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Ein Zwischenspiel mit untauglicher Schutzmaßnahme
Am 3. August 1954 verunglückte in Dachau der 8-jährige Robert Ireland, Sohn des US-Majors Robert Ireland, in einer Badewanne tödlich [4]. Aufgeschreckt durch diesen Unfall, wurde in relativ kurzer Zeit die Badewannen-Potentialausgleichsleitung (Drahtverbindung zwischen Wasserleitung und Badewanne) allgemein für Neuanlagen vorgeschrieben (VDE 0100 / 11.58). Der erwähnte Unfall wäre durch diese Maßnahme verhindert worden.
Ab 1976 stellte der Verfasser bei fast allen der von ihm 170 durchgeführten Messungen an Badewannen (bei vorübergehender Abtrennung der Potentialausgleichsleitung) fest, dass praktisch alle Badewannen einen sehr hohen Isolationswiderstand gegen Erde (im MW-Bereich) haben. Jedoch mit einer, aber seltenen Ausnahme: Alte Gebäude mit feuchtem Mauerwerk, z.B. ein alter landwirtschaftlicher Betrieb bei angrenzendem Rinderstall.
Die hohen Messwerte bedeuten, dass bei einem Stromunfall, z.B. beim Eintauchen eines Elektrogerätes wie eines Haartrockners die verunglückte Person nichts, oder nur ein schwaches Elektrisieren spürt, d.h. dass sie auf jeden Fall überlebt. Ausgenommen ist nur der Fall, bei dem die Person zusätzlich den metallenen Wasserleitungshahn berührt, was normalerweise nicht zutrifft.
Wird die 1958 eingeführte künstliche Erdung der Badewanne (d.h. Potentialausgleichsleitung) angewandt, sind die Verhältnisse vollkommen anders: Die in der Wanne befindliche Person kann durch der Strom getötet werden. Es kann also genau das Gegenteil von dem eintreten, was eigentlich angestrebt wird.
Der Fehlerstromschutzschalter mit 30 mA
Im Jahre 1984 wurde ab 1. Mai für Badezimmer-Neuanlagen der 30 mA-FI-Schutzschalter vorgeschrieben, siehe VDE 0100 Teil 701, d.h. die tödliche Wirkung bei der weiterhin vorgeschriebenen Badewannen-Potentialausgleichsleitung wird dadurch verhindert. Allerdings mit einer Ausnahme: Es gibt nicht wenig Fälle, bei denen die Wannenerdung wegen der isolierenden Oberflächen-Emaillierung und vorhandener Übergangswiderstände bei der Abflussarmatur die wirksame Erdung entsprechend vermindert wird. Die Folge ist, dass der 30 mA-FI nicht anspricht (z.B. um 20 mA), aber der menschliche Körper durch den Strom so stark verkrampft wird, dass er nicht mehr aussteigen kann [5] oder ein Aussteigen nur unter größten Anstrengungen möglich ist [6]. Wenn bei diesem Unfall die Atemmuskulatur verkrampft, und die Person sich nicht befreien kann, kann dies zum Atemtod führen. Die daraus zu ziehende Lehre ist, einen FI-Schalter vorzuschreiben, der bereits bei 10 mA abschaltet.
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