Netzwerktechnik

Cat. 6A ist mehr als Cat. 6A

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Auf Produktbezeichnung achten

Mit der Standardisierung der Komponenten für Steckverbindungen und Verkabelung hat eine allgemeine Verwirrung eingesetzt. Die Spezifikation der Komponenten, die für die Cat.-6A-Leistung eines Channels gemäß EIA/TIA benötigt werden, unterscheiden sich deutlich und sind weniger streng als die Spezifikationen, die ISO/IEC für die Leistungsfähigkeit eines Channels der Class EA ansetzt. Deshalb müssen Anwender, die einen sicheren Class EA Channel haben wollen, Komponenten einsetzen, die den Cat.-6A-Spezifikationen gemäß ISO/IEC entsprechen. Ein Channel, der aus Cat.-6A- Komponenten gemäss EIA/TIA besteht, garantiert keine Leistung gemäß Class EA.

Der Unterschied in Bezug auf das „A“ – ob es tief gestellt ist oder nicht – ist daher sehr wichtig: Cat. 6A ≠ Cat. 6A.

Tabelle 1: Wer heute Datennetze mit Twisted Pair-Kupferverkabelung plant, die auch bei künftigen, hochfrequenten Anwendungen zuverlässig funktionieren sollen, muss zwischen mehreren Normen und Spezifikationen für Komponenten und Verkabelungsstrecken unterscheiden, wobei Class EA / Cat. 6A von ISO/IEC aufgrund strengerer physikalischer Anforderungen die größten Sicherheitsreserven für eine ungestörte Datenübertragung bietet. Zu unterscheiden sind: IEEE 10GBASE-T 802.3an für Channel, aktive Komponenten usw. (seit 2006) ISO/IEC 11801 ed 2002 amedment 1 für Channel, Class EA (seit 2008) ISO/IEC 11801 ed 2002 amedment 2 für Komponenten, Cat. 6A (ab 2009/2010) ANSI/EIA/TIA 568B.2-10 bezeichnet Channel und Komponenten mit Cat. 6A (seit 2008) (Archiv: Vogel Business Media)

Tabelle 1 bietet Netzwerkplanern eine Übersicht der Leistungsbereiche und Nomenklatur nach den hier diskutierten Standards.

Komplexe physikalische Herausforderung

Sie fragen sich vielleicht, warum ISO/IEC mehr Zeit zur Spezifikation der Komponenten benötigt als EIA/TIA. Ein Grund dafür ist die unterschiedliche Organisationsstruktur. Bei ISO/IEC sind verschiedene Gremien für die Spezifikationen der Verkabelung, der Kabel und der Hardware für Steckverbindungen zuständig. Die Koordination zwischen den verschiedenen Gruppen benötigt natürlich mehr Zeit als bei EIA/TIA, wo alle beteiligten Parteien in einer einzigen Gruppe versammelt sind.

Ein anderer Grund ist die technische Komplexität und die Tatsache, dass man unbekanntes Terrain betritt. Bis heute kennen wir zwar das Verhalten der Komponenten in den niedrigeren Frequenzbereichen. Wir wissen, wie sie im Bereich bis 250 MHz gut zusammenarbeiten.

Doppelte Frequenzwerte

Bild 3: Die große Herausforderung bei Cat. 6A ist der Einfluss hoher Frequenzen. Um eine sichere Signalübertragung oberhalb 250 MHz zu gewährleisten, müssen völlig neue Konzepte für RJ45-Anschlussmodule entwickelt werden. (Archiv: Vogel Business Media)

Jetzt wird jedoch die Frequenz verdoppelt und die Modellierungsmethode, die für diese höheren Frequenzen eingesetzt wird, ist nicht stabil. Die Modellierung muss Effekte zweiter und dritter Ordnung (z. B. Crossmodal-Kopplungen) berücksichtigen, was allein die physikalische Komplexität deutlich erhöht (Bild 3). Die relevanten Erscheinungen treten bei Cat.-7-Systemen nicht so häufig auf, weil hier eine andere Kontaktgeometrie definiert ist, durch die die Adernpaare voneinander getrennt werden.

Um die Class-EA-Channel-Leistung zu erreichen, muss ein Modul der Cat. 6A, wie bereits erwähnt, bei 500 MHz einen um 3 dB besseren NEXT-Wert als ein Modul der Cat. 6A aufweisen. Das ist signifikant. Um dies zu erreichen, müssen von Grund auf neue Module entwickelt werden; denn allein durch eine Veränderung des bestehenden Designs – wie es häufig bei aktuell auf dem Markt erhältlichen Cat.-6A-Modulen zu sehen ist – wird die geforderte Dämpfungsreserve nicht erreicht.

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