferlin (Die Grünen) und Petra Sitte (Die Linke) angehören. Vorsitzender des politischen Beirats ist Marcus Ewald vom Jungen Wirtschaftsrat.
Der CDU-Politiker ist überzeugt: "KI wird die Gesellschaft verändern, und wir wollen dazu beitragen, dass ihr Nutzen transparent und förderlich für diese Gesellschaft realisiert wird." Wie Ewald betonte, könne sich das Potenzial der Künstlichen Intelligenz jedoch nur dann entfalten, wenn es "menschen-zentriert" und "menschen-dienlich" ist.
Davor, einem Trend oder Hype wie KI einem hinterherzulaufen, ohne ihn und seine zugrundeliegenden Methoden sowie Risiken und Einschränkungen verstanden zu haben, warnt Dr. Konstantin Greger, Sales Consultant bei Tableau Software: "Blindes Vertrauen in die Arbeit von Maschinen und Algorithmen zu investieren ohne Möglichkeit zur Überprüfung auf Richtigkeit, Aktualität und Vollständigkeit der Ergebnisse führt meines Erachtens ultimativ zu genau den dystopischen Zukunftsszenarien, die heute schon das Ende der Menschheit und die Übernahme durch Maschinen prophezeien.
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