Merger und Akquisitionen

Halbleiterjahr 2016: Rekordübernahmen bei stagnierendem Markt

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Ausblicke auf das Jahr 2017

3-Monatstrend des Halbleiter-Weltmarkts: Nach Trendanalyse des ZVEI ist der Halbleitermarkt inzwischen gereift, das jährliche Wachstum beträgt inzwischen ingesamt nur mehr 2%. Um weiter Wachstum zu zeigen, suchen Unternehmen nach anderen Märkten oder widmen sich verstärkt Mergern bzw. Akquisitionen.(Bild:  ZVEI)
3-Monatstrend des Halbleiter-Weltmarkts: Nach Trendanalyse des ZVEI ist der Halbleitermarkt inzwischen gereift, das jährliche Wachstum beträgt inzwischen ingesamt nur mehr 2%. Um weiter Wachstum zu zeigen, suchen Unternehmen nach anderen Märkten oder widmen sich verstärkt Mergern bzw. Akquisitionen.
(Bild: ZVEI)

Im April 2016 hatte Wally C. Rhines, CEO von Mentor Graphics, von einer wahren „Merger-Manie“ gesprochen, die die Industrie ergriffen hätte; bezeichnenderweise akzeptierte sein Unternehmen ein halbes Jahr später ein Übernahmeangebot durch den deutschen Elektronikkonzern Siemens in Höhe von 4 Milliarden US-$.

Hinter der rapide zunehmenden Höhe der durchschnittlichen Übernahmesummen liegt sicherlich auch der derzeit noch sehr niedrige Leitzins der Weltbanken, die für einen Kauf auf billigem Kredit möglich macht. Dies wird 2017 auch noch für eine Weile Bestand haben, auch wenn sich bereits erste Änderungen abzeichnen. Die US-Notenbank hat etwa am 14. Dezember 2016, zum zweiten Mal seit Beginn der Finanzkrise, ihren Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 0,75% angehoben; ein Zeichen, dass es mit der Zeit des billigen Geldes langsam zu Ende gehen dürfte.

Die enorme Höhe der Akquisitonen könnte allerdings auch damit zusammenhängen, dass der Chipbranche „langsam die Übernahmekandidaten ausgehen“, wie der Chefredakteur von Storage-Insider.de, Rainer Graefen, angesichts der 5,5 Mrd. US-Dollar schweren Übernahme von Brocade durch Broadcom kommentierte.

Verlangsamung des Markt-Wachstums: Nur der Automobilbereich zeigt bei den Halbleiter-Anwendungen stabiles Wachstum, weswegen sich viele Hersteller auf dieses Segment fokussieren. Durch die Anforderungen in diesem Markt steigt besonders die Nachfrage an Aktoren und Sensoren. Aber auch Mikrocontroller und Speicher sind im Automotive-Markt stark gefragt.(Bild:  ZVEI)
Verlangsamung des Markt-Wachstums: Nur der Automobilbereich zeigt bei den Halbleiter-Anwendungen stabiles Wachstum, weswegen sich viele Hersteller auf dieses Segment fokussieren. Durch die Anforderungen in diesem Markt steigt besonders die Nachfrage an Aktoren und Sensoren. Aber auch Mikrocontroller und Speicher sind im Automotive-Markt stark gefragt.
(Bild: ZVEI)

Speziell in Deutschland dürfte sich im kommenden Jahr der Halbleitermarkt wieder erholen. Nach Angaben von Stephan zur Verth, Vorsitzender der Fachgruppe Halbleiter-Bauelemente im ZVEI-Fachverband Electronic Components and Systems, war der Bereich in Deutschland 2016 zwar um 4,4 Prozent auf 11,4 Milliarden Euro zurückgegangen. Für 2017 rechne man allerdings wieder mit einem Inlands-Wachstum von gut drei Prozent auf knapp zwölf Milliarden Euro. Generell, trotz - oder vielleicht gerade wegen - aller Konsolidierung soll sich der Halbleitermarkt in Europa weiter stabilisieren. Gerade Sensorik/Aktorik ist laut zur Verth dabei eine europäische Stärke, auch wenn dieses Segment 2016 mit knapp elf Milliarden US-Dollar noch den kleinsten Anteil am weltweiten Halbleitermarkt hatte. Starkes Wachstum verzeichnet hier allenfalls der Automotive-Bereich – weswegen viele Halbleiterhersteller in diesem Marktsegment Zuflucht suchen, was auch die Mehrzahl der verschiedenen Merger und Akqusitionen dieses Jahres deutlich aufzeigte.

Speziell auf dem Markt für Flashspeicher könnte es 2017 enger werden; was allerdings nicht der Konsolidierung geschuldet ist. Speziell das Gezerre am Handymarkt, inklusive der massiven Rückrufaktion Samsungs um das Galaxy Note 7, hat die Nachfrage nach Flash-Speicher enorm ansteigen lassen - doch noch sind die Yields der neuen 3-D-NAND-Technologie nicht ergiebig genug, um dies aufzufangen. „Die wachsende Lücke zwischen Nachfrage und Produktionskapazitäten lässt Preise und Lieferzeiten steigen,“ sagt Ulrich Brandt, Director Marketing Swissbit AG.(Bild:  swissbit)
Speziell auf dem Markt für Flashspeicher könnte es 2017 enger werden; was allerdings nicht der Konsolidierung geschuldet ist. Speziell das Gezerre am Handymarkt, inklusive der massiven Rückrufaktion Samsungs um das Galaxy Note 7, hat die Nachfrage nach Flash-Speicher enorm ansteigen lassen - doch noch sind die Yields der neuen 3-D-NAND-Technologie nicht ergiebig genug, um dies aufzufangen. „Die wachsende Lücke zwischen Nachfrage und Produktionskapazitäten lässt Preise und Lieferzeiten steigen,“ sagt Ulrich Brandt, Director Marketing Swissbit AG.
(Bild: swissbit)

Etwas bedenklicher sehen dagegen die Entwicklungen auf dem weltweiten Speichermarkt aus. Mehrere Hersteller befürchten angesichts der stark gestiegenen Nachfrage für 2017 einen drohenden Mangel speziell an Flash-Speicherbausteinen. „Wir beobachten schnell steigende Preise am Spotmarkt und längere Lieferzeiten,“ sagt beispielsweise Ulrich Brandt, Director Marketing Swissbit AG. „Treiber dafür lassen sich sowohl auf Angebots- wie auf Nachfrageseite finden. So schrauben der Samsung-Handyaustausch, die Ausstattung neuer Handymodelle – nicht nur im Premiumsegment – mit wesentlich größerer Speicherkapazität, der Umstieg der Cloud-Speicher von HDD auf SSD und High-End Consumer TVs die Nachfrage nach Flash-Chips auf neue Rekordhöhen.“ Gleichzeitig scheint die Umstellung auf 3D-NAND-Speicher länger zu dauern als gedacht. Die wachsende Lücke zwischen Nachfrage und Produktionskapazitäten lässt Preise und Lieferzeiten für Flashspeicher weiter steigen. Es könne wohl bis zum dritten Quartal 2017 dauern, bis diese Lieferengpässe weltweit wieder ausreichend aufgefangen werden können.

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