Meilensteine der Elektronik

Halbleiterinnovationen aus der Wiege des Silicon Valley

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Berühmte Aussteiger, die Weltmarktführer gründeten

Aus Fairchild ausgestiegen und mit der eigenen Firma zum Marktführer aufgeschwungen: Intel-Gründer Gordon Moore (rechts) und Robert Noyce (Mitte), zusammen mit einem ihrer ersten Angestellten, dem späteren Intel-CEO Andy Grove (links), in einer Aufnahme aus dem Jahr 1978.
Aus Fairchild ausgestiegen und mit der eigenen Firma zum Marktführer aufgeschwungen: Intel-Gründer Gordon Moore (rechts) und Robert Noyce (Mitte), zusammen mit einem ihrer ersten Angestellten, dem späteren Intel-CEO Andy Grove (links), in einer Aufnahme aus dem Jahr 1978.
(Bild: Intel)

Doch auch Noyce und Moore hielt es angesichts der rasch fortschreitenden Chiptechnologien nur bis 1968 bei Fairchild. Dann stiegen sie ihrerseits aus und gründeten ihre eigene Firma: Intel. Andere, wie der Entwickler des OpAmp µA709, Bob Widlar – der mit der Ansage „I want to be RICH“ kündigte und zum Rivalen National Semiconductor wechselte – waren schon früher gegangen. Weitere sollten folgten.

Mit einer cleveren Produktidee oder einem neuen Fertigungsprozess ließen sich Ausgründungen etablieren und finanzieren. Das Silicon-Valley-Modell der Venture- oder Risiko-Kapitalisierung, das auf den raschen Exit über die Börseneinführung abzielt, erlebte mit den Halbleiter-Startups seinen kometenhaften Aufstieg – an dem auch die ersten Mitarbeiter von Fairchild Semiconductor maßgebend beteiligt waren.

So bildete sich eine ganze Genealogie von Aussteigern und Gründern, die als stolzes Schaubild der Halbleiter-Evolution noch bis in die Neunziger Jahre in keinem Hightech-Office im Silicon Valley als Wandschmuck und Nachweis meritokratischer Abstammung fehlen durfte. Dies zementierte den Mythos und den Pioniergeist des Silicon Valley: mit immer neuen Ideen zur Nutzung, Ausbeutung und Weiterentwicklung des ursprünglichen (freien) Transistor-Patents der Bell Labs von AT&T und mit (damals) günstigem Markt-Einstieg.

Bei Fairchild begann nach dem Weggang der unruhigen Gründer eine lange, erfolgreiche Ära unter dem bei Motorola abgeworbenen neuen Präsidenten C. Lester Hogan und seiner eigenen Führungsriege. Diese wurden auch „Hogan's Heroes“ genannt; in Anspielung an die gleichnamige Fernsehserie, die im deutschen Fernsehen als „Ein Käfig voller Helden“ bekannt ist. Das war ein Neubeginn unter veränderten Vorzeichen und wachsendem Erfolg in Bezug auf den Umsatz des Unternehmens.

Neue Innovationen und drastische Umbrüche

CMOS NVM (Non-volatile memory), 1986: Der erste nichtflüchtige, elektrisch löschbare Speicher war das letzte Fairchild-Produkt vor der Übernahme durch National Semiconductors.
CMOS NVM (Non-volatile memory), 1986: Der erste nichtflüchtige, elektrisch löschbare Speicher war das letzte Fairchild-Produkt vor der Übernahme durch National Semiconductors.
(Bild: Fairchild Semiconductor)

Ein Schlüsseljahr für Fairchild war 1973. Es brachte die Einführung der ersten Produkte auf der Basis des eigenen Isoplanar-II-Prozesses, mit dielektrischer Isolation der Emitter-Basis- und Basis-Kollektor-Übergänge. Mit Isoplanar II ließ sich die Fläche der integrierten Transistoren gegenüber dem ersten Isoplanar-Prozess um 70% reduzieren. Zugleich verdoppelte sich die Performance gegenüber dem konventionellen Prozess um den Faktor Zwei.

Der nächste Meilenstein war 1978 erreicht: mit der FAST- (Fairchild Advanced Schottky TTL) Logik. Sie realisierte einen Performance-Fortschritt um bis zu 30 % gegenüber der Standard-Schottky-TTL-Logik (74S) bei einer Einsparung in der Versorgungsleistung von 75 bis 80%.

Doch 1979 kam ein gravierender Einschnitt: Fairchild wurde vom Ölkonzern Schlumberger aufgekauft und eingegliedert. Zu diesem Zeitpunkt liefen auch zahlreiche IPs aus, auf deren Grundlage das Unternehmen seinen damaligen raschen Aufstieg begründet hatte.

Low-Power CMOS und Nichtflüchtige Speicher

Ungeachtet der diversen Umstrukturierungen ging die Technologie-Entwicklung weiter: Zu den Highlights zählte die 1985 vorgestellte FACT- (Fairchild Advanced CMOS Technology) Logik einer schnellen Low-Power-Familie mit für damalige Verhältnisse ausgezeichneten Treibereigenschaften und hoher ESD- und Latch-up-Festigkeit. Sie realisierte Standard-Logikfunktionen mit CMOS-kompatiblen Eingängen und TTL-kompatiblen Ausgängen. Fairchild bezeichnete sie als erste am Markt durchsetzbare High-Performance CMOS-Logik.

Ein weiterer Meilenstein war 1986 der erste in CMOS-Technologie hergestellte elektrisch löschbare nichtflüchtige Speicher. Er basierte auf dem Fairchild-eigenen Floating-Gate-Prozess und bot einen extrem kleinen Footprint bei hoher Zuverlässigkeit.

1987 folgte allerdings ein Ereignis, mit dem das Unternehmen praktisch von der Bildfläche verschwand: die Übernahme durch den vom ehemaligen Fairchild-Fertigungsschef Charles Sporck geleiteten Rivalen National Semiconductor.

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