Netzteile Worauf Sie beim Thema Derating in der Praxis achten sollten

Autor / Redakteur: Stephen Dodson * / Dipl.-Ing. (FH) Thomas Kuther

Bei der Auswahl eines Netzteils wird oft übersehen, dass die Ausgangsleistung von der Umgebungstemperatur abhängt. Hier erfahren Sie mehr über das Derating und worauf Sie unbedingt achten sollten.

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Beispiel eines hocheffizienten AC/DC-Netzteils – das CCB200 von XP Power
Beispiel eines hocheffizienten AC/DC-Netzteils – das CCB200 von XP Power
(Bild: XP Power)

Bei der Auswahl eines Netzteils stehen heute in erster Linie die Größe, Leistungsdichte und Kosten im Vordergrund. Allzu oft wird dabei allerdings angesichts der beeindruckenden Leistungsdaten übersehen, dass die maximale Ausgangsleistung von der Umgebungstemperatur abhängt. Die Daten zur Leistungsrücknahme (Derating) sind nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich und stehen oft am Ende des Datenblatts, weit weg von den in der Überschrift beschriebenen Daten. In manchen Fällen sind diese Detailinformationen auch nicht in den Katalog- oder Kurzdatenblättern enthalten. Man muss diese Werte aber unbedingt beachten um sicherzustellen, dass das gewählte Gerät auch die Anforderungen der entsprechenden Anwendung erfüllt.

Das Derating beschreibt die erforderliche Reduktion der Ausgangsleistung des Netzteils während des Betriebs bei höheren Umgebungstemperaturen oder niedriger Eingangsspannung. Damit wird vermieden, dass es zu extremen Temperaturerhöhungen an Bauteilen und dass bei sicherheitskritischen Isolationen die thermischen Grenzwerte überschritten werden.

Derating in Abhängigkeit von der Temperatur

Bild 1: Derating der Ausgangsleistung in Abhängigkeit von der Umgebungstemperatur
Bild 1: Derating der Ausgangsleistung in Abhängigkeit von der Umgebungstemperatur
(Bild: XP Power)
Praktisch alle Netzteile haben eine auf der Umgebungstemperatur basierende Deratingkurve, wie in Bild 1 dargestellt. Bei Netzteilen, die für den Einbau in einem Gerät entwickelt wurden, beginnt das Derating typischerweise erst bei 50 °C. Dies bedeutet, dass das eingesetzte Netzteil bei einer Temperaturerhöhung auf 50 °C im Gesamtsystem noch immer die volle Leistung liefern kann. Die Ausgangsleistung wird in der Regel auf 50% bei 70 °C Umgebungstemperatur reduziert. Es gibt auch einige Hersteller, die bei Umgebungstemperaturen unter 0 °C ebenfalls ein Derating vorschreiben, das dann auf dem Anlauf bei niedrigen Temperaturen basiert.

Bei Tisch- und Steckernetzteilen beginnt das Derating normalerweise ab 40 °C, da diese Geräte nicht der Temperaturerhöhung in einem Gehäuse ausgesetzt sind. In letzter Zeit wurden von manchen Herstellern Open-Frame-Geräte vorgestellt, bei denen die volle Leistung auf 40 °C begrenzt und die Ausgangsleistung bei 60 °C auf 50% reduziert wird. Der Grund dafür ist, dass die Bauteiletemperaturen zu hoch werden würden, wenn man die volle Leistung bis 50 °C erlauben würde. Möglicherweise können dann die spezifizierte Lebensdauer und die Produktsicherheit nicht mehr sichergestellt werden.

Eine solche Darstellung der spezifizierten technischen Daten erweckt den Anschein einer höheren verfügbaren Leistung. Auf den ersten Blick meint man dann, es könne ein kleineres oder kostengünstigeres Netzteils genügen. Allerdings ist beim Einsatz eines bis 40 °C spezifizierten Gerätes im Gesamtsystem bei 50 °C und darüber ein Derating von mindestens 25% zu berücksichtigen. Anders ausgedrückt bedeutet dies, dass ein Gerät, das mit einer Leistung von 100 W beworben wird, beim Betrieb mit einer Umgebungstemperatur von 50 °C nur 75 W liefern kann und daher nicht mit Geräten verglichen werden kann, die bis 50 °C eine Leistung von 100 W liefern können.

Derating abhängig von der Eingangsspannung

Geräte, die für den weltweiten Einsatz entwickelt wurden, verfügen in der Regel über einen Weitbereichseingang von 90 bis 264 VAC. Üblicherweise wird von Geräten mit Weitbereichseingang erwartet, dass sie die volle Leistung über den gesamten Spannungsbereich liefern. Manche Netzteile bieten zusätzlich eine reduzierte Leistung bei einer Eingangsspannung von 85 oder 80 VAC, um so den Betrieb auch bei relativ instabilen Netzspannungen zu ermöglichen.

Bild 2: Derating der Ausgangsleistung in Abhängigkeit von Eingangsspannung
Bild 2: Derating der Ausgangsleistung in Abhängigkeit von Eingangsspannung
(Bild: XP Power)
In den letzten Jahren nennen manche Hersteller aber die maximalen Leistungsdaten der Netzteile und spezifizieren dazu das Derating bei Eingangsspannungen unterhalb 100 VAC oder sogar unterhalb 115 VAC. Dieses, auf der Eingangsspannung basierende Derating, kann bei einem Betrieb bei 90 VAC bis zu 20% betragen.

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