Automotive-Boom CMOS-Bildsensoren: Das intelligente Fahren „für alle“ fegt in China den Markt leer

Von Henrik Bork 3 min Lesedauer

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Ob Smartphone, Überwachungskamera oder E-Auto: ohne CMOS-Bildsensoren läuft nichts mehr. In China sorgt die rasant steigende Nachfrage für Umsatzrekorde bei heimischen Herstellern wie Will Semiconductor und Smartsens, während westliche Anbieter nicht mehr hinterherkommen.

Der Boom smarter Anwendungen im Fahrzeug lässt die Nachfrage nach CMOS-Bildsensoren sprunghaft ansteigen.(Bild:  Smartsens)
Der Boom smarter Anwendungen im Fahrzeug lässt die Nachfrage nach CMOS-Bildsensoren sprunghaft ansteigen.
(Bild: Smartsens)

Was immer sich heute „smart“ nennen darf, beinhaltet garantiert einen CMOS-Bildsensor. Das gilt für Smartphones ebenso wie für „smarte E-Autos“. Dementsprechend explodieren gerade die Umsätze und Profite chinesischer CIS-Unternehmen, wie deren Hersteller abgekürzt genannt werden.

Will Semiconductor (Omnivision), das gerade seinen jüngsten Finanzbericht vorgelegt hat, konnte für 2024 einen Umsatzzuwachs von mehr als 22 Prozent auf rund 25,7 Milliarden Yuan (umgerechnet etwa 3,2 Mrd. Euro) bekannt geben. Der Reingewinn stieg sogar um mehr als 498 Prozent. Das kleinere Unternehmen Smartsens konnte seinen Umsatz im vergangenen Jahr um mehr als 100 Prozent steigern, seine Netto-Profite sogar um mehr als 2.600 Prozent. Bei anderen chinesischen Unternehmen der Branche sieht es ähnlich rosig aus.

Vor allem die starke Nachfrage nach leistungsstarken Bildsensoren in Handys und Autos ist für diesen Boom verantwortlich, sagen Marktbeobachter in China. Aber auch in Überwachungskameras werden immer leistungsstärkere CMOS-Bildsensoren für immer höhere Auflösungen gebraucht.

Technologie für die smarte Fortbewegung

Während Autos, vorwiegend E-Autos und Hybride, aber neuerdings auch moderne Verbrenner, in China schnell immer „intelligenter“ werden, ist die durchschnittliche Anzahl von CMOS-Bildsensoren pro Fahrzeug innerhalb kurzer Zeit von zwei auf zehn Stück gestiegen – Tendenz steigend. Das liegt an Funktionen wie Autopiloten auf der Autobahn und in der Stadt, ADAS-Fahrassistenz der Stufen 2 und 3, sowie an intelligenten Cockpits inklusive Aufmerksamkeits-Überwachung für die Fahrer, oder auch mit Einparkhilfen beim Rückwärtsfahren.

Der Markt für CMOS-Bildsensoren wird in den Augen der Branchenkenner bis zum Jahr 2029 ordentlich zulegen.(Bild:  Asia Waypoint)
Der Markt für CMOS-Bildsensoren wird in den Augen der Branchenkenner bis zum Jahr 2029 ordentlich zulegen.
(Bild: Asia Waypoint)

Noch wird das obere Segment des Marktes von japanischen, südkoreanischen und anderen ausländischen Herstellern dominiert. Doch in jüngster Vergangenheit hat die Ankündigung des chinesischen E-Autoherstellers BYD, seinen Autopiloten „God’s Eye“ auch in den günstigsten seiner Modelle zum Standard zu machen, den CMOS-Bildsensor-Markt nahezu leer gefegt. In der Fachpresse ist schon von ersten Engpässen die Rede, insbesondere bei CMOS-Bildsensoren im 8-Megapixel-Bereich.

Marktlücke entdeckt

Wie schon so oft in der Vergangenheit nutzen chinesische Unternehmen eine solche Situation auch jetzt wieder geschickt aus. Während Produkte des globalen Marktführers On Semiconductor (Onsemi) aus Scottsdale im US-Bundesstaat Arizona immer schwieriger zu erhalten sind und immer teurer werden, können chinesische Konkurrenten wie Will Semiconductor oder Smartsens mit günstigeren, aber qualitativ zunehmend hochwertigen Angeboten ihren Marktanteil ausbauen. Chinesische Unternehmen haben Onsemi zumindest im automobilen Segment als globalen Marktführer überrundet. Während in China nun immer mehr Autos mit einem Anschaffungspreis von weniger als 200.000 Yuan (rund 25.000 Euro) mit intelligenter Sensorik ausgestattet werden, steigt die Nachfrage nach den günstigeren chinesischen Produkten immer schneller.

Der „5MP Automotive-Grade Sensor“ (SC530AT) von Smartsens wird stark nachgefragt. Selbst bei schlechten Lichtverhältnissen liefert der Sensor noch relativ klare Bilder.(Bild:  Smartsens)
Der „5MP Automotive-Grade Sensor“ (SC530AT) von Smartsens wird stark nachgefragt. Selbst bei schlechten Lichtverhältnissen liefert der Sensor noch relativ klare Bilder.
(Bild: Smartsens)

Ein Beispiel für ein stark nachgefragtes Produkt ist der neue „5MP Automotive-Grade Sensor“ (SC530AT) von Smartsens, der Besprechungen zufolge selbst bei schlechten Lichtverhältnissen etwa in unterirdischen Parkgaragen noch relativ klare Bilder liefert. Im Handy-Markt wiederum können unterdessen die chinesischen Hersteller Omnivision und Galaxycore mit ihren CMOS-Bildsensoren gegenüber dem momentan immer noch globalen Marktführer Sony schnell aufholen.

Galaxycore etwa konnte allein im vergangenen Jahr seinen Umsatz um satte 34 Prozent steigern und steht jetzt nach Sony weltweit auf Platz 2, gefolgt von Omnivision, berichtet das chinesische Fachportal Kuai Keji. Während die Nachfrage nach „smarten“ Haushaltsgeräten, Auto-Cockpits, Handys, Robotern und IoT-Geräten immer weiter steigt, sind die Prognosen für die Zulieferer von CMOS-Bildsensoren für die kommenden Jahre ungebrochen gut. Von mehr als 22 Milliarden US-Dollar im vergangenen Jahr dürfte der globale Markt für CIS bis 2029 auf mehr als 30 Mrd. USD anwachsen, heißt es in einem Branchenbericht. (sb)

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