Milliardenverluste Kein Sonnenschein: Chinas Solarmarkt scheitert weiter an der eigenen Strategie

Von Susanne Braun 2 min Lesedauer

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Chinas Solarindustrie dominiert den Weltmarkt – und schreibt dennoch Milliardenverluste. Die aggressive Niedrigpreisstrategie, mit der über Jahre westliche Wettbewerber verdrängt wurden, bringt nun die eigenen Hersteller in Bedrängnis.

Chinas Solarindustrie erlebt aktuell die Spätfolgen eines jahrelangen Marktdominanzstrebens über Preis und Skalierung.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Chinas Solarindustrie erlebt aktuell die Spätfolgen eines jahrelangen Marktdominanzstrebens über Preis und Skalierung.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Trotz einer hohen Zahl an Neuinstallationen bleibt die Lage in der Photovoltaikindustrie angespannt. Die fünf führenden chinesischen Unternehmen der Branche, JinkoSolar, Longi Green Energy, JA Solar, Trina Solar und Tongwei, haben im ersten Quartal 2025 gemeinsam über acht Milliarden Yuan Verlust gemacht, wie von NenPower berichtet wird. Das sind etwas mehr als eine Milliarde Euro. Bereits im dritten Quartal 2024 hatten mehrere dieser Firmen deutliche Verluste gemeldet oder ihre Gewinne stark eingebüßt. 

Die Zahl der weltweit installierten Solarmodule wächst weiterhin deutlich. Die International Energy Agency (IEA) berichtete Ende 2023, dass die kumulierte weltweit installierte Kapazität geschätzt etwa 1.640,0 GW erreicht habe. Auch berichten die größten Hersteller, dass sie allein im ersten Quartal des Jahres 2025 65 GW an Modulen ausgeliefert haben (via PV Tech). Dennoch ist der Solarmarkt seit Jahren bereits schwierig. Massive Überkapazitäten und ein brutaler Preiswettbewerb der chinesischen Hersteller haben ihren Anteil an der Krise getragen.

Kampf um Marktanteile statt Gewinn

JinkoSolar verzeichnete bei einem Umsatzrückgang von 40 Prozent einen Verlust von rund 1,39 Milliarden Yuan. Als Gründe werden niedrige Preise entlang der gesamten Wertschöpfungskette und internationale Handelsbarrieren genannt. Longi hingegen meldete 1,44 Milliarden Yuan Verlust, trotz gestiegener Preise im März – diese lagen aber weiterhin unter den Produktionskosten. JA Solar erlitt den größten Verlust unter den Modulherstellern mit 1,64 Milliarden Yuan, wenn auch deutlich weniger als im Vorquartal. Und so sieht es bei den meisten anderen chinesischen Solarherstellern ebenfalls aus.

Die massiv gesunkenen Modulpreise belasten die gesamten Margen. Im Schnitt sind die Preise von 1 Yuan/Wp auf 0,70 Yuan/Wp zurückgegangen. Wp steht für Watt-Peak und bezeichnet die Nennleistung eines Solarmoduls unter standardisierten Testbedingungen.

Der massive Preisverfall entlang der gesamten Wertschöpfungskette, ausgelöst durch Überkapazitäten, aggressiven Wettbewerb und schwankende internationale Nachfrage, bringt seit Jahren die chinesischen Anbieter in die Bredouille, die mit ihrer volatilen Niedrigpreisstrategie und stark geförderten Überproduktion über Jahre hinweg viele westliche Wettbewerber aus dem Markt gedrängt haben. Heute fehlen diesen Firmen wirtschaftlich tragfähige Preise – das Rennen um Marktanteile hat sich in ein strukturelles Verlustgeschäft verwandelt.

US-Zollpolitik bremst aus

Zusätzlich erschweren neue US-Strafzölle auf Solarprodukte aus Südostasien den Export chinesischer Hersteller in die USA erheblich. Auch wenn in Regionen wie dem Nahen Osten, Afrika und Asien-Pazifik zweistelliges Marktwachstum erwartet wird, bleibt die globale Erholung der Branche unsicher. Entsprechend schreitet auch die Marktkonsolidierung weiter voran: kleinere Anbieter geben auf oder werden übernommen. Zwar rufen Branchenverbände inzwischen zu „rationaler Preisbildung“ und mehr Disziplin auf, doch Analysten bleiben skeptisch, dass es tatsächlich dazu kommt. Marktführer wie Jinko und Longi hoffen gar auf staatliche Eingriffe, etwa durch Produktionsbegrenzungen.

Fazit: Chinas Solarindustrie erlebt aktuell die Spätfolgen eines jahrelangen Marktdominanzstrebens über Preis und Skalierung. Was ursprünglich westliche Konkurrenz aus dem Markt drängte, droht nun zur existenziellen Krise für das eigene Modell zu werden. Die Energiewende hängt zunehmend von einer Branche ab, die sich selbst untergräbt. (sb)

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