Seit einigen Jahren verbieten die USA den Export von EDA-Softwarelizenzen an chinesische Unternehmen. Betroffen sind insbesondere die US-Hersteller Synopsys, Cadence und Siemens EDA. Wie so oft bei Exportverboten auf kritische Technologien reagiert China mit alternativen Strategien.
Einerseits wollen die USA den heimischen Markt vor chinesischer Technologie schützen, andererseits wollen sie die KI-Entwicklungsmöglichkeiten der Volksrepublik beschränken.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)
Bereits im Oktober 2022 hatte das US-Handelsministerium (Bureau of Industry and Security, BIS) weitreichende Exportkontrollen für die Halbleiterindustrie angekündigt. Diese beschränkten nicht nur den Export fortschrittlicher Fertigungsanlagen, sondern untersagten US-Bürgern und Firmen auch bestimmte technische Dienstleistungen für chinesische Halbleiterprojekte.
Ab Mitte 2023 wurden zudem spezielle EDA-Tools, etwa zur Entwicklung von Gate-All-Around-Transistoren für Strukturgrößen unter 3 nm, auf die Sanktionsliste gesetzt. Betroffen sind vorwiegend Produkte von Synopsys, Cadence und Siemens EDA (ehemals Mentor Graphics), die gemeinsam rund 80 Prozent des chinesischen Marktes dominieren.
EDA (Electronic Design Automation) bezeichnet Softwarelösungen für das Design, die Simulation und die Fertigungsvorbereitung integrierter Schaltkreise. Während die USA in der Chipfertigung nicht mehr führend sind, behalten sie mit EDA-Tools eine Schlüsselrolle im globalen Halbleiterökosystem.
2024 wurden die Vorschriften weiter verschärft. Im Mai 2025 folgte ein weiterer Schritt: Die US-Regierung forderte Anbieter wie Synopsys und Cadence auf, alle verbleibenden Lizenzen in China einzustellen – einschließlich Verlängerungen und technischen Support für bestehende Installationen.
Reaktionen der US-EDA-Anbieter
Synopsys bestätigte nach der Veröffentlichung seiner Quartalszahlen am 29. Mai 2025, ein entsprechendes Schreiben des US-Handelsministeriums erhalten zu haben. Die Prognosen für Q3 und das Gesamtjahr 2025 wurden daraufhin ausgesetzt. Eine Bewertung der Auswirkungen laufe derzeit; im Wortlaut: „Synopsys prüft derzeit die möglichen Auswirkungen des BIS-Briefs auf seine Geschäftstätigkeit, seine Betriebsergebnisse und seine finanzielle Lage.“ Siemens und Cadence haben sich bislang nicht öffentlich zu dem Schreiben geäußert.
Die Börsen reagierten prompt: Die Aktienkurse führender US-Anbieter gaben nach, während chinesische EDA-Unternehmen wie Empyrean und Primarius deutliche Kursgewinne verzeichneten – ein Zeichen dafür, dass Chinas EDA-Industrie nicht untätig geblieben ist.
Neue Chancen für chinesische Anbieter
Die US-Sanktionen wirken als Katalysator für Chinas eigene Softwareentwicklung. Unternehmen wie Huawei – früh von US-Beschränkungen betroffen – investieren verstärkt in Eigenentwicklungen. Empyrean und Primarius arbeiten an vollwertigen EDA-Systemen, während sich Semitronix auf elektrische Tests und Yield-Optimierung spezialisiert. Chinesische Lösungen sind derzeit zwar führend im High-End-Chipdesign, gelten aber als ausreichend leistungsfähig für Technologien ab 7 nm.
Dennoch könnten Hersteller wie Xiaomi, Lenovo oder Bitmain – allesamt Nutzer westlicher EDA-Software – von den aktuellen Maßnahmen empfindlich getroffen werden. Laut Tom’s Hardware dürfte das primär Chips der neuesten Generation betreffen, etwa für KI-Anwendungen. Weniger komplexe Halbleiter wie Mobilprozessoren könnten von den Restriktionen ausgenommen bleiben.
Illegale Nutzung, graue Zonen und Investitionsanreize
Chinesische Unternehmen setzen derweil auf unterschiedliche Strategien: legale Eigenentwicklungen, aber auch nicht lizenzierte Nutzung westlicher Tools. Die Financial Times berichtet, so Morales von Tom's Hardware, dass kleinere Betriebe gehackte Versionen von Synopsys-Software verwenden. Ein Analyst erklärte, es sei vergleichsweise einfach, EDA-Programme zu manipulieren und ohne offizielle Lizenz nutzbar zu machen.
Der Markt ist bedeutend: Rund 16 Prozent des Umsatzes von Synopsys im Geschäftsjahr 2024 entfielen auf China, bei Cadence waren es 12 Prozent. Ein Wegfall dieser Erlöse wäre für beide Unternehmen spürbar. Chinesische Anbieter wie Univista wittern laut China Daily hingegen ihre Chance: Das Unternehmen bietet inländischen Nutzern derzeit kostenlose Testzugänge und Evaluierungsversionen an, um Marktanteile zu gewinnen.
Kurzfristig dürften die US-Maßnahmen also Chinas Kapazitäten zur Entwicklung hochmoderner Chips einschränken. Langfristig jedoch zwingen sie chinesische Unternehmen zur technologischen Eigenständigkeit und untergraben damit möglicherweise die bisherige US-Dominanz im EDA-Segment. In einem Markt, der traditionell von wenigen US-Unternehmen kontrolliert wird, gerät das Kräfteverhältnis zunehmend ins Wanken – zumindest in China. (sb)
Stand: 08.12.2025
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