Intel baut in Magdeburg eine große Chipfabrik. Das teilte der US-Konzern am Dienstag mit. Der Standort soll künftig modernste Chip-Fertigung mit Strukturgrößen im Ångström-Bereich betreiben. Mit dem Projekt sind Milliarden-Investitionen in die Halbleiterindustrie in Deutschland verbunden.
Renderaufnahme des geplanten Intel-Neubaus in Magdeburg. Für 17 Mrd. Euro soll in der Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt eine hochmoderne Fab zur Fertigung von Chips nach Angstöm-Prozessgrößen entstehen. 2027 soll die Produktion anlaufen.
(Bild: Intel Corporation)
Nach Wochen und Monaten intensiver Gespräche zwischen dem weltweit zweitgrößten Halbleiterhersteller Intel, der Europäischen Kommission sowie Vertretern europäischer Nationalstaaten hat Intel sich nun endgültig zu einem neuen Standort für eine moderne Chipfabrik in Europa bekannt. Nachdem die Wahl lange offen blieb und unter anderem auch Irland und Frankreich im Gespräch waren, fiel nun endgültig die Entscheidung zu Gunsten des Osten Deutschlands: Die neue Chipfabrik soll in Magdeburg, Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt, entstehen. Das Investment soll dazu beitragen, die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Halbleiter-Industrie auszubauen sowie die technologische Souveränität der EU nachhaltig zu stärken.
17 Mrd. Euro für Chipfab, Transistortechnologie im Ångström-Bereich
Wie Intel-CEO Pat Gelsinger in einer Pressekonferenz bekanntgab, sollen zunächst 17 Mrd. Euro in einen hochmodernen Mega-Standort für die Halbleiterfertigung in Deutschland investiert werden. Hinzu kommen umfassende Pläne für einen Ausbau der firmeneigenen Aktivitäten innerhalb der EU, darunter ein neues F&E- und Designzentrum in Frankreich sowie weitere Investitionen in Entwicklung, Fertigung und Foundry-Dienstleistungen in Irland, Italien, Polen und Spanien.
EU-weit möchte Intel etwa 33 Mrd. US-$ kurzfristig investieren. In den nächsten zehn Jahren will das Chipunternehmen bis zu 80 Milliarden Euro in der Europäischen Union in die gesamte Halbleiter-Wertschöpfungskette stecken - von der Forschung und Entwicklung (FuE) über die Fertigung bis hin zu modernsten Verpackungstechnologien. Intel plant in eigenen Worten, plant Intel, „seine fortschrittlichste Technologie nach Europa zu bringen, ein europäisches Chip-Ökosystem der nächsten Generation zu schaffen und den Bedarf an einer ausgewogeneren und widerstandsfähigeren Lieferkette zu decken“.
In der ersten Phase plant Intel den Bau von zwei Halbleiterfabriken in Magdeburg, nach Angaben Intels „die ersten ihrer Art“: Die neuen Fabs sollen nach Inbetriebnahme Chips mit Intels geplanten Transistortechnologien der Ångström-Ära liefern. Mit der Planung wird sofort begonnen, der Baubeginn ist für die erste Hälfte des Jahres 2023 vorgesehen. Ab 2027 soll die Produktion am neuen Standort anlaufen, wenn die Europäische Kommission entsprechend ihre Zustimmung erteilt. Ebenfalls sollen die neuen Fabs Foundry-Dienste für Intel-Kunden im Rahmen IDM-Strategie (Integrated Device Manufacturer) 2.0 des Unternehmens erfüllen.
3000 neue Stellen bei Intel selbst
Die Investition soll neben 7000 neuen Arbeitsplätzen, die im Zusammenhang mit dem Neubau der Anlage stehen, speziell 3000 permanente neue High-Tech-Arbeitsplätze bei Intel selbst in Magdeburg schaffen. Intel bezeichnet den neuen Standort als „Silicon Junction“, als einen Verknüpfungspunkt der Hochtechnologie. Dieser „Knotenpunkt“ soll Innovations- und Fertigungszentren im ganzen Land und in der Region zusammenbringen.
Vertreter der deutschen Halbleiterverbände begrüßen die Entscheidung für den Standort Magdeburg. „Das ist ein grandioser Gewinn für Europas führenden Hightech-Cluster Silicon Saxony sowie alle Mitglieder unseres Branchenverbandes,“ , sagt Dirk Röhrborn, Vorstandsvorsitzender Silicon Saxony e. V. Im Städtedreieck Magdeburg, Erfurt/Jena und Dresden produzieren GlobalFoundries, Infineon, Bosch, X-Fab, Siltronic, ZEISS, Jenoptik und demnächst Intel. „Die Akteure ergänzen sich in ihren Fähigkeiten und Kompetenzen“, ergänzt Röhrborn. „Vor allem die Mittelständler, die als Zulieferer, direkt vor ihrer Haustür, Intel beim Aufbau der Produktion unterstützen werden, sind die großen Gewinner.“ Zusätzlich eröffne Intel mit dem neuen Standort neue Perspektiven für eine Zusammenarbeit mit lokalen Unternehmen im Bereich Forschung und Entwicklung.
Im Rahmen der weiteren Investitionen in der EU soll zudem der Standort Leixlip in Irland ausgebaut werden.Darüber hinaus haben Intel und Italien Verhandlungen aufgenommen, um eine hochmoderne Backend-Fertigungsanlage zu errichten. Mit einer potenziellen Investition von bis zu 4,5 Mrd. Euro würde diese Fabrik etwa 1 500 Arbeitsplätze bei Intel sowie weitere 3500 Arbeitsplätze bei Zulieferern und Partnern schaffen. Der Betrieb dieser Anlange soll zwischen 2025 und 2027 anlaufen.
„Unsere geplanten Investitionen sind ein wichtiger Schritt sowohl für Intel als auch für Europa,“ sagt Intel-CEO Pat Gelsinger zu den Plänen. man setze bei den Plänen selbstverständlich auch auf Zuschüsse seitens der angekündigten EU-Halbleiterinitiative. „Der EU Chips Act wird Privatunternehmen und Regierungen in die Lage versetzen, zusammenzuarbeiten, um die Position Europas im Halbleitersektor drastisch zu verbessern. Diese breit angelegte Initiative wird Europas Innovation in Forschung und Entwicklung ankurbeln und eine Spitzenfertigung in die Region bringen, die unseren Kunden und Partnern auf der ganzen Welt zugute kommt. Wir sind entschlossen, eine wesentliche Rolle bei der Gestaltung der digitalen Zukunft Europas für die nächsten Jahrzehnte zu spielen.“
Stand: 08.12.2025
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