Unternehmen in der Zukunft Welche Chancen Trends und Megatrends den Distributoren bieten
Trends und Megatrends wie Marketing 3.0 und die demografische Entwicklung verändern den Markt rapide. Den europäischen Distributoren bietet er erhebliche Chancen. Welche, erläutert Wolfram Ziehfuss, Geschäftsführer des Geschäftsführer des Fachverbands der Bauelemente Distribution.
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Die letzten Jahre brachten uns eine Fülle von Trends und Megatrends in immer schnellerer Folge. Die Anzahl und Frequenz scheint dabei mit der Komplexität unserer Umwelt zu steigen.
Die Welt ist politisch, wirtschaftlich und technologisch so unübersichtlich geworden, dass wir Vielem nur noch mit großer Skepsis gegenüberstehen. Ein typisches Beispiel hierfür sind Konjunkturprognosen, die wir in der Regel als unrealistisch und daher unwahr empfinden.
Trends und Megatrends als Orientierungshilfe
In dieser Welt der „Unprognostizierbarkeit“ können uns Trends und Megatrends eine Orientierungshilfe sein. Organisationen greifen gerne nach dieser Möglichkeit, um mehr Sicherheit bei wichtigen Entscheidungsprozessen zu erlangen.
Trendforscher wie Jens Gábor Jánszky warnen allerdings davor, sich zu sehr auf die aktuellen Prognosen zu verlassen: „Die Wahrheit hinter den Trends ist: Trends sind Entwicklungen, die von marktbeherrschenden Akteuren aufgrund deren Interessenlage getrieben oder blockiert werden. Diese Interessenslagen ändern sich ab und zu – und dann ändern sich auch die Trends.“
Marketing 3.0 spielt eine immer wichtigere Rolle

Das Internet gibt Konsumenten die Möglichkeit, Produkte, Marken und Dienstleistungen in Hinblick auf Preis und Inhalt zu vergleichen und zu bewerten. Dadurch hat sich das Verhalten der Verbraucher stark verändert, und es wird sich auch in Zukunft weiter in Richtung „Individualisierung“ und „Socializing“ entwickeln.
Man kauft, um sich einen Wunsch zu verwirklichen, und teilt dies mit seinen Freunden und Bekannten. Dieses Streben nach Lebensqualität und Werten ist für die Kaufentscheidung des Konsumenten dabei wichtiger als das Produkt selbst.
Trend zur Nachhaltigkeit und Selbstbeschränkung
Parallel dazu gibt es Trends, die vor allem unserer Umwelt und Ressourcenverfügbarkeit Rechnung tragen. Was einst der „Club of Rome“ mit der Analyse „Die Grenzen des Wachstums“ proklamierte, wird heute in abgemilderter Form als Trend zur Nachhaltigkeit und Selbstbeschränkung dargestellt.
Der Leiter des Schweizer Think Tanks „GDi Institute“, David Bosshardt, entwirft in seinem Buch „The Age of Less“ ein faszinierendes Bild einer neuen Wohlstandsformel für die westliche Welt.
Besitzen wird immer mehr von Benutzen abgelöst
Ein wichtiges Element der Entwicklung ist die Feststellung, dass im Lauf der letzten Dekaden ein Wandel von Werten stattgefunden hat: „Besitzen wird immer mehr von Benutzen abgelöst: Immer mehr muss man die Beziehungsmuster verstehen. Es geht nicht mehr um Kundenbindung, sondern vielmehr um Kundenverbindung.“
Der Publizist Kevin Kelly meint: „Everything that can be shared will be shared“. Die Anfänge dieser Entwicklung zeigen sich unter anderem in der gemeinsamen Nutzung von Fahrzeugen, Wohnungen und Freizeitgütern (Zelte, RVs etc.), doch auch in der virtuellen „Cloud“ teilen wir bereits Speicherplatz und Rechenzeit statt einen neuen PC anzuschaffen. Für die Händler bedeutet dieses vermehrte „Sharing“ allerdings, dass weniger gekauft wird: Daher ist es wichtig, neue Trends, die von den Konsumenten ausgesendet werden, gut zu verstehen (David Bosshardt).
Die zunehmende Globalisierung bewirkt Veränderungen
Neben der Konsumlandschaft werden die Auswirkungen dieser Trends auch die Distribution elektronischer Bauteile und deren Kunden erreichen. Als Megatrend schlechthin hat die Globalisierung (Naisbitt, 1982) alle Marktteilnehmer zu gewaltigen Veränderungen gezwungen. Sie ist auch heute noch Treiber für neue Geschäftsmodelle und gesellschaftlichen Wandel.
Brüsseler Gesetze beeinflussen den europäischen Markt
Eine große Rolle spielen hier das Streben nach Nachhaltigkeit, dem schonungsvollem Umgang mit den noch verfügbaren Ressourcen, sowie die zunehmende Selbstbeschränkung. Besonders der europäische Markt wird durch die Brüsseler Gesetze und Verordnungen zur Energieeffizienz (ErP), Recycling (WEEE) oder REACH und RoHS damit zu kämpfen haben.
Die Zwänge sind sehr hoch, und die Interessen der führenden Wirtschafts- und Industrieorganisationen befürworten den Wandel. Gleichzeitig nimmt die Relevanz des europäischen Elektronikmarktes ab: Sein Verbrauch hat sich in Relation zur restlichen Welt über die letzten zehn Jahre von ca. 22 Prozent auf 13 Prozent reduziert.
Unverändert blieb dabei allerdings die Stärke der europäischen Designs in den Sparten Automobilelektronik, Industrieautomation und Medizintechnik – um nur einige Beispiele zu nennen. Langfristig wird sich allerdings auch hier zeigen, dass die Distribution und ihre Dienstleistungen der Produktion folgen werden, und diese wandert in die Nähe ihrer Märkte.
Daher ist es nicht verwunderlich, dass Europa auch weiterhin am führenden Ende der Technologie und Innovation agieren muss, wenn es seinen Lebensstandard aufrecht erhalten möchte.
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