Technik und Recht 7 bizarre Tech-Rechtsfälle

Redakteur: Franz Graser

Rechtsstreitigkeiten sind ein Spiegel des Lebens – auch und gerade dann, wenn technische Aspekte im Spiel sind. Nicht immer geht es dabei um Patentstreitigkeiten zwischen High-Tech-Konzernen – oft schimmert auch allzu Menschliches bei solchen Gerichtsverfahren durch.

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Justitia hat oft über bizarre Streitigkeiten aus der Technikwelt zu entscheiden. (Bundespresseamt)
Justitia hat oft über bizarre Streitigkeiten aus der Technikwelt zu entscheiden. (Bundespresseamt)

1. Apple und der Astronom

Als der Computerkonzern Apple im Jahr 1994 den Midrange-PC Power Macintosh 7100 entwickelte, gaben die Ingenieure dem Projekt intern den Arbeitstitel "Carl Sagan". Der Astronom und Astrophysiker Carl Sagan (1934 - 1996) zählte in den USA und weltweit zu den profiliertesten Wissenschaftlern und Wissenschaftsautoren. Durch die dreizehnteilige Fernsehserie "Cosmos" (in Deutschland unter dem Titel "Unser Kosmos" ausgestrahlt) war Sagan breiten Bevölkerungsschichten bekannt geworden und hatte viele Jugendliche für Naturwissenschaften begeistert.

Der Astronom und Astrophysiker Carl Sagan (1934 - 1996) war einer der profiliertesten Wissenschaftsautoren des 20. Jahrhunderts. (NASA/JPL)
Der Astronom und Astrophysiker Carl Sagan (1934 - 1996) war einer der profiliertesten Wissenschaftsautoren des 20. Jahrhunderts. (NASA/JPL)
Die TV-Reihe hatte aber auch Sagans Redefigur "Billions and Billions" (zu Deutsch etwa: "Milliarden und Abermilliarden") popularisiert. Mit diesem Stilmittel wollte Sagan die gewaltige Zahl von Sternen und Galaxien im Universum veranschaulichen. Kein Wunder, dass die Apple-Ingenieure einen Hintergedanken hatten, als sie das Macintosh-Projekt nach dem Astronomen benannten – schließlich sollte der Computer Milliarden und Abermilliarden Dollars einbringen, so hoffte man.

Sagan war "not amused", um es gelinde auszudrücken. Durch eine Einstweilige Verfügung ließ er Apple untersagen, seinen Namen als Projekttitel zu verwenden. Der Wissenschaftler wollte verhindern, dass der Eindruck entstand, er unterstütze das Produkt.

Die Apple-Entwickler benannten das Projekt pflichtgemäß um. Sie rächten sich aber auf ihre Weise und verwendeten fortan das Kürzel BHA, das für "Butt-Headed Astronomer" steht, was sich im Deutschen etwa als "gesäßgesichtiger Astronom" übersetzen lässt.

Auch das kam Sagan zu Ohren. Der reagierte pikiert, ging vor Gericht und klagte wegen übler Nachrede. Das Gericht wies die Klage jedoch ab. Der Richter erkannte, dass es den Apple-Leuten nur darum ging, auf satirische Weise Vergeltung zu üben: „Es ist wirklich schwer zu glauben, dass die Beklagten (also Apple) versucht haben sollen, den Ruf des Klägers zu schädigen oder seine Kompetenz als Astronom in Frage zu stellen."

Sagan war damit nicht zufrieden und klagte erneut, diesmal wegen der Verwendung seines Namens für ein internes Apple-Projekt. Die Klage fiel durch, Sagan ging in Berufung und schließlich einigten sich die Parteien Ende 1995 außergerichtlich. Apple erklärte in einer versöhnlichen Verlautbarung, man habe den allergrößten Respekt vor Carl Sagan und man habe ihm und seiner Familie zu keinem Zeitpunkt und in keiner Form behelligen wollen.

Zu diesem Zeitpunkt war Carl Sagan allerdings schon von der schweren Krankheit gezeichnet, an deren Folgen er ein Jahr später starb.

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