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2. Sun Microsystems streitet um ein "e"
Auf dem Höhepunkt des Dotcom-Booms erreichte das Selbstbewusstsein des Computerkonzerns Sun Microsystems schwindelerregende Dimensionen. Nicht ohne Grund, denn die Nachfrage nach Server-Infrastruktur sorgte bis 2000 für Rekordumsätze und hohe Aktienkurse. Und zudem hatte Sun mit der Java-Plattform die, wie man damals glaubte, definitive Programmiersprache für das Internet-Zeitalter im Portfolio. In dem Slogan "We're the dot in .com" fand das Sendungsbewusstsein des Konzerns zu dieser Zeit den passenden Ausdruck.
In diese Periode fiel auch ein bizarres Gerichtsverfahren gegen eine Unternehmensgruppe aus Hong Kong, die Lai Sun Group. Der 1947 gegründete Mischkonzern, zu dem auch eine Hotelkette gehörte, hatte sich den Domainnamen "esun.com" gesichert und trat damit weltweit auf. Sun Microsystems wollte der möglichen Verwechslungsgefahr entgegentreten und klagte. Schließlich hatten zu dieser Zeit Wortverbindungen wie eBusiness und eCommerce Hochkonjunktur, warum also nicht auch eSun?
Das Hohe Gericht von Hongkong entschied jedoch im Mai 2000 gegen den Computerkonzern. Das Wort "Sun" werde im Chinesischen genauso alltäglich gebraucht wie im Englischen. Im Chinesischen habe die Silbe "Sun" die Bedeutung "neu", allein in Hongkong gebe es 8000 Betriebe, die diese Silbe im Namen führten. Zudem könne das Computerunternehmen keine älteren Rechte geltend machen, da die Lai Sun Group bereits 1947 gegründet worden war und damit 35 Jahre älter sei als der kalifornische Konzern.
Sun Microsystems musste klein beigeben und die Prozesskosten tragen. Ironischerweise existiert die Unternehmensgruppe Lai Sun nach wie vor und verwendet immer noch den Domainnamen "esun.com". Der Computerkonzern Sun dagegen verlor stetig an Bedeutung und wurde 2010 endgültig von Oracle geschluckt.
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