Projektmanagement Wenn Projekte unter Reportismus leiden

Autor / Redakteur: Chris Rupp, Christian Pikalek* / Martina Hafner

Jeder Projektbeteiligte ist eine Person mit Stärken und Schwächen und vertritt zumindest zu einem gewissen Teil seine eigenen Interessen. Daraus resultieren Verhaltensmuster, die ein Projekt schlimmstenfalls zum Scheitern bringen können.

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„Muster“ ist ein abstrakter Begriff, dem wir täglich begegnen. Sie erstrecken sich von der Verteilung der Mobilfunkantennen in einer Stadt, den Bezügen von Möbelstücke bis hin zu unseren Fingerabdrücken. So zahlreich wie es Muster in der Welt außerhalb von uns gibt, so zahlreich sind sie in unserem Innenleben und unseren sozialen Interaktionen. Damit meinen wir die psychischen Muster unserer Innenwelten. Ihre Ausprägungen sind vielfältig, da sie von einer Kombination unterschiedlicher Faktoren beeinflusst werden. Jedes Muster ist abhängig von einzelnen Gedanken, Gefühlen, Bedürfnissen, Wahrnehmungen und der subjektiven Interpretationen eines jeden Menschen.

Die meisten psychischen Muster lassen sich der Unterkategorie der Verhaltensmuster zuordnen, d.h. sie haben Auswirkungen auf die Außenwelt. Viele dieser kleinen neurotischen Verhaltensmuster kennen Sie vielleicht aus Ihrem Privatleben. Man vermeidet z.B. überdicke Bücher, denn die sind ja sowieso ewig langweilig. Oder man hinterfragt nicht die Aussagen von Ärzten, Juristen und ähnlichen Experten denn die sind ja die Spezialisten werden schon genau wissen was sie tun.

Verhaltensmuster werden von vielen Psychologen als meist unbewusst eingeübte Handlungsweisen gedeutet, deren Wiederholung dem Individuum in einer bestimmten Situation das Gefühl von Sicherheit oder Akzeptanz vermittelt oder allgemein gesprochen, das Erfahren von unangenehmen Gefühlen verhindert oder die Auseinandersetzung damit.

Der „Reportismus“ oder „Managerismus“

Hier soll es nun darum gehen, welche Verhaltensmuster im geschäftlichen Bereich, aber vor allem bei Projekten und deren Beteiligten auftreten und wie diese den Erfolg beeinflussen. Das Ziel eines Projekt ist meist ein fertiges Produkt, welches am Ende perfekt funktionieren soll und die Bedürfnisse unserer Kunden befriedigt. Doch auf dem Weg dorthin treffen wir immer wieder auf Verhaltensmuster von Menschen und Teams, die oft negative Auswirkungen auf ein Projekt haben. Diese Verhaltensmuster zeigen sich z.B. in einer übertriebenen Sparsamkeit auf Seiten des Auftraggebers oder in Versprechen des Analytikers, die parallel zur Realität verlaufen. Ein typischer Fall eines Verhaltensmusters, das den Projektfortschritt verhindern kann, ist der„Reportismus“ oder auch „Managerismus“. Der Ablauf lässt sich sehr schön an einem Fallbeispiel erklären.

1. Phase: Am Anfang war alles gut, ...

Illustration „Reportismus“ oder „Managerismus“: Wildwuchs beim Reporting bindet Ressourcen, die dann für die eigentliche Arbeit fehlen (Archiv: Vogel Business Media)

Wie in jedem Projekt beginnt auch der „Reportismus“ in unserem Projekt mit einem Kickoff-Meeting. Unser Projektmanager und unsere fünf Beteiligten erarbeiten zusammen die Ziele des Projekts, klären die Rahmenbedingungen wie zur Verfügung stehende Zeit und Ressourcen, mögliche Risiken, etc. All diese Punkte werden im Vorgehen berücksichtigt und verbindlich festgelegt, für welches Problem oder für welche Fragestellung welches administrative Dokument von den Projektbeteiligten zu erstellen und zu pflegen ist. In unserem „imaginären“ Projekt wollen wir davon ausgehen, dass man sich darauf geeinigt hat, dass zur Ressourcen- und Fortschrittskontrolle die einzelnen Bereichsverantwortlichen dem Projektmanager einmal wöchentlich den aktuellen Stand ihrer Arbeitspakete mitteilen, sodass die aktuelle Auslastung immer transparent ist. So weit so gut!

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