Intels Sparplan: Foundry, Altera & mehr Intel in Magdeburg: Aufgeschoben! Nicht aufgehoben? Gelsinger zu allen Intel-Plänen

Von Susanne Braun 5 min Lesedauer

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Es ist nun offiziell: Das Intel-Bauvorhaben bei Magdeburg liegt vorerst für rund zwei Jahre auf Eis. CEO Pat Gelsinger macht in einer offiziellen Mitteilung den Rundumschlag zu allen großen Intel-Baustellen: Es geht um die Investmentstopps in Deutschland und Polen, den 18A-Deal mit AWS und die Förderung über die US-Regierung sowie die Loslösung von Intel Foundry. Als Bonus gibt’s noch ein Playstation-6-Gerücht obendrauf.

Intel-CEO Pat Gelsinger richtet sich mit einer umfangreichen Mitteilung an die Belegschaft und spricht über die Unabhängigkeit der Foundry, Investitionsstopps, Entlassungen, Immobilienverkäufe und Altera sowie über US-Regierungs-Förderungen und Amazon Web Services als Kunden.(Bild:  Intel Corp.)
Intel-CEO Pat Gelsinger richtet sich mit einer umfangreichen Mitteilung an die Belegschaft und spricht über die Unabhängigkeit der Foundry, Investitionsstopps, Entlassungen, Immobilienverkäufe und Altera sowie über US-Regierungs-Förderungen und Amazon Web Services als Kunden.
(Bild: Intel Corp.)

Die Katze ist aus dem Sack: Intel will in den kommenden Jahren 10 Milliarden US-Dollar einsparen; da schaut es nicht so dufte aus, wenn gleichzeitig die Kohlen mit beiden Händen über einen Standort bei Magdeburg in Deutschland ausgeschüttet werden. Entsprechend, so erklärt Intel-CEO Pat Gelsinger in einer offiziellen Mitteilung an die Belegschaft, habe man Nägel mit Köpfen gemacht. Sowohl die Investment-Pläne in zwei Fabs in der Nähe von Magdeburg in Deutschland für mehr als 30 Milliarden Euro als auch die Pläne für ein etwas kleineres Werk in Polen sind mindestens für zwei Jahre auf Eis gelegt.

Als diese Nachricht am Abend des 16. September 2024 die Runde machte, meldete sich Bundesfinanzminister Christian Lindner sogleich bei X zu Wort: „Alle nicht für #Intel benötigten Mittel müssen zur Reduzierung offener Finanzfragen im Bundeshaushalt reserviert werden. Alles andere wäre keine verantwortungsbewusste Politik. CL“

Gelsinger argumentiert diese Entscheidung mit der Einführung von EUV in der Intel Foundry; man müsse nun von einer Zeit der gesteigerten Investitionen in die Foundry-Bemühungen zu einer etwas gemäßigteren Zeit der Prozessentwicklung und zu einem flexibleren und effizienteren Kapitalplan übergehen. Gleichzeitig ist die Nachfrage nach den Foundry-Produkten nicht so hoch wie erwartet.

Während also die Baupläne für Deutschland und Polen eingefroren wurden, sollen erhöhte Produktionskapazitäten in Irland vorerst die europäische Nachfrage bedienen. Alle anderen Intel-Investmentpläne in F&E, Advanced Packaging und Chipproduktion, die bisher nicht pausiert wurden (wie in Frankreich und Italien), bleiben unangetastet und somit bestehen. Dazu zählen unter anderem Advanced-Packaging-Kapazitäten in Malaysia. Es gibt allerdings auch positivere Nachrichten von Intel.

18A-Kunde Amazon Web Services und Förderung durch U.S. Secure Enclave

Intel hat am 16. September ebenfalls bekannt gegeben, dass die strategische Kooperation mit Amazon Web Services (AWS), einem der weltweit größten Cloud-Anbieter, vertieft wird. „Dazu gehört eine Koinvestition in kundenspezifische Chipdesigns, und wir haben einen mehrjährigen, milliardenschweren Rahmenvertrag über Produkte und Wafer von Intel angekündigt“, so Gelsinger. Genauer bedeutet das, dass Intel für AWS unter anderem einen KI-Chip mit dem 18A-Prozess sowie an Kundenwünsche angepasste Xeon-6-Chips (hergestellt über Intel 3) fertigen wird.

Währenddessen konnte Intel sich auch endlich Gelder über den CHIPS and Science Act des Secure-Enclave-Programms der US-Regierung sichern. Es handelt sich um eine direkte Förderung, gewissermaßen einen Auftrag der US-Regierung, denn im Rahmen von Secure Enclave produziert Intel direkt für den Staat. „Das Secure-Enclave-Programm baut auf früheren Projekten zwischen Intel und dem Verteidigungsministerium (DoD) auf, wie Rapid Assured Microelectronics Prototypes – Commercial (RAMP-C) und State-of-the-Art Heterogeneous Integration Prototype (SHIP). Als einziges amerikanisches Unternehmen, das hochmoderne Logikchips entwickelt und herstellt, wird Intel dazu beitragen, die heimische Chip-Lieferkette zu sichern und mit dem Verteidigungsministerium zusammenzuarbeiten, um die Widerstandsfähigkeit der technologischen Systeme der USA durch die Entwicklung sicherer, hochmoderner Lösungen zu verbessern“, wird von Intel erklärt. Die Förderung über Secure Enclave ist unabhängig von anderen Förderungen durch den CHIPS and Science Act zu betrachten und zu bewerten.

Unabhängigkeit für Intel Foundry

Es stand zu erwarten, dass der Vorstand von Intel beschließt, die Grenzen zwischen Intel und Intel Foundry noch deutlicher zu ziehen. Gelsinger berichtet von der Entscheidung, dass Intel Foundry eine eigenständige Tochter innerhalb des Intel-Kosmos werden soll. Damit soll wohl unter anderem der Sorge begegnet werden, dass Intel- und Foundry-Kunden Geschäftsgeheimnisse anderer Kunden erlangen könnten. Ein Bonus aus Intels Geschäftsleitung: Eine Tochtergesellschaft ließe sich einfacher loswerden, sofern das nötig wird. Offiziell klingt das natürlich ein wenig anders:

„Die Struktur einer Tochtergesellschaft bringt wichtige Vorteile mit sich. Sie bietet unseren externen Foundry-Kunden und Lieferanten eine klarere Trennung und Unabhängigkeit vom Rest von Intel. Wichtig ist auch, dass sie uns in Zukunft die Flexibilität gibt, unabhängige Finanzierungsquellen zu evaluieren und die Kapitalstruktur der einzelnen Geschäftsbereiche zu optimieren, um das Wachstum und die Wertschöpfung für die Aktionäre zu maximieren.“ Abseits davon wolle man sich stärker auf das x86-Portfolio konzentrieren – und natürlich auf künstliche Intelligenz für den Konsumenten, etwa in Form der AI-PCs.

Sparkurs bei Angestellten, Immobilien und Altera

Es ist bereits bekannt, dass Intel weltweit etwa zehn Prozent der Arbeitsplätze einsparen will, was rund 15.000 Mitarbeitern entspricht. Gelsinger informiert in seiner Mitteilung darüber, dass bereits mehr als 7.500 Angestellte Angebote zum freiwilligen Vorruhestand und Ähnliches angenommen hätten, allerdings noch weitere schwierige Entscheidungen anstehen. Mitte Oktober werden wahrscheinlich die betroffenen Mitarbeiter informiert.

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Ebenfalls bei den Intel-Liegenschaften soll gespart werden. Bis zum Ende des Jahres 2024 will sich der Konzern von rund zwei Drittel der weltweiten Immobilien trennen. Ebenfalls auf dem Programm steht die Trennung von einigen Anteilen an Altera. Gelsinger zu den Plänen, Barschaften und Liquidität zu verbessern: „Dazu gehört auch der Verkauf eines Teils unserer Beteiligung an Altera – etwas, über das wir mehrfach öffentlich gesprochen haben und das seit langem Teil unserer Strategie ist, um Erlöse für Intel auf dem Weg zum Börsengang von Altera zu erzielen.“ Bis es etwas ruhiger um Intel wird, die Aktienkurse sind zu Gelsingers Ankündigungen gleich mal wieder gestiegen, wird wohl noch einiges an Zeit vergehen.

Gerücht: Ausgestochen von AMD bei Playstation 6

Trotz der schwierigen Lage versuchen die Verantwortlichen von Intel natürlich, das Unternehmen weiterhin so robust und stabil wie möglich darzustellen, wenngleich dabei auch die schwierigen Entscheidungen angesprochen werden. Passend dazu zeichnet ein Bericht von Reuters (via Tom's Hardware) allerdings wieder das Bild einer Intel-Niederlage. Denn Intel habe, so heißt es, den Wettstreit um einen Sony-Großauftrag gegen AMD verloren.

Genauer ging es dabei laut den Berichten dreier Insider um die Produktion des Prozessors für die Playstation 6 - es soll dabei um rund 30 Milliarden US-Dollar gegangen sein. Kein Wunder, denn die Playstation ist eine der beliebtesten Konsolen und verkauft sich meist bereits ab Tag 1 wie geschnitten Brot; im Laufe einer Generation werden bis zu 100 Millionen Geräte abgesetzt. Mit der Playstation 6 ist indes frühestens im Jahr 2027 zu rechnen, nachdem Sony in jüngster Vergangenheit erst die Pro-Variante der Playstation 5 angekündigt hat.

„Interessanterweise soll Intels Streit um die Gewinnspannen zu einem Sieg des bereits etablierten Prozessordesignpartners Sony geführt haben. Reuters-Quellen berichten, Intel habe sich mit Sony über die Gewinnspanne pro gelieferten Chip gestritten“, heißt es bei Tom's Hardware. Vonseiten Intel heißt es, dass man diese Darstellung entschieden zurückweise, ins Detail wurde dabei aber nicht gegangen. AMD und Sony reagierten nicht auf Anfragen für einen Kommentar. (sb)

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