25 Mrd. US-$ China investiert mehr in Chipausrüstung als Korea, Taiwan und USA zusammen

Von Sebastian Gerstl 3 min Lesedauer

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Allein 25 Mrd. US-$ flossen im ersten Halbjahr 2024 aus China in den Kauf von Maschinerie und Ausrüstung zur Fertigung von Halbleitern. Bis Jahresende soll diese Zahl auf 50 Mrd. US-$ ansteigen.

Trotz diverser Sanktionen, die den Erwerb von Fertigungsanlagen für High-End-Chips nahezu unmöglich machen, gibt China mehr Geld für neue Chipfertigungsanlagen aus als Taiwan, Korea und die USA zusammengenommen.(Bild:  Maxim_Kazmin - stock.adobe.com)
Trotz diverser Sanktionen, die den Erwerb von Fertigungsanlagen für High-End-Chips nahezu unmöglich machen, gibt China mehr Geld für neue Chipfertigungsanlagen aus als Taiwan, Korea und die USA zusammengenommen.
(Bild: Maxim_Kazmin - stock.adobe.com)

China hat in der ersten Jahreshälfte mehr für die Herstellung von Chips ausgegeben als Südkorea, Taiwan und die USA zusammen. Das berichtet die Wirtschaftszeitung Nikkei Asia unter Berufung auf den Halbleiterindustrieverband SEMI. Demnach hat das Land in den ersten sechs Monaten des Jahres 2024 bereits 25 Mrd. US-$ in neue Fertigungsanlagen und -ausrüstung für Halbeiter investiert. Keines der anderen genannten Länder hat im selben Zeitraum mehr als 12 Mrd. US-$ ausgegeben.

Prognosen des Halbleiterverbandes zeigen, dass diese Zahlen aller Voraussicht nach noch weiter steigen werden: Bis zum Jahresende erwarten die Experten von SEMI, dass China voraussichtlich insgesamt 50 Mrd. US-$ für Back-End- und Front-End-Anlagen ausgeben wird.

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China hortet primär altere Technologien

„Wir beobachten, dass China weiterhin so viel Ausrüstung wie möglich für seine neuen Chipfertigungsanlagen kauft“, sagte Clark Tseng, Senior Director of Market Intelligence bei SEMI. „Die Besorgnis über mögliche weitere [Exportkontroll-]Beschränkungen hat sie dazu veranlasst, sich mehr Ausrüstung zu sichern, die sie im Voraus kaufen können.“

Die Höhe der Investitionssumme ist umso bemerkenswerter, weil bestehende Exportbeschränkungen verhindern, dass China Technologie zur Fertigung von modernen High-End-Chips erwerben kann. Erst Ende des vergangenen Jahres hatten die Vereinigten Staaten ihren bestehenden Chips Act nochmals verschärft. Demnach ist es Fertigern wie Ausrüstern untersagt, fortschrittliche Chip-Technologie wie z.B. TPUs zur KI-BEschleunigung oder moderne Fertigungsanlagen zur Produktion von Halbleitern mit modernster Prozesstechnlogie an China zu verkaufen und zu liefern. Die EU hat sich diesem Bann weitgehend angeschlossen - so kann derzeit auch der führende Hersteller von Halbleiterfertigungsanlagen, das niederländische Unternehmen ASML, derzeit nur ältere Technologien an China veräußern. Das hindert aber China nicht daran, enorme Summen auszugeben, um seine Chipproduktion zu lokalisieren und sich so nach Möglichkeit in seiner Lieferkette von Lieferungen aus dem Ausland unabhängiger zu machen.

Der Weltmarkt ist aktuell aber überwiegend von einer gesteigerten Nachfrage an modernen NAND-Speicherchips und Halbleiter für KI-Technologien getrieben - Technologien, die zum größten Teil dem Exportbann nach China unterliegen. Der Markt für Legacy-Chips - Halbleiter aus älteren Generationen - weist dagegen derzeit nur ein sehr geringes Wachstum auf. Der Bericht von SEMI vermutet, dass nur ein Teil der aktuellen Investitionen von China in den aktuellen Aufbau von neuen Fabs und Anlagen fließt. Der größte Teil der Käufe dürfte hingegen auf Lager gehalten und nicht gleich installiert werden, für den Fall, dass die USA und die EU ihre geltenden Exportbeschränkungen nochmals verschärfen.

Chinas Investitionen treiben den Weltmarkt

Die Investitionen Chinas kommen den Ausrüstungsherstellern zu Gute. Das größte Umsatzplus kann das japanische Unternehmen Tokyo Electron aufweisen, dass im letzten Quartal alleine 49,9% seines gesamten Umsatzes aus dem Verkauf von Fertigungstechnologien an China beziehen konnte. Auch die amerikanischen Firmen Applied Materials, LAM Research und KLA verdanken respektive 32%, 39% und 42% ihres Quartalsumsatzes aus dem chinesischen Handel. Für ASML sind es 49% - obwohl das Unternehmen seine modernsten Anlagen, die etwa die Hälfte des gesamten Portfolio ausmachen, aufgrund der bestehenden Exportschranken nicht an China verkaufen kann.

Chinas Kaufrausch auf dem Fertigungs- und Ausrüstungsmarkt hält damit seit sechs Jahren ungebrochen an. Überwiegend getrieben von den Investitionen aus dem asiatischen Land lag die Kapitalintensität der Chipindustrie seit 2021 vier Jahre lang in Folge über 15 %, schreibt SEMI. Die Kapitalintensität ist wie der weltweite Halbleiterumsatz ein wichtiger Indikator für das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage in der Chipindustrie.

„In den vergangenen 30 Jahren lag die Kapitalintensität unter 15 %, und jetzt scheint es, dass ein Wert von über 15 % zur neuen Normalität wird“, sagte Tseng und fügte hinzu, dass ein zu hoher Prozentsatz Bedenken hinsichtlich eines Überangebots wecken würde. Nichtsdestotrotz erwartet SEMI, dass sich die Gesamtausgaben für den Bau neuer Fabriken in China in den nächsten zwei Jahren „normalisieren“ werden.

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Chipverkäufe aus USA überholen Verkäufe aus China

In diesem Zusammenhang ist es spannend, dass die Chipverkäufe aus den USA erstmals seit fünf Jahren mehr Umsatz erzielt haben als Halbleiterverkäufe aus China: Laut Industrieverband SIA betrug der Umsatz aus den USA im Juli 15,4 Mrd. US-$, während China im selben Zeitraum nur auf 15,2 Mrd. US-$ kam. Weltweit lag laut SIA der Chipumsatz im Juli mit 51,3 Mrd. US-$ um 18,7 % über dem Wert vom Juli 2003 (43,2 Mrd. US-$) und um 2,7 % über dem Wert vom Juni 2024 (50 Mrd. US-$).

(sg)

(ID:50151880)