Qualcomm hat in den vergangenen Tagen Intel ein erstes Angebot für eine mögliche Übernahme des Unternehmens unterbreitet. Das meldet das Wall Street Journal unter Berufung auf interne Quellen. Derweil sucht der angeschlagene Chipriese Unterstützung durch externe Investoren.
Droht ein Erdbeben auf dem Prozessormarkt? Der Fabless-Hersteller Qualcomm, bekannt in erster Linie durch seine Snapdragon-Mobilprozessoren, hat Medienberichten zufolge Intel ein erstes Übernahmeangebot unterbreitet. Sollte die Transaktion zustandekommen hätte sie das Potenzial, sämtliche anderen Merger und Akquisen der Halbleiterindustrie in den Schatten zu stellen.
(Bild: Pixabay)
Anfang letzter Woche hatten bereits Gerüchte die Runde gemacht, dass Qualcomm Teile des Chipdesign-Bereichs bei Intel übernehmen möchte. Dieses Interesse am Unternehmen scheint sich nun deutlich ausgeweitet zu haben: Vergangenen Samstag meldete das Wall Street Journal, dass der US-Chipriese Qualcomm bei Intel, einem anderen großen US-Chiphersteller, einen ersten Vorschlag zu einer möglichen Übernahme unterbreitet hat.
Dabei beruft sich das Blatt auf nicht näher genannte interne Quellen. Auch die Mediendienste Bloomberg und Reuters haben erste Gespräche zwischen dem weltgrößten Fabless-Chiphersteller der Welt und dem angeschlagenen Urgestein der Prozessorenentwicklung gemeldet. Demnach sei Qualcomm-CEO Cristiano Amon persönlich in die Verhandlungen involviert.
Qualcomm besitzt derzeit mehr als den doppelten Wert von Intel
Eine solche Akquise würde sicherlich ein Beben in der gesamten Elektronikbranche nach sich ziehen. Qualcomm ist neben Broadcom einer der größten Fabless-Chiphersteller der Welt. Obwohl das unternehmen mit seinen Wireless-Chips oder den Mobil-SoCs der Snapdragon-Reihe in Automobil-, Mobilgeräte- und zunehmend auch Desktop-Anwendungen vertreten ist, verfügt das Unternehmen über keine eigene Fertigungsstätte und lässt seine Produkte bei anderen Foundries, überwiegend bei TSMC, in Auftrag fertigen.
Das Unternehmen möchte aber mit seinen ARM-basierten Produkten seit einigen Jahren stärker in den Server- und Desktop-Anwendermarkt drängen. Eine Übernahme von Intel könnte hier einen Doppelschlag bedeuten: Das Unternehmen würde in einem Handstreich eine große Zahl eigener Chipfertigungsanlagen erwerben und zugleich ein großes Portfolio, dass in den zuletzt genannten Märkten bereits sehr stark etabliert ist!
Qualcomm konnte im vergangenen Geschäftsquartal Umsätze von 9,39 Milliarden US-$ verbuchen, was sogar leicht über der eigenen Prognose für das Jahresviertel (9,22 Mrd. US-$) lag. Das Unternehmen wird derzeit mit einem Schätzwert von 188 Milliarden US-$ an der Börse gehandelt. Das Unternehmen soll dem jüngsten Investorenreport zufolge derzeit über ein Barvermögen von 13 Mrd. US-§ verfügen.
Intel steht im Vergleich dazu deutlich schlechter da: Obwohl das Unternehmen jahrzehntelang als deutlicher Platzhirsch bei den Halbleiterherstellern galt und der wertvollste Chiphersteller der Welt war, steckt das Unternehmen seit einigen Jahren in der Krise. im zweiten Quartal des Jahres 2024 musste das Unternehmen einen Verlust von 1,6 Mrd. US-$ melden. Das Unternehmen schlägt einen harten Sparkurs ein: 15.000 Stellen sollen gestrichen, einzelne Geschäftsteile abgestoßen werden. Einige Beteiligungen an anderen Firmen wie Prozessorentwickler ARM wurden bereits verkauft. Der Börsenkurs des Unternehmens steht seitdem im freien Fall, zuletzt meldete Bloomberg für Intel einen Unternehmenswert von 93 Milliarden US-$.
Sollte die Übernahme zustande kommen, würden die Kartellbehörden in den Vereinigten Staaten, China und Europa sie wahrscheinlich genauer unter die Lupe nehmen. Qualcomm müsste sich möglicherweise von Teilen von Intel trennen, um die Genehmigung der Behörden zu erhalten. Ein Angebot wäre der größte Übernahmeversuch in der Technologiebranche, seit Broadcom 2018 versuchte, Qualcomm für 142 Mrd. USD zu übernehmen (und zeitweise sogar den Versuch einer feindlichen Übernahme einleitete). Diese Übernahmeversuche wurden schließlich vom damaligen US-Präsident Trump per Veto mit Verweis auf nationale Sicherheitsrisiken blockiert.
Kommt rechtzeitig Rettung von Außen?
Angesichts der schweren wirtschaftlichen Lage hat Intel derzeit seine lange angestrebtenExpansionspläne, etwa zur Errichtung neuer Fabs in Ostdeutschland, ausgesetzt. Gleichzeitig kündigte Intel allerdings einie Milliardenschwere Kooperationen ein, die den angeschlagenen Chipriesen wieder auf Kurs bringen sollen.So konnte etwa AWS als erster Großkunde zur Fertigung von Chips im hauseigenen Intel-18A-Prozess gewonnen werden - ein mehrjähriger Auftrag, der über einen nicht näher genannten Zeitraum Intel mehrere Milliarden US-$ einbringen soll. Darüber hinaus gab Intel bekannt, dass das Unternehmen im Rahmen des Programms Secure Enclave bis zu 3 Mrd. US-$ an direkten Mitteln aus dem CHIPS and Science Act der US-Regierung erhalten wird. Mit diesen Mitteln soll die Produktion von Halbleitern der Spitzentechnologie in den USA gefördert werden.
Stand: 08.12.2025
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Darüber hinaus meldet Bloomberg, dass sich Intel derzeit auch in Investitionsgesprächen mit der Kapitalgesellschaft Apollo Global Management befindet. Demnach habe der Vermögensverwalter angedeutet, dass er bereit wäre, eine "aktienähnliche" Investition von bis zu 5 Milliarden Dollar in Intel zu tätigen. Intel und Apollo stehen bereits in einer engen Geschäftsbeziehung: Im Juni hatte der Chiphersteller angekündigt, einen Anteil an seinem Joint Venture zur Fertigung von Halbleitern im irischen Leixlip für 11 Mrd. US-$ an Apollo zu verkaufen. Eine weitere Finanzspritze durch den Kapitalinvestor käme Intel zum aktuellen Zeitpunkt sehr gelegen, könnte aber auch den Druck erhöhen, wirtschaftlich schlecht laufende Teile des Unternehmens abzustoßen. (sg)