Interview Robert Feurle, AMS Osram „Wir wollen unsere Vorreiterrolle bei Lidar behaupten und weiter ausbauen“

Das Gespräch führte Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter 4 min Lesedauer

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Lidar-Technik, Mikro- und UV-C-LEDs: AMS Osram will in den nächsten Jahren seinen Standort in Regensburg massiv ausbauen und neue Arbeitsplätze schaffen. Dabei helfen sollen auch neue Wege der intelligenten Fertigung.

Unabhängig davon, ob Lidar-Systeme mit VCSEL- oder Infrarot-Lasern realisiert werden, ist es das Ziel von AMS Osram, seine Vorreiterrolle in der Lidar-Technologie zu behaupten und weiter auszubauen.(Bild:  AMS Osram)
Unabhängig davon, ob Lidar-Systeme mit VCSEL- oder Infrarot-Lasern realisiert werden, ist es das Ziel von AMS Osram, seine Vorreiterrolle in der Lidar-Technologie zu behaupten und weiter auszubauen.
(Bild: AMS Osram)

In den nächsten Jahren bekommt AMS Osram 300 Mio. Euro an Fördergeldern vom deutschen Staat. Damit will das Tech-Unternehmen unter anderem 400 neue Arbeitsplätze am Standort in Regensburg schaffen. Außerdem will der Opto-Spezialist in Lidar-Technik, Mikro-LEDs und UV-C-LEDs investieren. Die ELEKTRONIKPRAXIS sprach mit Robert Feurle, Executive Vice President & General Manager der Business Unit OS bei AMS Osram.

Herr Feurle, Bosch hat sich aus der Lidar-Entwicklung zurückgezogen. AMS Osram will das Thema Lidar forcieren. Warum ist Ihnen Lidar wichtig?

„Lidar-Technik ist für automatisierte Fahren und 3D-Sensorik sowie maschinelles Sehen unverzichtbar“, sagt Robert Feurle, Executive Vice President & General Manager der Business Unit OS bei AMS Osram.(Bild:  AMS Osram)
„Lidar-Technik ist für automatisierte Fahren und 3D-Sensorik sowie maschinelles Sehen unverzichtbar“, sagt Robert Feurle, Executive Vice President & General Manager der Business Unit OS bei AMS Osram.
(Bild: AMS Osram)

Lidar ist eine Schlüsselkomponente für die Entwicklung intelligenter und autonomer Fahrzeuge und gewinnt auf dem Markt zunehmend an Bedeutung. Mit der zunehmenden Entwicklung von autonomen und teilautonomen Fahrzeugen nimmt der Einsatz von Lidar im Automobil stetig zu. Auch die steigenden Anforderungen an die Fahrzeugsicherheit wirken sich positiv auf die Relevanz aus. Gleichzeitig ist Lidar für die nächste Generation der 3D-Sensorik und des maschinellen Sehens unverzichtbar. Die derzeit am Markt verfügbaren Systeme sind jedoch sehr groß und teuer. AMS Osram konzentriert sich daher auf die Entwicklung neuer Laser für neuartige Scan-Lidar-Systeme, die kompaktere, robustere und kostengünstigere Lösungen ermöglichen.

Unabhängig davon, ob Lidar-Systeme mit VCSEL- oder Infrarot-Lasern realisiert werden, ist es das Ziel von AMS Osram, seine Vorreiterrolle in der Lidar-Technik zu behaupten und weiter auszubauen. Durch die kontinuierliche Erweiterung des Lidar-Portfolios liegt der Fokus des Unternehmens stets auf der Forschung – mit dem Ziel, die besten Lösungen zu schaffen.

Sie sprechen im Zuge der IPCEI-Förderung von neuen Arbeitsplätzen am Standort in Regensburg. Können Sie das bitte präzisieren – was soll künftig am Standort in Regensburg entwickelt werden?

An seinem Standort in Regensburg will AMS Osram neue Wege der intelligenten Fertigung gehen. Produkte wie Mikro-LEDs sind nach den Worten von Robert Feurle ohne Automatisierung und künstlicher Intelligenz nicht denkbar.(Bild:  AMS Osram)
An seinem Standort in Regensburg will AMS Osram neue Wege der intelligenten Fertigung gehen. Produkte wie Mikro-LEDs sind nach den Worten von Robert Feurle ohne Automatisierung und künstlicher Intelligenz nicht denkbar.
(Bild: AMS Osram)

Zu den am Standort Regensburg geförderten Technologien gehören beispielsweise miniaturisierte LEDs für Anwendungen im Automobil. Sie ermöglichen neuartige Anwendungen in Front- und Heckscheinwerfern, die für mehr Sicherheit im Straßenverkehr sorgen. Ein Beispiel dafür ist die Multipixel-Scheinwerferlösung Eviyos: Ihre 100.000 Pixel sorgen dafür, dass sich das Licht dynamisch an die Verkehrssituation anpasst. Zudem ist die LED in der Lage, gestochen scharfe Bilder auf die Straße zu projizieren und so mit anderen Verkehrsteilnehmern zu kommunizieren.

Ein weiterer zentraler Baustein der geförderten Projekte sind Mikro-LEDs. Diese mikroskopisch kleinen Leuchtdioden sind eine revolutionäre Technologie für eine neue Generation hochdynamischer Displays. Sie bieten mehr Schärfe, mehr Kontrast und mehr Brillanz bei geringerem Energieverbrauch.

Gefördert werden auch Nahinfrarot-Emitter für Lidar beim autonomen Fahren und für Industrie 4.0. Und schließlich entwickeln wir hier die nächste Generation hocheffizienter UV-C-LEDs. Sie sorgen mit ultraviolettem Licht für eine einfache und effektive Desinfektion von Krankenhäusern, U-Bahnen und Taxis.

Darüber hinaus erforschen und entwickeln wir am Standort neue Wege der intelligenten Fertigung – digital, datenbasiert und automatisiert. Denn innovative Produkte wie Mikro-LEDs sind ohne Automatisierung und künstliche Intelligenz nicht denkbar. So baut AMS Osram in Regensburg eine neuartige Pilotlinie zur Produktion von Mikro-LEDs. Sie ist die erste ihrer Art auf Basis von 8-Zoll-Wafern. Sie ermöglicht eine kostengünstige und ressourcenschonende Großserienfertigung.

Neben Lidar ist die Rede von UV-C-LEDs vor allem zur Desinfektion. Was bietet AMS Osram bereits an und was ist bei der ultravioletten LED künftig geplant?

Die UV-C-LED ist besonders effektiv im Kampf gegen Keime und Viren. Sie reinigen und desinfizieren mit nicht sichtbarem Licht, indem sie ultraviolette Strahlung im Wellenlängenbereich von 260 bis 280 Nanometer aussenden. Die fortschrittlichen UV-C-Lösungen von AMS Osram erleichtern damit die Reinigung zu Hause, im Büro und in öffentlichen Einrichtungen. Winzige UV-C-LEDs und Präsenzmelder ermöglichen eine flexible Integration in verschiedene Anwendungen wie Industrieanlagen oder Haushaltsgeräte: zum Beispiel eingebettet in eine Deckenleuchte zur Desinfektion öffentlicher Räume, in Reinigungsboxen für mobile Geräte oder in Wasserhähne für sauberes Wasser.

Die aktuellsten Produkte in diesem Bereich sind die UV-C-Mid-Power-LEDs der Serie OSLON UV 3535. Dank ihres kompakten Designs eignen sie sich für den Einsatz in Consumer- und Industrieanwendungen wie der Wasseraufbereitung oder in Klimaanlagen.

Vor einigen Wochen hatte AMS Osram eine neue Generation Multipixel-Scheinwerfer vorgestellt. Das Thema Automotive ist ein wichtiger Treiber für optoelektronische Komponenten. Was planen Sie auf diesem Gebiet in den nächsten Jahren?

Ein weiteres Highlight aus dem Umfeld Automotive ist die ALIYOS LED-on-Film-Technologie. Sie ermöglicht kundenspezifische, segmentierte Lichtlösungen in der Automobilbeleuchtung.

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Mit dieser Technologie ist es möglich, Mini-LEDs auf ein dünnes, flexibles und transparentes Substrat aufzubringen. Damit lassen sich neben Standardbeleuchtungen wie Brems- oder Blinklicht auch Designs und Dekore realisieren.

Abschließend noch die 8-Zoll-Waferproduktion für Mikro-LED-Displays. Die ist bei AMS Osram am Standort in Malaysia entstanden. Können Sie auf dieses Projekt bitte etwas detaillierter eingehen.

Wir investieren weltweit rund eine Milliarde Euro in Fertigungs- und F&E-Einrichtungen sowie Aktivitäten für fortschrittliche Emitter-Technologien für LED und Mikro-LEDs. Ein Teil dieser Investitionen fließt nach Malaysia, wo in Kulim die erste vollautomatische Fertigungsanlage für 8-Zoll-Mikro-LEDs für die Massenproduktion errichtet wird.

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