IoT trifft KI: Aktuelle Projekte, Use Cases und Trends

Seite: 13/13

Anbieter zum Thema

Der Blick nach vorn: KI-Zukunftsprojekte

Doch wie geht es weiter mit der Künstlichen Intelligenz? An was wird aktuell geforscht? Und was ist an technischen Weiterentwicklungen und Neuerungen schon in der Pipeline?

Maschinen können bald moralisches Verhalten von Menschen imitieren. Davon sind Wissenschaftler der Universität Osnabrück überzeugt. Anlasse ist das autonome Fahren, denn selbstfahrende Automobile sind die erste Generation intelligenter Roboter, die den alltäglichen Lebensraum mit dem Menschen teilen. Folglich ist es unabdingbar, Regeln für und Erwartungen an autonome Systeme zu erarbeiten, die definieren, wie sich diese in kritischen Situationen verhalten sollen.

Das Institut für Kognitionswissenschaft der Universität Osnabrück hat nun eine Studie in Frontiers in Behavioral Neuroscience veröffentlicht, die zeigt, dass menschlich-ethische Entscheidungen in Maschinen implementiert werden können und autonome Fahrzeuge bald moralische Dilemmata im Straßenverkehr bewältigen werden. Politisch wird die Debatte zur Modellierbarkeit moralischer Entscheidungen durch eine Initiative des Bundesministeriums für Transport und Digitale Infrastruktur (BMVI) begleitet, die dafür 20 ethische Prinzipien formuliert hat. Die Osnabrücker Studie liefert dazu nun erste empirische wissenschaftliche Daten.

"Um Regeln oder Empfehlungen definieren zu können sind zwei Schritte notwendig. Als Erstes muss man menschliche moralische Entscheidungen in kritischen Situationen analysieren und verstehen. Als zweiten Schritt muss man das menschliche Verhalten statistisch beschreiben, um Regeln ableiten zu können, die dann in Maschinen genutzt werden können", erklärt Prof. Dr. Gordon Pipa, einer der leitenden Wissenschaftler der Studie.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 31 Bildern

Zur Realisierung beider Schritte nutzten die Autoren eine virtuelle Realität, mit der das Verhalten von Versuchspersonen in simulierten Verkehrssituationen beobachtet wird. Die Teilnehmer der Studie fuhren dazu an einem nebeligen Tag durch die Straßen eines typischen Vorortes. Im Verlauf der Experimente kam es dabei zu unvermeidlichen und unerwarteten Dilemma-Situationen, bei denen Menschen, Tiere oder Objekte als Hindernisse auf den Fahrspuren standen. Um den Hindernissen auf einer der beiden Spuren ausweichen zu können, war eine moralische Abwägung notwendig. Die beobachteten Entscheidungen wurden dann durch eine statistische Analyse ausgewertet und in Regeln übersetzt. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass im Rahmen dieser unvermeidbaren Unfälle moralisches Verhalten durch eine einfache Wertigkeit des Lebens erklärt werden kann, für jeden Menschen, jedes Tier und jedes Objekt.

Leon Sütfeld, der Hauptautor der Studie, erklärt dies so: "Das menschliche moralische Verhalten lässt sich durch den Vergleich von einer Wertigkeit des Lebens, das mit jedem Menschen, jedem Tier oder jedem Objekt assoziiert ist, erklären bzw. mit beachtlicher Präzision vorhersagen. Das zeigt, dass menschliche moralische Entscheidungen prinzipiell mit Regeln beschrieben werden können und dass diese Regeln als Konsequenz auch von Maschinen genutzt werden könnten."

Grundsätzlich stehen die Erkenntnisse der Osnabrücker Forscher im Widerspruch zu dem achten Prinzip des BMVI-Berichtes (s.o.), das auf der Annahme gründet, moralische Entscheidungen seien nicht modellierbar Doch lässt sich dieser grundlegende Unterschied erklären? Algorithmen können entweder durch Regeln beschrieben werden oder durch statistische Modelle, die mehrere Faktoren miteinander in Bezug setzen. So sind Gesetze regelbasiert. Der Mensch und moderne Künstliche intelligente Systeme nutzen hingegen eher ein komplexes statistisches Abwägen. Dieses Abwägen erlaubt es dem Menschen und der modernen KI, auch neue Situationen zu bewerten, denen Mensch und KI bisher nicht ausgesetzt waren.

In der wissenschaftlichen Arbeit von Sütfeld wurde nun eine solche dem menschlichen Verhalten ähnliche Methodik zur Beschreibung der Daten genutzt. "Deshalb müssen die Regeln nicht abstrakt am Schreibtisch durch einen Menschen formuliert, sondern aus dem menschlichen Verhalten abgeleitet und gelernt werden. So stellt sich die Frage, ob man diese nun gelernten und konzeptualisierten Regeln nicht auch als moralischen Aspekt in Maschinen nutzen sollte", argumantiert Forscher Sütfeld.

"Nun, da wir jetzt wissen, wie wir moralische Entscheidungen in die Maschinen implementieren können, bleiben uns trotzdem noch zwei moralische Dilemmata", betont Prof. Dr. Peter König, der ebenfalls an der Studie mitwirkte. "Erstens müssen wir uns über den Einfluss von moralischen Werten auf die Richtlinien für maschinelles Verhalten entscheiden. Zweitens müssen wir uns überlegen, ob wir es wollen, dass Maschinen sich (nur) menschlich verhalten sollen."

Zu ethischen Fragen der Künstlichen Intelligenz äußert sich auch Luciano Floridi in einem Interview mit WIRED. Floridi ist Professor an der Universität Oxford und berät auch große Digitalkonzerne wie IBM oder Google.

Ebenfalls lesenswert ist das Diskussionspapier "Künstliche Intelligenz: - Chancen und Risiken" der Stiftung für effektiven Altruismus. Das Papier setzt sich unter anderem mit der Frage auseinander, ob es so etwas wie ein künstliches Bewusstsein geben kann, und wie derartige "Maschinen" unter ethischen Gesichtspunkten zu behandeln wären. Unterstützt werden die Kernthesen des Papiers von namhaften Wissenschaftlern aus dem KI-Bereich und den Rechtwissenschaften.

Schneller denken mit dem Quantencomputer

Fotosammlungen oder Soziale Netzwerke sind Datensammlungen, in denen die Daten meistens nicht sortiert vorliegen. Die Suche nach einzelnen Elementen, also nach der Nadel im Daten-Heuhaufen, ist bei sehr großen Datenmengen für klassische Computer extrem aufwändig. Wissenschaftler am Karlsruher Institut für Technologie haben nun den Grover-Algorithmus – ein Verfahren zum schnellen Finden eines Suchelements in unsortierten Datenbanken – quantenmechanisch implementiert und erfolgreich ausgeführt. Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten sie nun in den Physical Review Letters.

Ein universeller Quantencomputer ist zwar noch eine Zukunftsvision. Spezielle Quantensysteme, die versprechen, eine bestimmte Aufgabe schneller als ein klassischer Computer lösen, spielen in der Wissenschaft bereits jetzt eine große Rolle. Ein konventioneller Computer muss, um ein bestimmtes Element in unsortierten Daten sicher zu finden, im ungünstigsten Fall alle Suchelemente nacheinander durchlaufen. Ein Quantensystem mit implementiertem Grover-Suchalgorithmus verringert die Suchzeit, da es zeitgleich auf alle Zustände innerhalb einer sogenannten Superposition angewendet werden kann.

Forschergruppen um die Professoren Wolfgang Wernsdorfer und Mario Ruben am KIT ist nun gemeinsam mit Wissenschaftlern des Instituts Néel (Grenoble) genau dies gelungen: Die Wissenschaftler haben nun den Grover-Algorithmus auf einen molekularen Magneten angewandt und damit erfolgreich ein Quantensystem erschaffen, dessen Aufgabe das schnelle Auffinden von Suchelementen in unsortierten Daten ist. In der aktuellen Forschung haben sie die Machbarkeit einer schnellen Suche für eine kleine Datenbank von vier Elementen exemplarisch belegt. "Allerdings", so Ruben "kann diese Methode in jeglichen Quantensystemen mit vielen, nicht-äquidistanten Energieniveaus implementiert werden, was den Weg hin zu einem universellen Quantensuchalgorithmus eröffnet".

Im aktuellen Fall wurde der Grover-Algorithmus in einen molekularen Magneten implementiert, der mit speziell designten Mikrowellen in eine Superposition gebracht wurde – ein Quanteneffekt, bei dem sich ein Teilchen zugleich in verschiedenen Zuständen befinden kann. Nach der Ausführung der Quantenoperationen las ein Einzelmolekültransistor die Suchergebnisse aus. Eine Animation verdeutlicht diesen Vorgang.

Wolfgang Wernsdorfer, der am Physikalischen Institut und am Institut für Nanotechnologie des KIT forscht, betont, dass diese Manipulation von Quantenzuständen zwar bei sehr tiefen Temperaturen, aber unter ausschließlicher Nutzung von elektrischen Feldern gelang. "Deshalb haben wir die Hoffnung, dass sich diese Technologie in aktuelle elektronische Geräte integrieren lässt", so Wernsdorfer.

Der maßgeschneiderte Molekül-Transistor wurde in Mario Rubens Gruppen am Institut für Nanotechnologie und am Institut für Anorganische Chemie des KIT synthetisiert. Er besitzt in der Mitte ein Terbium-Atom, das über ein ausgeprägtes magnetisches Moment, einen Spin, verfügt. Umgeben ist das Terbium von organischen Molekülen, die es abschirmen und somit gegen äußere Einflüsse robust machen.

KI-Software, -Frameworks und -Plattformen (Auswahl)

Mit Watson in der IBM Cloud lassen sich sehr leistungsfähige KI-Funktionen in Unternehmensanwendungen integrieren und Daten in einer Cloud mit höchster Sicherheit speichern, "trainieren" und verwalten. Einen Einstieg in die Watson-Welt können z.B. Chatbots sein, die das Kundenerlebnis optimieren. Chatbots sind eine wichtige Voraussetzung für die Interaktion von Benutzern mit einem Unternehmen. Sie sprechen dieselbe Sprache, können Fragen beantworten und bieten unmittelbare Unterstützung. Chatbots können Hindernisse für einen schnellen und effizienten Kundenkontakt beseitigen. Denn sie ergänzen als Schnittstelle für natürliche Sprache Ihre App, Ihre Website, Ihr mobiles Gerät, Ihre Messaging-App und Ihre sozialen Kanäle. Watson von IBM hilft bei der Erstellung von Chatbots, ohne dass man mit dem Coding bei Null anfangen muss.

https://www.ibm.com/watson/de-de/developer/

Microsoft AI Platform:

Cognitive Services: Diese Sammlung leistungsfähiger APIs gibt Ihren Apps die notwendigen Voraussetzungen für eine intelligente Interpretation der Umwelt. Auf der Basis von Bildanalyse, Spracherkennung und Erfassung relevanter Informationen können Ihre Apps auf eine natürliche Weise mit den Benutzen interagieren. Mit nur wenigen Codezeilen erstellen Sie schnell und einfach Apps, die selbständig lernen, sich anpassen und mit der Zeit besser werden, und die auf vielen Geräten und Plattformen funktionieren.

Bot-Plattform: Geben Sie Ihren Kunden an ihrem Standort einen natürlichen Gesprächspartner. Mit dem Microsoft Bot Framework können Sie leicht neue Benutzerinteraktionen generieren und beliebig skalieren. Nutzen Sie Kanäle wie Facebook Messenger, Cortana, Slack, Skype und jetzt auch Bing für die Bereitstellung.

Deep Learning: Das Microsoft Cognitive Toolkit ist ein kostenloses, benutzerfreundliches, Open-Source-Toolkit, das Deep-Learning-Modelle mit massiven Datenmengen trainiert. Azure nutzt einen der größten KI-Supercomputer für das Training und die Auswertung Ihres Modells. Das extrem hohe Leistungsniveau liefern GPUs und FPGAs und ein nahezu beliebig nach oben skalierbares Deep-Learning-Framework, wie beispielsweise das Cognitive Toolkit, TensorFlow oder Caffe.

Daten- und Analysen-Plattform: Daten sind für den nützlichen Einsatz von KI unerlässlich. Microsoft bietet eine umfassende Datenplattform mit integrierten Analysetools für alle strukturierten und nicht strukturierten Daten. Damit Sie Ihre Daten sinnvoll zur Anwendung bringen können.

https://www.microsoft.com/de-de/ai/ai-platform

Mit Detectron hat Facebooks KI-Abteilung eine Software zur automatischen Objekterkennung unter einer Open-Source-Lizenz veröffentlicht. Detectron ist für Forschungszwecke gedacht. Die Software wurde in Python geschrieben und basiert auf dem Deep-Learning-Framework Caffe2 von Facebook, das ebenfalls unter einer Open-Source-Lizenz verfügbar ist. Detectron unterstützt von Haus aus eine Reihe Objekterkennungsalgorithmen. Mit der Veröffentlichung der Software unter einer Open-Source-Lizenz will Facebook Wissenschaftlern die Möglichkeit geben, die von dem KI-Team veröffentlichten Paper zur Objekterkennung verifizieren zu können. Außerdem hofft der Konzern, so die Forschung in dem Bereich voranzutreiben. Der Quellcode von Detectron steht auf Github zur Ansicht und zum Download bereit.

https://github.com/facebookresearch/Detectron

TensorFlow ist eine plattformunabhängige Open-Source-Programmbibliothek für künstliche Intelligenz bzw. maschinelles Lernen im Umfeld von Sprache und Bildverarbeitungsaufgaben. In der Forschung und im Produktivbetrieb wird sie derzeit von verschiedenen Teams in kommerziellen Google-Produkten wie Spracherkennung, Gmail, Google Fotos und der Google Suche verwendet. So wird der Kartendienst Maps durch Analyse der von Street View aufgenommenen Fotos, die mit Hilfe einer auf TensorFlow basierenden KI analysiert werden, verbessert. TensorFlow wurde ursprünglich vom Google-Brain-Team für den Google-internen Bedarf entwickelt und später unter der Apache-2.0-Open-Source-Lizenz veröffentlicht. Ab der Version TensorFlow 1.5 wird zusätzlich TensorFlow Lite mit ausgeliefert. Dabei handelt es sich um eine schlanke Variante dieses Frameworks, die speziell für mobile Endgeräte konzipiert ist. Diese Lite-Variante ist nicht zum Training der Modelle gedacht, sondern lediglich zum Anwenden bereits trainierter Modelle.

https://www.tensorflow.org/

Caffe ist eine Programmbibliothek für Deep Learning. Sie wurde von Yangqing Jia während seiner Ph.D.-Zeit am Vision and Learning Center der University of California, Berkeley entwickelt.. Caffe hat zuerst die MATLAB-Implementierung von schnellen Convolutional Neural Networks (CNN) nach C und C++ portiert. Caffe enthält zahlreiche Algorithmen und Deep-Learning-Architekturen für die Klassifikation und Clusteranalyse von Bilddaten. CNN, R-CNN (Rekurrentes neuronales Netz), LSTM (Long short-term memory) und vollständig verbundene neuronale Netze werden unterstützt. Mit Caffe kann die Grafikprozessor-basierte Beschleunigung mit cuDNN von Nvidia genutzt werden[3], sodass 60 Millionen Bilder pro Tag prozessiert werden können. Als hauptsächliche Programmierschnittstelle sind Python (NumPy) und MATLAB vorgesehen. Yahoo hat Caffe in Apache Spark eingebunden (caffeonspark) um Deep Learning verteilt zu verwenden.

http://caffe.berkeleyvision.org/

Bei Torch handelt es sich um ein wissenschaftliches Computing-Framework mit breiter Unterstützung für maschinelle Lernalgorithmen, bei dem GPUs an erster Stelle stehen. Es ist einfach zu bedienen und effizient, dank einer einfachen und schnellen Skriptsprache, LuaJIT, und einer zugrunde liegenden C/CUDA-Implementierung. Es enthält folgende Kernfunktionen: ein leistungsstarkes N-dimensionales Array, viele Routinen zum Indizieren, Slicen, Transponieren, Schnittstelle zu C über, LuaJIT, lineare Algebra-Routinen, neuronales Netzwerk und energiebasierte Modelle, numerische Optimierungsroutinen, schnelle und effiziente GPU-Unterstützung, ist integrierbar mit Ports zu iOS und Android-Backends. Torch ist Open-Source. Sie können also auch mit dem Code auf dem GitHub Repo beginnen.

http://torch.ch

PaddlePaddle: PArallel Distributed Deep LEarning ist eine einfach zu bedienende, effiziente, flexible und skalierbare Deep Learning Plattform. Praktische Anwednungen, die sich mit PaddlePaddle erstellen lassen sind Computer-Vision (Verwendung eines Convolutional Neural Network (CNN) zur Bilderkennung und Objekterkennung), natürliches Sprachverständnis (Verwendung eines Recurrent Neural Network (RNN) für die Stimmungsanalyse), Empfehlungssysteme (Einsatz von Deep Learning auf Empfehlungssystemen, um Anwendern zu helfen, Interessen zu finden).

http://www.paddlepaddle.org/

Scikit-learn (ehemals scikits.learn) ist eine kostenlose Software-Bibliothek für die Programmiersprache Python. Sie bietet verschiedene Klassifikations-, Regressions- und Clustering-Algorithmen, darunter Support-Vektor-Maschinen, Randomforests, Gradient Boosting, k-means und DBSCAN, und ist so konzipiert, dass es mit den numerischen und wissenschaftlichen Python-Bibliotheken NumPy und SciPy zusammenarbeitet.

http://scikit-learn.org/stable/

Eine umfassende Übersicht über aktuelle AI Software für verschiedenste Anwendungen bietet https://www.capterra.com.de/directory/30938/artificial-intelligence/software/.

(ID:45337180)