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Wie ein Atomkraftwerk verschwindet

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Aber was wird in welcher Reihenfolge abgebaut? Beim Kernkraftwerk Stade, das 2003 vom Netz ging und seit 2005 stillgelegt wird, sind es vier Phasen, die sich zum Teil überlappen. Um Platz für spätere Arbeiten zu schaffen, erntfernten die Betreiber zunächst möglichst viele Systeme aus dem nuklearen Bereich – etwa Flutwasserbehälter oder Druckspeicher.

Danach kümmerten sie sich um Primärkühlmittel einschließlich der Pumpen sowie die Dampferzeuger. Phase 3 galt dann den am stärksten radioaktiv kontaminierten Komponenten: dem Reaktordruckbehälter und seiner Betonabschirmung. Schließlich wurden die noch verbliebenen Systeme im Kontrollbereich abgebaut, darunter die Abwasseraufbereitungsanlage und die Abluftanlage.

Eigentlich sollte der Rückbau von Stade 2014 abgeschlossen sein. Doch vor einem Jahr entdeckten Arbeiter im Sockel des Reaktorgebäudes radioaktiv verunreinigtes Wasser. Versickert war es vermutlich schon kurz nach Inbetriebnahme des Kraftwerks 1972.

Der Fund verzögert den Rückbau des Meilers um mindestens drei Jahre. Frühestens Ende 2017 sollen die Arbeiten nun soweit abgeschlossen sein, dass das Gelände aus der Atomaufsicht entlassen werden kann.

Solche Überraschungen treiben die Kosten in die Höhe. Ursprünglich hatte der Stromkonzern E.ON für den Rückbau von Stade 500 Millionen Euro veranschlagt. Derzeit schätzen Experten die Gesamtkosten auf eine Milliarde Euro.

Laut Atomgesetz müssen die Betreiber sämtliche Kosten für Stilllegung und Abbau der Kernkraftwerke wie auch für die Entsorgung radioaktiver Abfälle tragen. Den Rückbau der ehemals staatseigenen Atomkraftwerke der DDR zahlt dagegen die Bundesrepublik. EWN hatte für die Kraftwerke Lubmin und Rheinswald zunächst 3,2 Milliarden Euro veranschlagt. Mittlerweile ist das Unternehmen bei 4,2 Milliarden Euro angekommen.

EWN bildet übrigens junge Menschen in Stilllegung und und Entsorgung nuklearer Anlagen aus. Ein Job mit Zukunft, wirbt das Unternehmen in einer Stellenanzeige.

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