Scheinbar reicht bereits ein Brief aus, um Unternehmen bei ihren Handelsbeziehungen in die Schranken zu weisen. Jüngst hatte das US-Handelsministerium Auftragsfertiger TSMC und Kunden in China auf dem Kieker.
Die von den USA ausgesprochenen Sanktionen gegenüber China wirken sich im "Chip-Krieg" nicht ausschließlich vorteilhaft aus.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)
Ein Brief des US-Handelsministeriums genügt und fortgeschrittene Chips gelangen nicht mehr in die Volksrepublik China. TSMC in Taiwan hat Anfang dieses Monats einen solchen Brief erhalten. Bestimmte Chips auf 7-Nanometer-Basis und darunter, geeignet für KI-Anwendungen, sollen nicht mehr nach China geliefert werden.
Ungeachtet des Wahlsiegs von Donald Trump fährt also auch die Regierung des noch amtierenden Präsidenten Joe Biden damit fort, den „Chip-Krieg“ gegenüber Peking zu verschärfen. Republikaner und Demokraten in Washington sind sich einig, dass so viele Schlupflöcher der bestehenden Boykotte geschlossen werden sollen, wie irgend möglich.
Ein Schlupfloch der Halbleiter-Sanktionen wurde entdeckt, als Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC) einige Wochen vor dem Versand des Briefes selbst das US-Handelsministerium darüber informiert hatte, dass einer seiner Chips in einem KI-Beschleuniger von Huawei gefunden war.
Huawei, das wegen seiner technologischen Erfolge in Washington als Rivale gesehen wird, darf solche Chip schon seit Längerem nicht mehr direkt aus den USA beziehen, seit es auf die berüchtigte „Entity List“ in Washington gesetzt worden ist. Offenbar soll Huawei aber über eine Bestellung bei dem kleineren, chinesischen Chip-Designer Sophgo dennoch an bestimmte 7-nm-Chips von TSMC gelangt sein.
Der Vorgang belegt, wie lang der Arm der US-Regierung derzeit noch ist. Es ist nicht einmal nötig, einen formalen Boykott für eine bestimmte Halbleiter-Klasse zu beschließen, sondern ein einfacher Brief genügt, und weltweit müssen sich Unternehmen dem Wunsch der Politiker in Washington beugen. „Is informed“-Brief heißen die Schreiben in der Halbleiterbranche. TSMC ließ kurz nach Erhalt des Briefes verlauten, dass es sich dem Wunsch der USA beugen werde. Man sei ein „gesetzestreues Unternehmen“, werde alle „entsprechenden Regeln und Bestimmungen befolgen, inklusive der betreffenden Export-Kontrollen“.
TSMC soll kurz danach, am 11. November, eigene Kunden in der Volksrepublik informiert haben, dass es für KI-Beschleuniger und GPU-Produkte geeignete Chips von 7 Nanometern und darunter nicht mehr liefern könne, berichtet das chinesische Fachportal Ijiwei. Es wird jedoch angenommen, dass TSMC solche Chips weiterhin nach China liefern könne, sofern sie für den Einsatz in der Automobilindustrie und für Smartphones gedacht sind (es sei denn, die Hersteller stehen auf den schwarzen Listen Washingtons).
Mit angezogener Handbremse
Analysten und Industrie-Insider in China gehen davon aus, dass die immer weitere Verschärfung der Chip-Boykotte Folgen haben, die nur partiell im Interesse der USA sind. Positiv dürfte es aus Sicht der China-Falken in Washington sein, dass Chinas Ambitionen, eine Hightech-Nation zu werden und insbesondere im Bereich künstliche Intelligenz schnell immer stärker zu werden, durch die Boykotte kurzfristig erschwert werden.
Da Washington auch Ausrüstungshersteller wie ASML in den Niederlanden erfolgreich daran hindern kann, leistungsstärkste Lithografie-Maschinen nach China zu verkaufen, wird unter anderem die Produktion chinesischer Hersteller von ASIC (Application Specific Integrated Circuits) und KI-fähigen GPUs vorübergehend stark erschwert.
Chinas gesamte wirtschaftliche Entwicklung wird so gebremst, denn fortgeschrittene KI-Chips werden für immer mehr Anwendungen in allen möglichen Industrien eingesetzt, unter anderem in den Bereichen erneuerbare Energien, Medikamentenforschung oder der Automation der Fertigungsindustrie.
Die größten fabless KI-Chip-Hersteller in China.
(Bild: Asia Waypoint)
Andererseits – und diese Folge der Boykotte dürfte den derzeit den Ton angebenden China-Hardlinern in Washington weniger gefallen – werden Chinas eigene Chip-Designer und Chip-Hersteller durch jeden weiteren Boykott weiter gestärkt.
Sanktionen wecken Motivationen
Langfristig gesehen, da sind sich gut informierte Beobachter einig, wächst durch jedes Verbot die Entschlossenheit chinesischer Unternehmen und Regierungsstellen, technologisch möglichst schnell gegenüber Washington aufzuholen und auch in der Halbleiter-Industrie immer autarker zu werden.
Stand: 08.12.2025
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„Ich glaube, dass es gut ist, wenn TSMC aufhört, Chips im 7-am-Bereich und darunter für chinesische Kunden herzustellen“, schreibt Xiang Ligang, ein chinesischer IT-Experte im Thinktank „Research and Development International“ der chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften, auf seinem Weibo-Kanal. Die bei TSMC nicht mehr möglichen Bestellungen würden nun „von chinesischen Chip-Foundries übernommen“, so der Experte.
Mit anderen Worten erzielt Washington kurzfristig taktische Erfolge und bremst die chinesische Entwicklung in bestimmten Bereichen vorübergehend aus, sabotiert aber strategisch und langfristig gesehen seine eigene Position im wohl wichtigsten technologischen Wettrennen des KI-Zeitalters. Es ist ein Tag vorstellbar, an dem solche „Is informed“-Briefe nicht mehr aus Washington, sondern aus Peking versandt werden. Je mehr die USA im Chip-Krieg die Daumenschrauben anziehen, desto näher rückt dieser Tag. (sb)