Interview Was tun, wenn plötzlich ein Lieferant wegen Insolvenz ausfällt?
Bruno Hörter kompensierte den Ausfall seines Lieferanten durch die Gründung eines eigenen Mechanik-Betriebes. ELEKTRONIKPRAXIS mit dem Geschäftsmann aus dem baden-württembergischen Birkenfeld.
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Sie entwickeln auf Projektbasis maßgeschneiderte Prüfsysteme für Kunden im Automotive-, Audiotechnik-, Medizin-Umfeld und anderen Industriebereichen. Alle Projekte haben neben der Elektronik-Hard- und -Software einen mehr oder weniger großen Anteil an Mechanik. Viele Jahre haben Sie im Bereich der Mechanik mit einem externen Anbieter kooperiert. Welche Leistungen hat dieses Unternehmen für Sie erbracht?
Wir waren sehr zufrieden, denn unser Lieferant bot uns einen umfangreichen Komplettservice. Die Leistungen begannen mit der Konstruktion von Prüfadaptern, Sondermaschinen, Reparaturadaptern, Fertigungseinrichtungen, Montagevorrichtungen und Werkzeuge. Unser Partner übernahm auch die Fertigung aller Geräte, die von ihm konstruiert wurden. Selbstverständlich sorgte er auch für die Montage der Anlagen, die mechanische Inbetriebnahme und den Dauerlauf der Vorrichtungen bei uns im Hause. Darüber hinaus kümmerte er sich um die Inbetriebnahme und den mechanischen Service unserer Anlagen vor Ort beim Kunden. Wenn etwas umzubauen war, konnten wir dies genauso an unseren Lieferanten delegieren.
Welche Gründe veranlassten Sie, die Mechanik nach außen zu vergeben?
Ich wollte, dass sich MCD auf seine Kernkompetenzen, das ist nun mal die Elektronik, konzentrieren konnte. Als wir merkten, dass der mechanische Anteil immer größer wurde, suchten wir jemand, der sich in der Materie auskennt und der leistungsfähig genug ist, dass wir uns darum nicht mehr kümmern müssen. Bei MCD besteht der Grundsatz, dass jeder das machen soll was er auch wirklich kann, und deshalb wollten wir einen Partner. Das war für uns ein Stück Zukunftsvorsorge. Wir wollten unabhängig von der Mechanik wachsen können. Dem Zulieferbetrieb als Partner wollten wir die Verantwortung für sein eigenes Wachstum übertragen.
Wie lange dauerte die Zusammenarbeit mit dem externen Unternehmen und welchen Umfang hatten die Geschäfte am Schluss?
Über 10 Jahre arbeiteten wir zusammen mit stetigem Wachstum. Der externe Lieferant war von MCD als Partner anerkannt, auch unsere Kunden kannten die Verbindung. Dadurch hatten sich auch Nebengeschäfte für den Zulieferer während unserer Zusammenarbeit ergeben. Am Ende hatten unsere Aufträge ein Volumen von ca. 750.000 Euro / Jahr erreicht.
Ihr Zulieferant meldete im Jahre 2009 Insolvenz an. Hatte sich diese Entwicklung für Sie angekündigt oder kam das für Sie überraschend?
Für mich kam das völlig überraschend und ohne Vorwarnung. Wahrscheinlich war auch einfach das Vertrauensverhältnis so gut, dass ich gar nicht darüber nachgedacht habe und einige Vorboten nicht gleich erkannt habe. Allerdings traf in diesem Jahr die Krise sehr viele Firmen, auch wir bei MCD hatten einen ziemlichen Einbruch zu verzeichnen. Vielleicht hatte man sich aufgrund dieser Vorkommnisse auch zu sehr mit sich selbst beschäftigt und nahm sich nicht die Zeit, sich auch noch um andere zu kümmern.
Gab es Rettungsversuche durch den Insolvenzverwalter und haben Sie sich aktiv an diesen Rettungsversuchen beteiligt?
Ich habe Lagerware aufgekauft und Vorrichtungen, die speziell für MCD nutzbar waren, herausgekauft und dadurch eine ganze Menge Geld in das Zulieferunternehmen gebracht. Leider war das nicht ausreichend. Wahrscheinlich war es auch einfach schon zu spät. Vom Insolvenzverwalter war ich ziemlich enttäuscht, er hat sich weder an Rettungsversuchen beteiligt noch hat er überhaupt etwas vorgeschlagen. Die Rettungsversuche gingen nur vom Inhaber aus, auch als der Insolvenzverwalter schon eingesetzt war. Ich habe dann noch die gesamten Rechner, Drucker und die Software für die CAD Konstruktion herausgekauft.
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