Gefährliche Plagiate

Wie Produktpiraten Prüfzeichen missbrauchen

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Made in China und Mitbringsel aus Istanbul

Weil man heute davon ausgehen kann, dass die Mehrheit aller Waren in Fernost gefertigt werden, tut der Konsument gut daran, wenn er vor dem Kauf mit entsprechender Aufmerksamkeit, und vielleicht auch mit einer gewissen Skepsis, die Ware für sich beurteilt, die Anleitung liest und prüft, ob er den Namen des Herstellers oder Importeurs kennt. Nachfolgend drei interessante und unterschiedliche Beispiele, die unsere Redaktion erreicht haben:

Original und Fälschung: Das Original des Schaltreglers R78 sehen Sie oben, darunter die Kopie
Original und Fälschung: Das Original des Schaltreglers R78 sehen Sie oben, darunter die Kopie
Beispiel 1: „...habe ich mit Interesse Ihr Editorial gelesen – Sie sprechen uns aus der Seele! Gerade im Wandlerbereich wird abgekupfert was das Zeug hält.

Kürzlich hat sich ein großer Kunde bitter über unsere schlechte Qualität beklagt – Zitat: eure Wandler sterben wie die Fliegen!

Als der Karton defekte REC5 zurück kam, war die Überraschung groß – es handelte sich um eine minderwertige Kopie!

Aufgedeckt: Das Röntgenmikroskop enttarnt den gefälschten DC/DC-Wandler REC5 (rechts)
Aufgedeckt: Das Röntgenmikroskop enttarnt den gefälschten DC/DC-Wandler REC5 (rechts)
Ein Blick durchs Röntgenmikroskop zeigte schnell, dass u.a. anstelle eines E-Kern-Trafos mit gut voneinander isolierten Wicklungen (im Foto links) ein Billig-Trafo zum Einsatz kam, mit wild übereinander liegender Primär- und Sekundärwicklung.

Zwar leben wir seit Jahren damit, dass unsere besten Produkte re-engineered werden (unsere R78-Schaltregler sind vermutlich das meistkopierte Produkt in diesem Bereich), aber wenn dann auch noch das Logo gefälscht wird, ist das des Bösen zu viel.“

Spannung pur: Der elektrische Grill hat kein Prüfzeichen und erst recht keine Isolierung
Spannung pur: Der elektrische Grill hat kein Prüfzeichen und erst recht keine Isolierung
Beispiel 2: „...kann ich Ihnen nur voll zustimmen. Als Beleg habe ich ein Foto von meinem diesjährigen Türkei-Besuch beigefügt.

Diesen Grill gab es als Neugerät auf einem Wochenmarkt in Istanbul. Er hatte kein Prüfzeichen und die fehlende Isolierung spricht Bände. Man wundert sich, was so alles noch auf der Welt hergestellt wird.“

Schnäppchen mit Folge: kein Prüfzeichen, kein Herstellername, dafür aber echt billig im Sinn des Wortes
Schnäppchen mit Folge: kein Prüfzeichen, kein Herstellername, dafür aber echt billig im Sinn des Wortes
Beispiel 3: „Ein Preisschnäppchen schien mir meine neue Schreibtischlampe zu sein. Es gab sie in einem renommierten Möbelhaus für ein paar Euro inklusive Energiesparleuchte...„und nur heute mit zusätzlichen 10% Rabatt...“.

Die Freude war nur kurz: nach wenigen Wochen zerfiel der Kunststoff der Energiesparlampe, die Vorschaltelektronik nebst Leuchte fielen heraus, während ich am Schreibtisch saß. Wer weiß, was noch hätte passieren können.

Künftig schaue erst auf den Herstellernamen, dann auf die Prüfzeichen und erst zum Schluss entscheidet der Preis.“

Fast ein Fünftel fehlerhafter Produkte sind anonym

Die meisten gefährlichen Produkte kommen nach wie vor aus China. Das zeigt die Auswertung der von den deutschen Behörden beanstandeten und im Rahmen des europäischen Schnellwarnsystems RAPEX europaweit gemeldeten Produkte.

Jedes Jahr veröffentlicht die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) als zentrale Meldestelle des Bundes die gemeldeten Verstöße gegen das Geräte- und Produktsicherheitsgesetz (GPSG). Darüber hinaus beleuchtet der Bericht „Gefährliche Produkte 2011“ (PDF siehe Links) auch die tödlichen Arbeitsunfälle des Jahres 2010, die sich in Deutschland im Zusammenhang mit Geräten und Maschinen ereigneten, sowie die von der deutschen Tagespresse gemeldeten Ereignisse und Vorfälle im Zusammenhang mit technischen Geräten und Produkten.

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