Gefährliche Plagiate Wie Produktpiraten Prüfzeichen missbrauchen

Redakteur: Gerd Kucera

Das Thema Plagiate bewegt die Leser der EP: Aufgrund unserer Veröffentlichung „90 Jahre VDE-Prüfzeichen“ im März gab es einige Hinweise und Kommentare, von denen wir drei vorstellen.

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Spannung pur: Der elektrische Grill hat kein Prüfzeichen und erst recht keine Isolierung
Spannung pur: Der elektrische Grill hat kein Prüfzeichen und erst recht keine Isolierung

Das Vertrauen in ein Produkt steht und fällt mit seiner Qualität und Sicherheit. Laut VDE-Studie „Verbraucherschutz bei Elektroprodukten“ haben 17,4% aller Bundesbürger schlechte Erfahrungen mit der Sicherheit elektrotechnischer Produkte gemacht.

Elektrische Billigwaren, die ganz ohne Sicherheitsüberprüfung in den Handel kommen, können lebensgefährlich sein. Nicht selten sind sie etablierten Marken nachempfunden, falsch deklariert und tragen ein gefälschtes Prüfzeichen.

Es ist ein Irrtum zu glauben, die Sicherheit von Elektroartikeln sei heute eine Selbstverständlichkeit. Groß ist die Zahl derer, die sorglos entwickeln, mangelhaft konstruieren und billigst produzieren. Gezieltes Kopieren erfolgreicher Originale spart den Produktpiraten schließlich hohe Entwicklungskosten.

Das CE-Kennzeichen ist kein Gütesiegel

Eine brisante Mischung sind niedrige Preise und schlechte Qualität. Wer auswählt, muss unbedingt genau hinschauen, um Prüf- und Sicherheitszeichen auf den Produkten zu finden. Viele Verbraucher sind schon beruhigt, wenn sie das bekannte CE-Zeichen sehen. „Das ist allerdings fatal“, warnt der Prüfingenieur Bernd Franke vom VDE Prüf- und Zertifizierungsinstitut, „denn dieses Zeichen sagt nichts über die Sicherheit aus, sondern ist lediglich eine einheitliche Warenkennzeichnung, die der Hersteller selbst anbringt.“

Der Hersteller erklärt nämlich damit, dass das Produkt die EU-Produktsicherheitsvorschriften erfüllt. Ob den Anforderungen wirklich entsprochen wird, ist in der Regel nicht überprüft; man vertraut dabei auf die Redlichkeit des Produzenten.

Für die Überwachungsbehörden innerhalb des gemeinsamen europäischen Binnenmarktes ist (das vorgeschriebene) CE-Etikett eher ein Verwaltungszeichen über den Nachweis der „Richtlinienkonformität“ des Produktes und damit die Voraussetzung für das Inverkehrbringen oder die Einfuhr des Produktes.

Geprüfte Sicherheit – blindes Vertrauen ist schlecht

Eine wohl hinreichend bekannte Kennzeichnung ist GS, was für Geprüfte Sicherheit steht. Sie will bescheinigen, dass das Erzeugnis mit den Anforderungen des Geräte- und Produktsicherheitsgesetzes (GPSG) übereinstimmt.

Hersteller dürfen das GS-Zeichen nur nach einer Baumusterprüfung durch eine zugelassene Prüfstelle (etwa dem TÜV) auf dem Produkt anbringen. Die GS-Kennzeichnung ist freiwillig.

Als mündiger Konsument sollte man aber nicht blind der Geprüften Sicherheit vertrauen. Denn immer wieder tauchen Elektro-Billig-Produkte mit entsprechenden Prüfsiegeln auf, deren Qualität und Sicherheit man gerade mal mit einem zögerlichen „Na ja“ kommentieren kann.

Und ist die Kennzeichnung wirklich echt? Unterscheidet sich das aktuelle Produkt auch nicht vom Baumuster? Fand die Begutachtung ohne Zeitdruck mit höchste Sorgfalt statt? Welcher Händler will das garantieren?

Immer wieder gibt es spektakuläre Rückrufaktionen, weil sich eine Gefahr mitunter erst nach gewisser Betriebszeit zeigt oder bei ungeschickter Handhabung.

Eine echte Beurteilungshilfe für ein sicheres Produkt ist hingegen das (leider auch nur freiwillige) dreieckige VDE-Prüfzeichen, das bereits seit 90 Jahren vergeben wird.

Erst nach eingehender und wiederholter Prüfung der Ware im unabhängigen Offenbacher Prüf- und Zertifizierungsinstitut wird das Prüfzeichen vergeben, dass heute auf über 200.000 Produkttypen mit 1 Mio. Modellvarianten zu finden ist.

Auch bei Spielzeug ist es ein guter Gradmesser für deren Sicherheit, zumal die neutralen Sicherheitsprüfungen nicht nur in Deutschland stattfinden, sondern auch in Asien.

Es ist sehr wichtig, Sicherheitsstandards auch international umzusetzen, weil viele Produkte gar nicht in Deutschland gefertigt werden. Der VDE baut deshalb seine Präsenz stetig aus, beispielsweise aktuell in Singapur.

„Gerade Schnäppchen kommen dem Konsumenten manchmal später teuer zu stehen, weiß VDE-Prüfingenieur Franke durch die zahlreichen Tests in seinem Institut, „oft fehlen die Schutzleiterverbindungen, die Sicherheitsabstände bei unter Spannung stehenden Teilen sind gering oder es werden Materialien verwendet, die den dauerhaften Belastungen einfach nicht gewachsen sind. Brandgefahr, elektrischer Schlag oder gar Explosionen, ausgeschlossen werden kann bei ungeprüften Produkten eigentlich gar nichts.“

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