Entwurf der US-Regierung Was Trumps „One Big Beautiful Bill“ für den Greentech-Weltmarkt bedeutet

Von Susanne Braun 3 min Lesedauer

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Die US-Regierung hat einen mehr als 1.000 Seiten starken Gesetzesentwurf vorgelegt: den „One Big Beautiful Bill Act“ (H.R. 1). Er sieht die schrittweise Streichung von Förderprogrammen für Solar, Wind und Batteriespeicher vor – mit möglichen Folgen für die globale Greentech-Branche.

Setzen die US-Republikaner ihren Vorschlag der One Big Beautiful Bill um, dann könnte sich das noch stärker auf den Greentech-Markt auswirken.(Bild:  Dall-E / KI-generiert)
Setzen die US-Republikaner ihren Vorschlag der One Big Beautiful Bill um, dann könnte sich das noch stärker auf den Greentech-Markt auswirken.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)

Der „One Big Beautiful Bill Act“ ist ein umfassender Gesetzesvorschlag der Republikaner, der im Juni 2025 im US-Repräsentantenhaus eingereicht wurde. Der Entwurf umfasst eine Vielzahl politischer Vorhaben, von höheren Schuldenobergrenzen bis zu strengeren Zugangskriterien für Sozialprogramme. Ein Schwerpunkt liegt auf innerer Sicherheit: mehr Mittel für Grenzschutz, neue Mauerabschnitte, zusätzliche Stellen bei ICE.

Der Entwurf verlängert Förderungen für Kern-, Wasser- und Geothermiekraft, während Subventionen für Solar, Wind und Speicher bis 2028 auslaufen sollen. Genau hier wird der Entwurf für den globalen Greentech-Markt relevant. Noch ist H.R. 1 ein Vorschlag mit politischer Signalwirkung, kein geltendes Gesetz. Doch die Diskussion beeinflusst schon jetzt Investitionen in Solar, Wind und Speicher.

Abkehr von erneuerbaren Energien

Analysten sehen darin einen Rückschritt. Zwar beziffert die konservative Tax Foundation die Einsparungen auf rund 50 Milliarden Dollar jährlich; durch den Abbau von Steuervergünstigungen für Elektromobilität und Effizienzmaßnahmen. Doch langfristig drohen Mehrkosten, warnt etwa Energiemodellierer Jesse Jenkins. US-Haushalte könnten bis 2035 im Schnitt 415 Dollar mehr pro Jahr für Energie zahlen. Denn neue Installationen bei Wind, Solar und Speichern dürften zurückgehen, was wiederum Folgen für Klimaziele und Wettbewerbsfähigkeit mit sich bringt. Auch die geplante Ausgrenzung chinesischer Komponenten wird als schwer umsetzbar und investitionsfeindlich kritisiert.

Hinzu kommt, dass der Gesetzentwurf steuerliche Belastungen für E-Auto-Besitzer erhöht und gleichzeitig Förderungen für energieeffiziente Gebäudetechnik streicht. Insgesamt führen diese politischen Entscheidungen laut Modellrechnungen zu einem spürbar höheren Energieverbrauch aus fossilen Quellen. Die damit verbundenen CO₂-Emissionen könnten bis 2035 um bis zu einer Milliarde Tonnen jährlich steigen, analysiert Professor Daniel Cohan der Rice University in seinem Beitrag bei Fast Company.

Während konservative Kräfte im Repräsentantenhaus auf massive Kürzungen pochen, formiert sich im Senat Widerstand – auch aus den eigenen Reihen. Mehrere moderate Republikaner erkennen an, dass ein vollständiger Rückbau der Steuervergünstigungen für Wind, Solar und Batterien Millionen Jobs kosten könnte. Analysten kritisieren zudem, dass viele der im Gesetz enthaltenen Anforderungen – etwa Lieferkettennachweise oder enge Zeitrahmen – technisch nicht erfüllbar sind und damit ganze Branchen de facto von Förderung ausschließen. Vor allem der drohende Rückgang bei Batteriespeichern birgt langfristige Gefahren, und zwar nicht nur für die Energiewende, sondern auch für die Versorgungssicherheit im US-Stromnetz, schreibt Christa Marshall von E&ENews by Politico.

Chancen primär für China

Für China eröffnet sich ein strategisches Zeitfenster, erkennen viele Branchen-Insider. Viele Hersteller verlagern Fertigungskapazitäten und Exportfokus zunehmend nach Europa, und das nicht zuletzt als Reaktion auf Trumps Zollpolitik. Unternehmen wie CATL und BYD bauen ihre Präsenz auf dem europäischen Markt aus. China dominiert bereits bei Solarmodulen und drängt nun auch im Batteriesektor verstärkt nach Europa.

Für Europa ist das ambivalent: Einerseits schafft der US-Rückzug Raum für europäische Produzenten und Projektentwickler. Andererseits droht wachsende Abhängigkeit. Die Solarbranche leidet schon heute unter chinesischen Dumpingpreisen. Ohne industriepolitische Gegenmaßnahmen, etwa zum Schutz kritischer Lieferketten oder zur Förderung eigener Kapazitäten, droht Europa zum reinen Absatzmarkt zu werden.

Trumps Energiepolitik mag auf den ersten Blick ein US-amerikanisches Projekt sein. Doch sie verändert das geopolitische Gleichgewicht im grünen Technologiesektor und stellt Europa vor eine strategische Entscheidung: zuschauen oder handeln. (sb)

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