IoT trifft KI: Aktuelle Projekte, Use Cases und Trends

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KI: Jobkiller oder Jobmotor?

Künstliche Intelligenz hat nicht nur einen erheblichen (positiven) Impact auf die Wettbewerbsfähigkeit und das Wachstum von Unternehmen und Volkswirtschaften, sondern wird auch zu einem tiefgreifenden Wandel in der Gesellschaft führen und die Arbeitswelt stark verändern. Wie bei allen "(zer-)störenden" Innovationen (um ein Bild des US-Ökonomen Joseph A. Schumpeter zu verwenden) werden auf der einen Seite Arbeitsplätze abgebaut, auf der anderen Seite neue und im Regelfall höher qualifizierte Arbeitsplätze geschaffen.

"KI kann der deutschen Wirtschaft einen enormen Wachstumsschub bringen", sagt Andreas Wartenberg, Geschäftsführer der Hager Unternehmensberatung. "Viele Arbeitsprozesse werden effizienter gestaltet. Da Maschinen und Programme die in Zukunft nicht nur Bandarbeiter, sondern auch Wissensarbeiter von vielen Routineaufgaben, können sie sich mehr auf Aufgaben mit einem höheren Zusatz von Wert", sagt Wartenberg.

Eine internationale Studie von Capgemini wirkt der Befürchtung entgegen, dass die KI zu einer zu einem massiven Stellenabbau führen wird. "Auch wenn Algorithmen die Kommunikation, die Berechnung und den Betrieb übernehmen können. wird es auch hier Grenzen geben. Hochqualifizierte Berufe wie Ingenieure, Architekten oder Richter bleiben bestehen", so Wartenberg. Hinzu kommen Aufgaben, die Roboter mangels entsprechender Fähigkeiten oder Geschicklichkeit nicht ausfürhen können, bleiben nach Einschätzung des Unternehmensberaters bei den Mitarbeitern auf absehbare Zeit. Und schließlich können Maschinen die emotionale Intelligenz einer Person nicht ersetzen, weshalb Berufe, in denen soziale Autorität oder Kreativität im das Berufsbild dominieren in denen ein qualitativ hochwertiger persönlicher Service zu erbringen ist, nicht so ohne weiteres durch Machine Learning und KI ersetzt werden.

Zu den Gewinnern des Strukturwandels am Arbeitsmarkt dürften zweifellos die IT-Spezialisten gehören; denn diese sind für den Digitalisierungsprozess unentbehrlich. "Viele Unternehmen schaffen derzeit zahlreiche Arbeitsplätze", so Wartenberg - zum Beispiel für Cyber-Architekten, Sicherheitsmanager, aber auch für "bewährte" Digitalisierungsprofis wie Chief Digital Officers. Aktuell besonders stark nachgefragt: Datenwissenschaftler (Data Scientists) und KI-Spezialisten, wobei das am Markt verfügbare "Angebot" jedoch gegen null tendiert.

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Folglich bremst der das Fehlen von Spezialisten die Analytics- oder KI-Aktivitäten in vielen Unternehmen aus. Knapp die Hälfte der Firmen, die vom Beratungsunternehmen IDC befragt wurden, nannten den Mangel an Experten als die größte Hürde für die Umsetzung von Projekten an. In mehr als 80 Prozent der befragten Unternehmen fehlen IT-Fachleute. So können die Organisationen ihren Bedarf an Entwicklern und Datenbankmanagern für KI-Systeme, KI-Spezialisten, Data Scientists, Business-Analysten und Trainern derzeit nicht decken. Die IDC-Marktforscher gehen davon davon aus, dass sich die Situation kurzfristig nicht entspannen wird, weil die Ausbildungs- und Weiterbildungsmaßnahmen in vielen Unternehmen gerade erst anlaufen. Deutsche Unternehmen sollten folglich alle Hebel in Bewegung setzen, um hier nicht ins Hintertreffen zu kommen.

Mit der zunehmenden Bedeutung der KI werden nehmen jedoch auch die Anforderungen an die "normalen" Fach- und Führungskräfte. Mehr denn je müssen diese über vertiefte Prozesskenntnisse verfügen. über ein gewisses technisches Know-how sowie eine hohe Bereitschaft, sich permanent weiterzubilden. Grundsätzlich wird die Affinität zu neuen Themen immer wichtig für Manager werden, ist Andreas Wartenberg von der Hager Unternehmensberatung überzeugt.

Dabei hält es Jürgen Wirtgen, Data & AI Lead bei Microsoft Deutschland, es für keineswegs ausreichend, dass man sich auf der Chefetage ein neues Mindset "zulegt". Erforderlich sei ein genereller Change in den Unternehmen, wenn diese KI-Projekte erfolgreich umsetzen wollen. "Sie brauchen eine Kultur der Veränderung. Dazu gehört die Bereitschaft, völlig neue, disruptive Ansätze zu gehen und auch Fehler dabei zu machen. Dazu gehören interdisziplinäre, agile Teams aus IT-Experten, Data Scientists und Leuten aus dem Business. Sie brauchen neue methodische Ansätze: Visions Workshops für das Strukturieren von Ideen, Hackathons, bei denen produktive Piloten entstehen, die es entweder in die Produktion schaffen oder zumindest Startpunkt für weitere Projekte sind."

Cyber-Sicherheit: Mit KI hackt es sich effizienter

Aber wo Licht ist, ist oft auch Schatten. Das gilt natürlich auch für die Künstliche Intelligenz. Doch keine Sorge: Um durchgeknallte Superintelligenzen oder autonome Killer-Libellen wie in Frank Schätzings "Schmetterlings"-Thriller. Es geht vielmehr um ganz schnöde "Black Hats", um finstere Hacker und Virenbastler also, die sich ihren Cyber-Angriffen in wachsendem Maße Künstlicher Intelligenz bedienen, wie das Security-Unternehmen Avast beobachtet hat. In ihrem Sicherheitsreport 2018 weisen die tschechischen IT-Sicherheitsspezialisten darauf hin, dass in naher Zukunft verstärkt eine Kombination aus neuen und traditionellen Sicherheitsbedrohungen auftreten wird, darunter auch erste Angriffe, die auf Künstlicher Intelligenz basieren.

Prognostiziert wird, dass sich 2018 Massenattacken, Erpressertrojaner, vermehrte Angriffe auf das Internet der Dinge, Krypto-Mining-Malware und Attacken auf Services, die auf der Blockchain-Technologie basieren, häufen werden. Der Sicherheitsreport berichtet außerdem über zunehmend ausgefeiltere Supply-Chain-Attacken, gemeinsam mit der Zunahme von dateiloser Malware, dem Diebstahl persönlicher Daten und bereits bekannten mobilen Bedrohungen wie beispielsweise Banking-Trojaner.

"Die wachsende Anzahl von Open Source Frameworks für maschinelles Lernen, in Verbindung mit sinkenden Preisen für leistungsstarke Hardware, eröffnen Cyber-Kriminellen neue Möglichkeiten. Sie können jetzt auch maschinelle Lerntechnologien nutzen, um die ebenfalls auf selbstlernender Software basierenden Algorithmen der Sicherheitsfirmen zu überlisten", warnt Ondrej Vlcek, CTO & EVP bei Avast. "Wir gehen davon aus, dass Internetkriminelle Künstliche Intelligenz so einsetzen werden, dass sie damit nicht nur Malware-Attacken, sondern auch ausgeklügelte Phishing-Kampagnen durchführen können."

KI macht virtuelle Hacker-Fallen schlauer

Doch umgekehrt wird auch ein Schuld daraus. Denn mit KI-Einsatz kann man auch für mehr Cyber-Sicherheit sorgen. "Ein wichtiges Thema ist beispielsweise die Cybersicherheit: Mithilfe von KI-Instrumenten können Hacker-Attacken schneller und besser als solche identifiziert werden, unter bestimmten Umständen ist es auch möglich, sie vorherzusagen", sagt Wolfgang Thronicke, Principal Consultant und Mitglied der Scientific Community bei Atos.

So werden beispielsweise Honeypots - Fallen, in die Hacker tappen sollen, mit Künstlicher Intelligenz zu noch interessantere virtuelle Ködern für solche Angreifer. Solche Honeypots gibt es bereits für viele IT-Bereiche, für verschiedene Datenbanken, für Web-Anwendungen, für bestimmte IT-Services, für Industrie 4.0-Systeme, um einige Anwendungsfelder zu nennen. Honeypots sind schon heute sehr hilfreich, sie können aber, wie ein Artikel unserer Partnerplattform Security-Insider zeigt, mit Künstlicher Intelligenz erweitert werden. Ein Beispiel dafür ist die sogenannte Virtual Machine Behavioural Introspection (VMBI) Technik. Dabei wird eine virtuelle Maschine als Köder ausgelegt, um mögliche Angriffsversuche zu erfassen und auszuwerten. Hackern erscheint der virtuelle Köder als Teil des Unternehmensnetzwerks.

Die Künstliche Intelligenz kommt ins Spiel, wenn die Aktivitäten der Angreifer auf der virtuellen Maschine analysiert werden. Dazu werden die in dem Unternehmen üblichen Aktivitäten mit den festgestellten verglichen, um Anomalien zu ermitteln. Hier liegt somit der KI-Anteil auf der Analyse von Aktivitäten, wie es bei vielen KI-Anwendungen in der Security üblich ist. Interessant dabei ist die Kombination mit einer virtuellen Maschine als Honeypot.

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