Fachkarriere Wie Technikexperten die Karrieresackgasse überwinden

Redakteur: Margit Kuther

Etliche Ingenieure würden Führungsverantwortung übernehmen, wenn sie nicht den intensiven Kontakt zur Technik gegen eine ungeliebte Managementlaufbahn eintauschen müssten. Fachkarrieren bieten hier Alternativen.

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Karriere: Fachlaufbahnen bieten Ingenieuren mit technischen Ambitionen gute Aufstiegsmöglichkeiten (Bild: Ernst Rose_pixelio.de)
Karriere: Fachlaufbahnen bieten Ingenieuren mit technischen Ambitionen gute Aufstiegsmöglichkeiten (Bild: Ernst Rose_pixelio.de)

Fachkarrieren eröffnen Ingenieuren völlig neue Perspektiven, so eine Unternehmensumfrage des VDI.

Bislang stellte sich beruflicher Erfolg in erster Linie über klassische Managementkarrieren ein. Diese aber entsprechen häufig nicht den Vorstellungen ehrgeiziger junger Fachkräfte.

Wer höher hinaus will, steckt in der Zwickmühle und fragt sich: Soll ich den Verlust fachlicher Aufgaben im Tausch mit Führungsverantwortung in Kauf nehmen?

Der Technikexperte in der Karrieresackgasse

Andererseits verlieren Ingenieure, die auf unteren Hierarchiestufen haften bleiben, bei ausbleibender Anerkennung und Förderung die Motivation. Viele Talente und Potenziale liegen brach, weil der Technikexperte in der Karrieresackgasse stecken bleibt.

Doch mit dem steigendem Fachkräftebedarf werden auch Technikfeaks mit Karriereambitionen für die Arbeitgeber immer wichtiger.

Karriere mit Technikrelevanz

Wie könnten Arbeitgeber den Wünschen von Ingenieuren nach einer Karriere mit hoher Technikrelevanz entgegenkommen und dabei selbst profitieren? „Mit dem Aufbau einer parallel zur Führungskarriere etablierten Fachkarriere“, kennt Antje Lienert eine Antwort.

Die Geschäftsstellenleiterin von Kunststoffland NRW hat sich in einer Studie mit den Karrierekonzepten von Ingenieuren beschäftigt. Eine Fachkarriere biete eine inhaltliche Vertiefung mit gleichzeitigem Aufstieg und geringer bis gar keiner Personalverantwortung. Gerade für kleinere Firmen sei es ein geeignetes Mittel, sich Ingenieuren als attraktive Arbeitgeber zu präsentieren.

Mit der Beförderung verlieren Unternehmen einen guten Fachmann und gewinnen einen schlechten Vorgesetzten

Noch aber sind es vor allem Konzerne, die sich im Bereich der Fachkarrieren immer breiter aufstellen. Sie haben die Vorzüge alternativer Berufslaufbahnen bereits kennen gelernt.

„Die häufig gehörte Bemerkung, dass man mit der Beförderung eines hervorragenden Experten auf eine Führungsstelle manchmal zwei Fehler mache, kann durchaus berechtigt sein: Man verliert einen wichtigen Fachmann und gewinnt einen schlechten Vorgesetzten“, weiß Carsten Schlichting, bei Bosch für die Führungskräfteentwicklung zuständig.

Die Quintessenz: Wer das Fachwissen seiner Experten nicht verlieren will, baut es aus und honoriert es. Automobilzulieferer Bosch verfügt seit fast 40 Jahren über Erfahrungen mit Fachlaufkarrieren.

Fachlaufbahnen reduzieren Kosten und Fehlbesetzungen

Die Fachlaufbahnkonzepte sind in Unternehmen wie E.on, Dräger, SAP, Bosch und Carl Zeiss sehr unterschiedlich, haben aber eines gemein: Die Arbeitgeber sind allesamt von der Wirkung ihrer Angebote überzeugt.

Wie etwa Dräger. Für den Spezialisten im Bereich Medizin- und Sicherheitstechnik bieten Fachkarrieren die Chance, Talente im Sinne des Unternehmens einzusetzen.

„Abgesehen von geringeren Rekrutierungskosten, schnelleren Besetzungszeiten und kürzeren Einarbeitungszeiten besteht ein geringeres Risiko von Fehlbesetzungen, da man seine internen Mitarbeiter in der Regel besser einschätzen kann als externe Bewerber“, sagt Birte Loffhagen, bei Dräger Referentin für Personalentwicklung.

„Darüber hinaus fördert das Angebot die wahrgenommene Attraktivität des Arbeitsplatzes und des Arbeitgebers deutlich. Das unterstützt auch das interne Personalmarketing und Employer Branding sowie die Rekrutierung externer Kandidaten – über persönliche Empfehlungen zufriedener Mitarbeiter.“

Spezialisten, für die eine Fachkarriere in Frage kommen, gäbe es bei Dräger reichlich: vom Entwicklungsingenieur über den Steuerspezialisten, vom Vertriebsingenieur bis zum Produkt-Manager. Loffhagen: „Es handelt sich um Mitarbeiter mit herausragender Fachkompetenz, die für Dräger wichtige Themenfelder verantworten und diese im Sinne des Unternehmens weiterentwickeln.

Sie haben meist einen festen Stand als Knowhow-Träger in ihrem Fachgebiet und erkennen schnell übergeordnete Gesamtzusammenhänge.“

Fachlaufbahnen sind kein Abstellgleis

Eine Beruhigungspille für karrierebewusste Ingenieure sei die Fachlaufbahn keineswegs, betont E.on auf Anfrage.

Fachlaufbahnen stellten kein Abstellgleis für Mitarbeiter dar, heißt es aus der Pressestelle. „Sie stehen im Gegenteil nur einem kleinen, ausgewählten Kreis zur Verfügung.

Mitarbeiter in den Fachlaufbahnen müssen sich vergleichbaren Auswahlverfahren und Bewertungsinstrumenten stellen wie Mitarbeiter in der Führungslaufbahn und haben wie diese auch die Möglichkeit, sich innerhalb der Fachlaufbahnen bis auf Exekutive Level zu entwickeln.“ Mit anderen Worten: Fachkarrieren sind bei E.on gleichwertig mit Führungskarrieren.

Fachlaufbahnen sind nichts für Experten im stillen Kämmerlein

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