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7. So errechnet das IW die Ingenieurlücke
Die Frage, ob es eine wachsenden Ingenieurlücke auf dem deutschen Arbeitsmarkt gibt, wurde in den letzten Monaten immer wieder kontrovers diskutiert. Das Problem: Während VDI und IW den Ersatzbedarf in den nächsten Jahren auf rund 36.000 beziffern, zieht das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung die Berechnungen in Zweifel. Dort kommt man auf einen Ersatzbedarf von lediglich 20.000 Ingenieuren.
VDI und IW werfen dem DIW methodische fehler bei seinen Berechnungen vor und bleiben auch in ihrem aktuellen Gutachen dabei: Soll die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands auch zukünftig gesichert werden, benötigt das Land zusätzliche Ingenieure. Dieser Bedarf ergibt sich aus folgenden Umständen:
1. Deutschand ist Europas Schlusslicht in der Ingenieurdemografie.
In keinem anderen Land Europas sind so viele ältere Ingenieure am Arbeitsmarkt aktiv wie in Deutschland. Laut Berechnungen des Institut der deutschen Wirtschaft gehören 21 Prozent der erwerbstätigen Ingenieure der Altersklasse 55+ an, nur 18 Prozent sind 34 Jahre oder jünger. Im europäischen Durschnitt liegt der Anteil bei unter 15 Prozent.
Gleichzeitig ist die Arbeitslosigkeit von Ingenieuren im Alter 50+ im Jahr 2010 auf rund 10.000 gesunken und damit um mehr als drei Viertel unter dem Niveau des Jahres 1999 mit über 40.000 Ingenieuren. Damit stellte diese Altersgruppe 2010 noch gut 39 Prozent aller arbeitslosen Ingenieure (1999: 55 Prozent).
2. Technologischer Fortschritt und nicht ingenieurklassische Tätigkeiten treiben den Bedarf
Den jährlichen Bedarf an Ingenieurabsolventen berechnen VDI und IW aus dem Expansions- und dem Ersatzbedarf. Aufgrund des technologischen Fortschritts ist die Zahl der erwerbstätigen Ingenieure zwischen 2000 und 2009 im Durchschnitt um rund 40.000 Personen gestiegen, was bei gleichbleibenden Rahmenbedingungen dem zukünftigen jährlichen Expansionsbedarf entspricht.
Rechnet man den Ersatzbedarf von 36.000 Ingenieuren hinzu kommen VDI und IW auf einen jährlichen Gesamtbedarf von aktuell rund 76.000 zusätzlichen Ingenieuren bzw. über 80.000 in den kommenden Jahren. Die Absolventenzahl lag 2010 bei knapp 50.000 Ingenieuren.
Im Streit um das Thema Ingenieurlücke halten VDI und IW dem Deutschen Institut für Wirschaft (DIW) vor, es hätte bei der Berechnung des Ersatzbedarf in seiner jüngsten Schätzung lediglich Ingenieure in den klassischen Ingenieurberufen berücksichtigt. Aber auch Ingenieure die als Hochschulprofessoren, Geschäftsführer oder in anderen komplexen Controlling-Bereichen tätig seien, müssten ersetzt werden.
Den jeweils aktuellen Bedarf errechnet das IW in seinem Ingenieurmonitor. Auf dieser Webseite ist ferner der Methodenbericht für die Berechnung einzusehen.
Als Ingenieur definiert das Gutachten des VDI und IW Personen, die über einen Abschluss in einem ingenieurwissenschaftlichen Studiengang an einer Universität, Hochschule oder Fachhochschule verfügt. Nicht berücksichtigt wurden die Studienfächer Tontechnik, Innenarchitektur, Forstwissenschaft, Gartenbau, Ingenieurinformatik und Agraringenieurwesen.
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