Ein Symbol gegen Lithium-Verschwendung Ein aufladbarer E-Bike-Akku aus 130 Einweg-Vapes

Von Sebastian Gerstl 3 min Lesedauer

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Die meisten in elektrischen Zigaretten eingesetzten Batterien sind tatsächlich aufladbare Akkus, selbst bei Einweg-Vapes. Hacker Chris Doehl hat aus 130 solcher Batterien eine aufladbare Stromquelle für sein E-Bike konstruiert.

Eine andere Form des Batterie-Recyclings: Aus 130 auf einem Musikfestival gesammelten, gebrauchten Einweg-Vapes ließ sich ein funktionaler, aufladbarer E-Bike-Akku zusammenstellen.(Bild:  Chris Doehl, via YouTube (Screenshot))
Eine andere Form des Batterie-Recyclings: Aus 130 auf einem Musikfestival gesammelten, gebrauchten Einweg-Vapes ließ sich ein funktionaler, aufladbarer E-Bike-Akku zusammenstellen.
(Bild: Chris Doehl, via YouTube (Screenshot))

In Deutschland werden schätzungsweise fünf Millionen Einweg-E-Zigaretten pro Monat verkauft. Das bedeutet, dass jährlich etwa 60 Millionen dieser sogenannten Einweg-Vapes über den Ladentisch gehen und nach kurzer Zeit weggeworfen werden. Obwohl es sich dabei um reine Artikel für den einmaligen Gebrauch handelt, werden darin oft wiederaufladbare Akkus verbaut.

Alle drei Sekunden ein iPhone-Akku im Müll

Doch aufgrund der Bauweise dieser Einweggeräte können diese weder aufgeladen noch sinnvoll wiederverwendet werden können. Sechs solcher Einweg-Vape-Akkus bergen dabei genug Lithium für einen typischen iPhone-Akku: jedes Jahr landen auf diesem Weg effektiv eine Menge an Batterien im Müll, die genug Lithium enthalten, um damit rechnerisch 11.000 Elektroautos versorgen zu können. Auch wenn diese Produkte unter das Elektroschrott-Gesetz ElektroG fallen, werden die wenigsten davon ordnungsgemäß entsorgt. Schlimmer sieht es im Vereinigten Königreich aus. Dort werden nach einer Studie aus dem Jahr 2023 pro Sekunde zwei Einweg-E-Zigaretten weggeworfen; effektiv alle drei Sekunden ein ganzer iPhone-Akku, der nur einmal entladen wurde.

Hobby-Hacker Chris Doehl hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Ressourcenverschwendung besser zu veranschaulichen – und Wege zu finden, den Wegwerfprodukten eine sinnvollere Aufgabe zu geben. In einem ersten Video präsentierte der Brite, wie man aus 24 dieser Wegwerf-Vapes in eine Powerbank umfunktionieren kann. Mit seinem jüngsten Projekt ging er einen Schritt weiter – oder fuhr damit 33 Kilometer: Auf dem Gelände eines Musikfestivals sammelte er 130 Wegwerf-Vapes ein, die er in einen 48 Volt / 1500-Watt-Akku für ein E-Bike umfunktionierte und damit die genannte Strecke zurücklegte.

Mit 130 Einweg-Vapes 33 Kilomeder radeln

Dass ein solches Recycling-Projekt im wahrsten Sinne des Wortes brandgefährlich und nichts für die heimische Werkbank ist, ist auch Doehl vollkommen bewusst. Er demonstriert in seinem Video auch, was im Falle falscher Verdrahtung oder eines mangelhaften Batteriemanagement-Systems passieren kann – was auch Fälle brennender kommerzieller E-Bike-Batterien einschließt. Ihm ging es in diesem Projekt weniger um die Praktikabilität, sondern vielmehr um ein Statement! Denn bei allem Gerede über Nachhaltigkeit und alternative Ressourcen für Akkus werden Jahr für Jahr regelrecht Tonnen des eigentlich wertvollen Materials Lithium buchstäblich verheizt oder sinnlos in Wegwerfprodukte verbaut.

Die meisten E-Bike-Batterien setzen Batteriezellen des Modells 18650 ein, also zylindrische Zellen mit einem Durchmesser von 18 mm und einer Länge von 65 mm. Die in Doehls Projekt verwendeten Batteriezellen aus E-Zigaretten sind vom Typ 20600, die er in 13 Blocks zu je 10 Zellen zusammensetzte und mit einem Batterie-Management-System ausstattete. Die 13 Blöcke für die jeweils 10 Batteriezellen fertigte Doehl in einem 3-D-Drucker.

Bei den Recherchen zu seinem Projekt stellte er fest, dass die in E-Vapes üblicherweise eingesetzten Batteriezellen für bis zu 300 Ladezyklen ausgelegt sind. Schade nur, dass dies für Einwegprodukte irrelevant ist. Es ist aber tatsächlich vergleichbar mit der Zahl an Ladezyklen in handelsüblichen E-Bikes oder elektrischen Rollern.

Doehls Eigenbau-Akku ist mit 1500 Watt wesentlich leistungsstärker als die obere Motorleistungsgrenze für E-Bikes ohne Versicherungsschutz, die bei 250W liegt. Im Video demonstriert Doehl, dass er mit einem so ausgestatteten E-Bike in der Lage war, 33 Kilometer zurückzulegen und dabei Geschwindigkeiten von bis zu 32 Meilen pro Stunde, oder etwas über 50 km/h, zu erreichen.

Während seines Projekts stellte Doehl übrigens fest, dass die Gehäuse eines Großteils der Einweg-Vapes aus Aluminium bestanden. So konnte er diese achtlos eingesetzte Ressource ordentlich dem Recycling übergeben. (sg)

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