Innovationen, Networking und Optimismus: Der ESE Kongress 2024 brachte mit seinen über 100 Vorträgen und Seminaren fast 1100 Embedded Software Engineers in professioneller, aber auch familiärer Atmosphäre zusammen. Themen wie Rust, Cyber Resilience Act und C++ bildeten Trends wie Bewährtes ab und setzten neue Impulse fürs kommende Jahr.
Blick auf die Zukunft: Mehr als 350 Teilnehmer lauschten Zukunftsforscherin Carina Stöttner bei Ihrer Keynote "Zeitreise in die Zukunft – Chancen und Risiken für die Software-Branche" am ESE Kongress 2024. Insgesamt nahmen auch in diesem Jahr fast 1100 Softwareingenieure an Deutschlands größtem Fachkongress zum Software Engineering teil - düsteren Wirtschaftsmeldungen zum Trotz!
(Bild: Nicolas Det)
Die aktuellen Nachrichten aus der Automobil-Branche, insbesondere im Bereich Software für Automotive, zeichnen ein durchwachsenes Bild: Verzögerungen bei Software-Entwicklungen, Probleme mit neuen Technologien und der Druck, immer komplexere Anforderungen zu erfüllen, belasten die Industrie. Dennoch bleibt der Bedarf an Weiterbildung, Networking und Innovation ungebrochen hoch.
Dies zeigte sich eindrucksvoll auf dem ESE Kongress 2024: Hiobsbotschaften aus der Wirtschaft zum Trotz fanden sich auch dieses Jahr 1084 Software-Entwicklerinnen und -Entwickler aus mehr als 400 Unternehmen und Institutionen vom 2.-5.12.2024 in der Stadthalle Sindelfingen ein. Trotz der Herausforderungen herrschte eine durchweg positive und zukunftsorientierte Stimmung, die den Willen zur Weiterentwicklung und zum gemeinsamen Fortschritt unterstrich. „Es tut gut, eine Veranstaltung zu erleben, die eine Vision hat in einer Zeit, in der andere nur ein schwarzes Bild malen“, fasste ein Teilnehmer die allgemeine Stimmung auf dem Kongress zusammen.
Rust und Themen rund um den Cyber Resilience Act besonders gefragt
Der diesjährige ESE Kongress bot den Teilnehmenden mit 108 Vorträgen und Kompaktseminaren sowie drei inspirierenden Keynotes ein umfassendes Programm. Besonders gut besucht waren die Tracks zur Programmiersprache Rust, die mittlerweile auch in der Embedded-Entwicklung zunehmend an Bedeutung gewinnt. Vor allem Grundlagenthemen zu der Programmiersprache, etwa eine anschauliche Erklärung zur Programmierung in Rust oder wie man am besten einen Übergang von C++ zu der quelloffenen Entwicklersprache gestaltet zogen so viele Teilnehmer an, dass die in der Regel 200 Zuschauer fassenden Vortragsräume aus allen Nähten platzten.
Ein weiteres Highlight waren die Diskussionen rund um die Software Bill of Materials und die Anforderungen des neuen Cyber Resilience Act. Beide Themen wurden von zahlreichen Fachvorträgen und Diskussionen begleitet, die die Bedeutung von Software-Sicherheit und regulatorischen Anforderungen für die Zukunft der Embedded-Systeme unterstrichen. Themen rund um die Softwareentwicklung im Licht der neuen EU-Regulatorik waren gut besucht und sorgten für reichlich Diskussionsstoff unter Teilnehmern, Referenten und Ausstellern gleichermaßen.
Hinzu kommen die Dauerbrenner des ESE-Kongress: Vor allem Themenkomplexe über die Implementierung von C-Code, die neuesten Entwicklungen in den C++-Standards – wie etwa Dr. Reiner Grimms anschaulicher Vortrag über die Neuerungen im Standard C++26 – als auch grundlegende wie fortgeschrittene Themen rund um Software-Architektur sind und bleiben essentielle Säulen des ESE-Kongress, die bereits alleine in Seminaren und Vorträgen Hunderte von Teilnehmern anlocken.
Weniger gut besucht als in den Vorjahren waren dagegen Themen, die sich auf den Anwendungsbereich Automotive fokussierten. Das lag aber weniger an der Relevanz der Themen an sich als an der aktuellen Wirtschaftslage: Hier machte sich vor allem das Fernbleiben von Teilnehmern aus der Automobil- und deren Zuliefererbranchen bemerkbar. Der in vielen Medien vermeldete Ausgaben- und Reisekostenstopp trug dazu bei, dass aus diesem Industriezweig deutlich weniger Personen am Kongress teilnahmen als in den Jahren zuvor. Das erklärt auch den leichten Rückgang an den Teilnehmern im Vergleich zum Vorjahr, als der ESE Kongress 2023 eine Rekordteilnehmerzahl von 1195 Teilnehmern verbuchen konnte.
Generell wurde aber von den Teilnehmern das breite Themenspektrum des ESE Kongress gelobt, in dem, wie Teilnehmer und Aussteller gleichermaßen formulierten, für jeden etwas dabei ist: Von Grundlegenden Themen wie Implementierung oder Architektur so Bereichen wie Safety & Security, Test & Qualität bis hin zu eher allgemeineren Themen wie dem passenden Projektmanagement. Auch Themen, die bereits etwas länger im Zeitgeist liegen – insbesondere stechen hier Open Source und KI heraus – finden weiterhin großen Zuspruch. In diesem Jahr machte sich bemerkbar, dass Bereiche wie Echtzeit-Anwendungen oder Security wieder mehr Zulauf erhielten als in den Jahren zuvor.
Ein Höhepunkt des Kongresses war die Verleihung der Speaker Awards ESE 2023, die herausragende Vorträge und Beiträge würdigte. Für das beste Seminar 2023 wurde Jan Altenberg mit seinem Hands-on-Beitrag „Wo ist der Flaschenhals? Performance-Analyse von Embedded-Linux-Systemen“.
Stand: 08.12.2025
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Als beste Speaker für Vorträge wurden ausgezeichnet:
Frank Benkert, der mit „Mitarbeiter nachhaltig motivieren“ eine Brücke zwischen Technik und Teamführung schlug
Dr. René Graf, der mit „What the Hack?! Wie Hackathons ein Entwicklungsteam voranbringen“ kreative Entwicklungsansätze präsentierte
Christian Wenzel-Benner, der die „Uhrendrift in verteilten eingebetteten Systemen“ anschaulich erklärte
Den Newcomer-Award erhielt Dr. Simon Duque Antón mit seinem Vortrag „KI: Wunsch und Wirklichkeit“, der den kritischen Umgang mit Künstlicher Intelligenz beleuchtete.
Auch außerhalb der Vortragsräume zeigten sich der ESE Kongress und seine Teilnehmer wieder einmal von ihrer besten Seite. An den über 40 Ausstellerständen und an den Speaker-Treffpunkten war in den Vortragspausen stets ein großer Andrang und beste Gelegenheit zum Netzwerken und fachlichem Austausch geboten. Auch bewährte Traditionen wie das Kickerturnier, die Entwicklerparty und die launige Abendveranstaltung – in diesem Jahr getragen von dem Comedian und Zauberkünstler Thomas Fröschle und seinem Programm „Geräte außer Kontrolle“ – trugen dazu bei, den Entwicklerkongress wie gewohnt zu einem gemütlichen, familiären Ereignis zu machen.
Der ESE Kongress 2024 zeigte eindrucksvoll, dass die Embedded Community auch in schwierigen Zeiten von Austausch und Weiterbildung lebt. Die Veranstaltung überzeugte mit innovativen Ideen, praxisnahen Vorträgen und einer durchweg optimistischen Atmosphäre, um die Trends der Branche abzubilden – und der Entwickler- Community neue Impulse fürs kommende Jahr auf den weg zu geben.(sg)