Farbraum CIE 2015 10°

Weiße LEDs mit besserer Farbwiedergabe und Farbkonsistenz

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Die spektrale Zusammensetzung von Licht

Doch warum kommen diese Verzerrungen gerade bei weißen LED so stark zum Tragen? Das liegt an der spektralen Zusammensetzung des Lichts – ein Problem, das auch das Lichtplanungsunternehmen Bartenbach erkannte: „Forschungsarbeiten bei Bartenbach zeigten, dass in manchen Fällen die klassische photometrische Bewertung des Lichtspektrums mit dem visuellen Erscheinungsbild nicht übereinstimmt. Diese Differenz wurde auch in Lichtplanungsprojekten mit hohen Ansprüchen an die spektrale Lichtqualität sichtbar.“ Eigentlich sollte gemäß dem als Metamerie bekannten Effekt spektral unterschiedlich zusammengesetztes weißes Licht mit identischem Farbort als gleich wahrgenommen werden.

Um diese Thematik richtig zu verstehen, muss man zunächst einen Schritt zurückgehen und sich nochmals bewusst machen, dass das Licht weißer LED durch Konversion aus einem blauen Chip erzeugt wird. Die Wellenlänge dieses blauen Chips kann schwanken, wird aber durch eine Anpassung der Konvertermischung kompensiert, um exakt denselben Farbort von verschiedenen LED sicherzustellen. Dennoch unterscheidet sich die spektrale Zusammensetzung von LED im blauen Bereich – und gerade hier ist die unterschiedliche Farbwahrnehmung im 2°-Beobachtungsfeld im Vergleich zum 10°-Beobachtungsfeld besonders groß.

Spektralen Unterschiede führen zu Farbunterschieden

Wird eine LED im Rahmen eines sehr engen 1SDCM-Binnings im 2°-Beobachter auf exakt den gleichen Farbort optimiert und werden gleichzeitig messtechnisch keine Unterschiede ermittelt, können in einer typischen Allgemeinbeleuchtungsapplikation, die eher einem 10°-Beobachtungsfeld entspricht, genau diese spektralen Unterschiede zu wahrnehmbaren Farbunterschieden führen.

Osram Opto Semiconductors setzt deshalb auf ein Weißbinning mit einem Sehwinkel von 10°, das der menschlichen Farbwahrnehmung deutlich besser entspricht. Beim „TEN°-Binning“ werden große Farbunterschiede durch unterschiedliche spektrale Formen vermieden. Dazu wurden neueste wissenschaftliche Erkenntnisse hinsichtlich der Sehzapfen mit grundlegendem Wissen zur Farbtafel mit physikalischen, bedeutsamen Achsen kombiniert und in die LED für die Allgemeinbeleuchtung eingesetzt.

In einem ersten Serienprodukt erhältlich ist „TEN°“ in der dritten Generation der Soleriq S 13, die seit März 2016 auf dem Markt ist. Mit dem neuen Feature stellt die LED eine bisher unerreichte Farbkonsistenz sicher. Daneben sind die Soleriq-LED weiterhin mit den gängigen Industriestandards konform und mit den bisherigen Weißgruppierungen kompatibel. Gleichzeitig ersetzt „TEN°“ keineswegs existierende Standards, sondern ergänzt sie. Kunden können weiterhin ihre spezifischen Produkte und Anwendungen umsetzen mit den LEDs umsetzen.

Jetzt ist der Markt gefragt

Ob die Soleriq S 13 die einzige Serien-LED mit der neuen Eigenschaft bleibt, hängt von der Marktakzeptanz der internationalen Beleuchtungsindustrie ab. Osram Opto Semiconductors sah mit dem neuen Weißbinning eine Chance, den hohen Qualitätsanforderungen der Allgemeinbeleuchtung bei gleichzeitigem Kostendruck mit einer sowohl zuverlässigen als auch intelligenten Weise zu begegnen. Erste Kunden stehen hinter der Entscheidung. Jetzt muss der Markt zeigen, ob noch mehr Kunden diesen Schritt honorieren.

* Alexander Wilm ist Applikationsingenieur und Experte für LED-Lichtlösungen bei Osram Opto Semiconductors in Regensburg.

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