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Wie ein Atomkraftwerk verschwindet

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Zunächst einmal wird die Anlage abgeschaltet. “Der Betrieb endet dann, wenn der Reaktor keinen Strom mehr produziert, wenn also keine nukleare Kettenreaktion mehr stattfindet”, erklärt Prof. Antonio Hurtado, Direktor des Instituts für Energietechnik an der Universität Dresden.

Dann folgt die Phase des Nachbetriebs: Eigentlich sollte zum Zeitpunkt der Abschaltung so wenig Kernbrennstoff wie möglich in der Anlage sein. Aber: “Wir sind mitten aus dem Leben abgeschaltet worden”, sagt Marlies Philipp zum Kraftwerk Lubmin. Alle Brennelemente waren also noch in der Anlage. So war es auch bei allen acht Kraftwerken, die 2011 vom Netz gingen.

Die Brennelemente müssen aus dem Reaktor entfernt werden und vier bis fünf Jahre in einem mit Wasser gefüllten Becken zwischenlagern. Dort soll die hohe Temperatur abklingen. Denn radioaktive Zerfallsprozesse laufen weiter ab, die dabei entstehende Wärme muss abgeführt werden. “Wenn die Brennstäbe eine bestimmte Temperatur erreicht haben, können sie in Castoren gelagert werden”, sagt Philipp.

In der Zwischenzeit kann die Dekontamination anderer Bereiche beginnen. “Um ein Kraftwerk herum hat man noch Anlagen, die man nicht mehr braucht”, erläutert Philipp und verweist etwa auf Leitungen in nicht mehr benötigten technischen Systemen. Die lassen sich mit Säure abspülen und so dekontaminieren.

All diese Schritte des Nachbetriebs fallen noch unter die weiterhin gültige normale Betriebsgenehmigung des Kraftwerkes. Für die folgende Phase der Stilllegung braucht der Betreiber dagegen eine neue Genehmigung. Dazu muss er bei der Atomaufsichtsbehörde des jeweiligen Bundeslandes einen Antrag auf Rückbau stellen.

Bis der bewilligt wird, können Monate bis Jahre vergehen, wie Prof. Sascha Gentes vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) erklärt.

Das liegt daran, dass der Betreiber für jeden einzelnen Schritt die Vorgehensweise erläutern und teilweise auch in großem Maßstab überprüfen muss: “Man muss zum Beispiel von einem Reaktordruckgefäß ein Teil im Maßstab 1 zu 1 bauen, um daran den Abbau mit fernhantierten Verfahren testen zu können”, berichtet Gentes. “Und das ist nur die Genehmigung für einen Rückbauschritt.”

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