Embargos zum Trotz Chinesische Chiphersteller erwarben 2024 Fertigungstechnologie im Wert von 38 Mrd. US-Dollar

Von Sebastian Gerstl 3 min Lesedauer

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Trotz aller Auflagen, die den Verkauf fortschrittlicher Fertigungstechnologien nach China unterbinden sollten, konnten chinesische Chiphersteller Anlagen und Maschinerie im Wert von fast 40 Mrd. US-Dollar aus den USA und verbündeten Märkten beziehen. Zu diesem Schluss kommt ein Bericht des Sonderausschusses für China des US-Repräsentantenhauses.

Trotz diverser Embargos, die den Verkauf fortschrittlicher Werkzeuge und Ausrüstung zur Fertigung von Halbleitern nach China untersagen, ist es chinesischen Unternehmen allein im vergangenen Jahr gelungen, High-End-Fertigungstechnologien im Wert von 38 Mrd. US-Dollar einzukaufen. Das macht mehr als ein Drittel des gesamten Jahresumsatzes der fünf führenden Ausrüstungshersteller aus.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Trotz diverser Embargos, die den Verkauf fortschrittlicher Werkzeuge und Ausrüstung zur Fertigung von Halbleitern nach China untersagen, ist es chinesischen Unternehmen allein im vergangenen Jahr gelungen, High-End-Fertigungstechnologien im Wert von 38 Mrd. US-Dollar einzukaufen. Das macht mehr als ein Drittel des gesamten Jahresumsatzes der fünf führenden Ausrüstungshersteller aus.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Die demokratischen und republikanischen Regierungen der USA haben in den letzten Jahren verstärkt versucht, Chinas Fähigkeit zur Herstellung fortschrittlicher Mikrochips einzuschränken. Doch Unstimmigkeiten in den von den USA, Japan und den Niederlanden erlassenen Vorschriften haben dazu geführt, dass nicht-amerikanische Werkzeug- und Ausrüstungshersteller im größeren Stil ihre Produkte an chinesische Firmen verkauft haben, die eigentlich den Embargo-Regelungen unterliegen. Das meldet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf einen entsprechenden Bericht des Sonderausschusses für China des US-Repräsentantenhauses.

Zukauf an Technologien höher als im Jahr der Embargo-Einführung

Ein Hauptgrund hierfür sei, dass in erster Linie nur bestimmte Firmen in einer Blacklist geführt wurden, an die nicht direkt verkauft werden darf. Chinesische Unternehmen umgehen dies, indem sie die Technologien durch Tochterfirmen erwerben - teils innerhalb des chinesischen Festlandes, teil auch durch auswärtige Töchter. Der Ausschuss forderte daher umfassendere Verbote für den Verkauf von Chipfertigungswerkzeugen an China als Nation per se, anstatt engere Verbote für bestimmte chinesische Chiphersteller zu erlassen.

Laut dem Reuters vorliegendem Bericht erwarben chinesische Unternehmen im vergangenen Jahr für 38 Milliarden US-Dollar Ausrüstung von fünf führenden Anbietern von Halbleiterfertigungstechnologien, ohne dabei gegen Gesetze zu verstoßen. Dies entspricht einem Anstieg von 66 Prozent gegenüber 2022 – dem Jahr, in dem ein großer Teil der Exportbeschränkungen für Werkzeuge und Fertigungsmaschinerie eingeführt wurde. Dem Bericht zufolge machte dies fast 39 Prozent des Gesamtumsatzes von den Fertigungstechnologieherstellern Applied Materials, Lam Research, KLA, ASML und Tokyo Electron aus.

„Durch diese Verkäufe wurde China bei der Herstellung einer Vielzahl von Halbleitern zunehmend wettbewerbsfähig, was tiefgreifende Auswirkungen auf die Menschenrechte und demokratischen Werte weltweit hat“, heißt es in dem Bericht.

In einem Interview sagte Mark Dougherty, Präsident der US-Niederlassung von Tokyo Electron, dass die Verkäufe der Branche in China in diesem Jahr teilweise aufgrund neuer Vorschriften zurückgegangen seien und begrüßte eine stärkere Koordination zwischen der US- und der japanischen Regierung. „Ich denke, aus Sicht der USA ist klar, dass es ein Ergebnis gibt, das noch immer angestrebt wird, aber noch nicht erreicht wurde“, sagte Dougherty gegenüber Reuters.

Applied und Lam reagierten nicht auf eine Anfrage nach einer Stellungnahme. ASML und KLA erklärten, sie könnten sich erst nach Einsichtnahme in den vollständigen Bericht äußern. Der Ausschuss erklärte, die Werkzeughersteller hätten bei der Erstellung des Berichts mit dem Ausschuss zusammengearbeitet und seien über dessen Ergebnisse informiert worden.

China nutzt Embargo-Lücken, um Fertigungsbereich zu erobern

Speziell drei chinesische Unternehmen, die bislang nicht Teil der Embargo-Blacklists waren, haben sich in den letzten Jahren zu Großkunden der Werkzeugs- und Ausrüstungshersteller gemausert: SwaySure Technology Co, Shenzhen Pengxinxu Technology Co und SiEn (Qingdao) Integrated Circuits Co. Dem Bericht nach gebe dieser Aufstieg der drei Firmen „Anlass zu besonderen Sicherheitsbedenken.“

Im US-Ausschuss sind diese drei Firmen spätestens seit vergangenem Jahr ein Thema. Zwei Mitglieder des Kongressausschusses, der Republikaner John Moolenaar und der Demokrat Raja Krishnamoorthi, nannten diese Unternehmen in einem Brief an das Handelsministerium als Teil eines angeblichen „geheimen Netzwerks, das Huawei Technologies unterstützt“. Im Dezember 2024 urteilte daraufhin das Handelsministeriums, dass fortan auch Exporte an diese Unternehmen untersagt würden.

Man könnte meinen, dass der Bericht die Wirksamkeit der Embargo-Bestrebungen, die 2019 bereits unter der ersten Regierungszeit von US-Präsident Donald Trump angelaufen waren – damals noch ausschließlich bezogen auf Bauteil- und Komponentenebene – grundlegend in Frage stellen dürfte. Dennoch empfiehlt der Ausschuss zusammenfassend, daran festzuhalten. Vielmehr lautet das Urteil, dass eine engere Zusammenarbeit zwischen den Verbündeten und umfassendere Beschränkungen notwendig sei, darunter auch für Komponenten, die China zum Bau eigener Chipfertigungsanlagen verwenden könnte.

„China versucht, die gesamte Lieferkette neu zu gestalten“, sagte Craig Singleton, Senior Fellow bei der Denkfabrik Foundation for Defense of Democracies, zur Einschätzung des Berichts gegenüber Reuters. „Was früher Nischenbereiche waren, ist heute ein Schlachtfeld.“(sg)

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