Wirtschaftliche Schieflage GaN-Halbleiterchip-Hersteller BelGaN ist das Geld ausgegangen

Von Susanne Braun 3 min Lesedauer

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Der belgische Halbleiterchip-Hersteller BelGaN übernahm einst die Produktions- und F&E-Einrichtung für Silizium- und GaN-Chiptechnologien in Oudenaarde von Onsemi. Die Zukunftstechnologie hat dem Unternehmen keinen Erfolg und vor allem nicht genügend Investoren eingebracht, denn Ende Juli 2024 musste BelGaN Insolvenz anmelden.

BelGaNs Produktions- und F&E-Einrichtung für Silizium- und GaN-Chiptechnologien in Oudenaarde, die vor wenigen Jahren erst von Onsemi übernommen worden war.(Bild:  BelGaN)
BelGaNs Produktions- und F&E-Einrichtung für Silizium- und GaN-Chiptechnologien in Oudenaarde, die vor wenigen Jahren erst von Onsemi übernommen worden war.
(Bild: BelGaN)

Galliumnitrid (GaN) verspricht als Halbleitermaterial gegenüber herkömmlichen Silizium-basierten Halbleitern in verschiedenen Anwendungen erhebliche Leistungssteigerungen und Effizienzgewinne, sodass Halbleiterhersteller vorwiegend in der Leistungselektronik große Hoffnungen auf GaN setzen. Und die Leistungselektronik selbst treibt viele der Technologien an, die uns zu einer grüneren und ressourcenschonenderen Welt verhelfen sollen, etwa Elektromobilität und erneuerbare Energien.

Aus Oudenaarde in Belgien allerdings sollte wohl nicht mit GaN-Halbleiterchips gerechnet werden, denn Ende Juli 2024 teilten die Verantwortlichen des Unternehmens BelGaN mit, dass Insolvenz angemeldet werden musste. BelGaN wurde 2022 gegründet und übernahm die Produktionsstätte sowie das Forschungs- und Entwicklungslabor von Onsemi. In den vergangenen Jahren hat BelGaN an der Umstellung von Silizium- auf Galliumnitrid-Chiptechnologien gearbeitet und nach weiteren Investoren gesucht, um den Prozess zu ermöglichen. „Leider ohne Erfolg“, so BelGaN in einer Pressemitteilung. „Infolgedessen ist das Unternehmen nun gezwungen, die Bücher niederzulegen.“ Rund 440 Mitarbeiter sind davon betroffen.

Man wolle allerdings nicht ausschließen, dass die Produktion verlagert wird, so die Autoren von The Brussels Times, denn in der ursprünglichen Pressemitteilung von BelGaN „bedauert die Geschäftsführung, dass die große Geschichte in Flandern zu Ende zu gehen scheint.“ General Manager Roger Willems stellte gegenüber der Tageszeitung klar, dass es sich dabei vor allem um eine Erklärung gegenüber der Politik handele, „um nach Bedingungen zu fragen, unter denen die Industrie in Belgien überleben kann.“

Hohe Kosten, viele Unsicherheiten

Zwar ist die Webseite von BelGaN weiterhin erreichbar, als wäre nichts geschehen, dennoch wird die Krise des GaN-Spezialisten bedauert - etwa aus dem Silicon Saxony. GaN-Technologien erlauben unserer Gesellschaft viele Fortschritte in den Bereichen Elektromobilität und Energiewende, für die hohe Schaltgeschwindigkeiten und bessere thermische Eigenschaften im Vergleich zu Silizium-Halbleitern unerlässlich geworden sind.

„Hohe Produktionskosten und Unsicherheiten des Materialmarktes halten dennoch viele mögliche Anwender dieser Technologie noch immer von einem Einsatz ab. Es sind die ‚alten, verlässlichen Pferde‘, auf die weiterhin gesetzt wird.“ Warum es trotzdem von Vorteil wäre, „diese verhältnismäßig ‚junge Stute‘ im Stall nicht zu vernachlässigen, Unternehmungen wie BelGaN auch aus europäischer Sicht zu retten, zu fördern und damit langfristig zu halten“, besprechen die Verantwortlichen von Silicon Saxony in einem umfangreichen Meinungsbeitrag.

Fehler wiederholen sich?

Es mute merkwürdig an, dass weder mögliche Kooperationspartner noch der belgische Staat versuchten, das angeschlagene Unternehmen zu retten. „Wiederholt sich am Ende ein Fehler aus der sächsischen Vergangenheit?“, fragt Silicon Saxony.

„Mit der Qimonda AG stand seit 2006 eine Ausgründung der Infineon Technologies AG in Sachsen im Fokus. Die komplette Speicherchipsparte von Infineon wurde damals in dieser neuen Gesellschaft gebündelt. Zugegeben ein Bereich, der mit GaN herzlich wenig zu tun hat. In viereinhalb Jahren rutschte damals auch Qimonda in eine wirtschaftliche Schieflage und 2009 schließlich in die Insolvenz. Es fehlten der Mut und auch die Weitsicht, gerade bei der damaligen sächsischen Landesregierung oder dem Bund, ein zukunftsträchtiges Technologieunternehmen zu retten. Heute wäre Qimonda einer von weltweit nur wenigen Spezialisten eines gefragten Halbleiterbereiches“, wird erklärt.

Die Zukunft von BelGaN scheint vorerst ungewiss. Es stellt sich allerdings auch die Frage nach der Zukunftsperspektive von Galliumnitrid-Halbleitern zu stellen, denn Fragen hinsichtlich der Herstellungskosten, Haltbarkeit, Zuverlässigkeit und Ressourcen-Verfügbarkeit müssen noch abschließend geklärt werden. (sb)

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