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Wie ein Atomkraftwerk verschwindet

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Dieser radioaktive Müll birgt das nächste Problem. Der Aufwand dafür hängt davon ab, zu welcher von drei Kategorien er zählt. Nur ein geringer Teil ist wärmeentwickelnd, also hoch radioaktiv: Er wird – gemeinsam mit den Brennelementen aus den Reaktoren – in Castoren gelagert. Sie sind für jenes Endlager bestimmt, nach dem derzeit noch gesucht wird.

Reste mit sogenannter vernachlässigbarer Wärmeentwicklung gelten als schwach- oder mittelradioaktiv: Zu dieser zweiten Kategorie gehören etwa drei Prozent der Abfälle, die bei der Stilllegung eines Kernkraftwerkes anfallen. Sie sollen einmal im Schacht Konrad in Salzgitter untergebracht werden, der voraussichtlich Anfang des kommenden Jahrzehnts in Betrieb geht.

Rund 97 Prozent der Überreste eines Kernkraftwerkes lassen sich so dekontaminieren, dass sie als normale Abfälle gelten oder sogar als Wertstoffe wieder in den Wirtschaftskreislauf gelangen können.

Doch wie reinigt man oberflächlich kontaminierten Müll? Dazu gibt es vor allem folgende Möglichkeiten:

- Chemische Dekontamination: Das kontaminierte Teil kommt in ein Säurebad. Die Säure trägt die Oberfläche ab, auf der die radioaktiven Stoffe liegen.

- Hochdruckreiniger können die radioaktiven Stoffe, die zum Beispiel im Rost oder in Beschichtungen stecken, mit einem enormen Druck von 3000 Bar von der Oberfläche spülen. Anschließend muss das Wasser gesondert gereinigt werden.

- Trockenstrahlen, zum Beispiel mit Stahlkies: Dieser wird mit ungefähr 5 Bar auf die Oberfläche geschossen, um die kontaminierten Schichten zu entfernen. Der Kies kann mehrmals verwendet werden, solange man den anfallenden Staub aussortiert.

Anschließend messen Gutachter, ob die Radioaktivität unterhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Freigabewerte liegt, wie Jörg Feinhals vom Deutsch-Schweizerischen Fachverband für Strahlenschutz erklärt. “Je mehr radioaktiver Abfall nicht freigegeben wird, desto mehr bleibt für die Lagerung und desto größer ist der Platzbedarf für die Zwischen- und Endlagerung”, erklärt Feinhals. “Es gibt also ein natürliches Interesse der Betreiber, möglichst viel radioaktiven Abfall so zu dekontaminieren, dass er wie gewöhnlicher Müll behandelt werden kann.”

Doch gerade solcher Abfall führte kürzlich auf einer Deponie im sächsischen Grumbach zu Protesten: Weil dort Bauschutt aus dem niedersächsischen Atomkraftwerk Stade entsorgt wurde, fürchteten Anwohner um ihre Gesundheit. Das sächsische Umweltministerium dagegen hält die Reste für unbedenklich: Die zu erwartende Strahlenbelastung für Beschäftigte der Deponie oder Anwohner liege unter dem Grenzwert von 10 Mikrosievert pro Jahr.

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