Seit August wird darüber spekuliert, dass Intel sich von Teilen seines Geschäfts trennen könnte. Sogar von einer kompletten Übernahme durch Marktrivalen ist inzwischen die Rede – oder gar politisch motivierten Mergern. Aber wie wahrscheinlich sind solche Gerüchte? Eine Einschätzung.
Tauziehen: Glaubt man der Gerüchteküche, reißen sich seit Monaten Investoren und Konkurrenten um Intel. Doch wie ernst sind diese Berichte zu nehmen?
(Bild: KI-generiert / Microsoft Copilot)
16,6 Mrd. US-Dollar Verlust! Diese Summe musste Intel am 1. November in seinem Bericht zum dritten Quartal 2024 melden. Es ist der größte Verlust in der Firmengeschichte und reiht sich ein in die Negativschlagzeilen, die der angeschlagene Chipriese in diesem Jahr produzierte. Im August diesen Jahres wurde bekannt, dass Intel bis Jahresende bis zu 15.000 Stellen abbauen möchte – und Agenturen meldeten die ersten Gerüchte, dass Intel überlege, sich zumindest von Teilen seiner Geschäftsbereiche zu trennen. Allesamt natürlich unter Berufung auf „interne Quellen“, die aber „namentlich nicht genannt werden möchten“.
Demnach stehen seitdem die Interessenten geradezu Schlange. Kapitalgesellschaften denken über Milliardenschwere Investitionspakete nach. Marktrivalen haben Interesse an bedeutenden Geschäftszweigen des einst weltweit führenden Halbleiterunternehmens signalisiert. Den vorläufigen Höhepunkt markierte eine Meldung der US-amerikanischen Nachrichtenwebseite Semafor: Demnach hätte man in Regierungskreisen debattiert, ob nicht ein politisch geförderter Merger Intels mit einem Marktrivalen wie AMD oder Marvell wünschenswert wäre!
Dass Intel nach Wegen sucht, um die angeschlagenen Finanzen wieder auszugleichen, steht außer Frage. Aber was ist an den zahlreichen Gerüchten wirklich dran? Wir haben an dieser Stelle einmal die Geschichten, die hierzu in den drei Monaten zwischen Anfang August und Anfang November (Stand 6.11.) durch die Medienlandschaft kursiert sind, zusammengefasst und eingeordnet.
Strebt Qualcomm nach einer Komplettakquise?
Eines der ersten Unternehmen, das Interesse signalisierte, ist zugleich eines der größten Schwergewichte im Markt: Qualcomm, einer der führenden Chipanbieter ohne eigene Produktionsstätten, äußerte bereits Anfang September 2024 Interesse an einer möglichen Übernahme des Halbleiter-Designgeschäfts von Intel. Nicht einmal 14 Tage später ließ das renommierte Wall Street Journal am 21. September eine Bombe platzen: Qualcomm habe demnach Intel bereits eine Anfrage für eine komplette Übernahme des Chipherstellers zukommen lassen – einschließlich der gesamten Produktsparte und des Foundry-Geschäfts!
Ist das wahrscheinlich? Möglich, aber die Aussichten auf Erfolg sind eher gering. Für Qualcomm ist das Angebot sicherlich sehr attraktiv, könnte sich doch der bisherige Fabless-Anbieter mit einem Handstreich fünf bestehende Halbleiter-Fabs mit fortschrittlichen Fertigungstechnologien einverleiben: Drei in den USA, eines im irischen Leixlip, und eine weitere In Israel. Hinzu kämen potentiell noch zwei weitere Standorte, einer in US-Bundesstaat Ohio und ein weiterer in Magdeburg - wobei diese Pläne bei einer Übernahme wahrscheinlich auf Eis gelegt werden dürften, um die Kosten geringer zu halten.
Mehr noch: Qualcomm strebt bereits seit längerer Zeit danach, endlich auf dem Notebook- und dem Servermarkt Fuß zu fassen. Die jüngsten Vorstöße mit ARM-basierten Prozessoren waren vielversprechend, konnten bislang aber keine nennenswerte Marktanteile gewinnen. Mit dem Intel-Portfolio, insbesondere der Prozessorsparte, würde man sich hier eine bereits fest etablierte Markthoheit einkaufen.
Darüber hinaus kann Qualcomm aus einer starken Position heraus verhandeln: Jüngsten Börsenmeldungen zufolge ist der Marktwert von Qualcomm (196,06 Milliarden US-$) mehr als doppelt so hoch als der von Intel (96,98 Mrd. US-$; Stand 5. November 2024).
Es ist allerdings fraglich, ob die weltweiten Kartellwächter bei einer solchen Übernahme mitspielen würden. Qualcomm hat bereits schlechte Erfahrungen mit den Kartellbehörden: 2018 war der 40 Mrd. US-$ schwere Versuch, den niederländischen Chiphersteller NXP zu übernehmen, am Widerstand der Marktaufseher gescheitert. Im selben Jahr hatte sich das Unternehmen mehrere Strafen der Kartellbehörden der EU, Taiwans und Südkoreas eingefangen. Am 16. Oktober 2024 meldete nun Bloomberg, dass Qualcomm bei der chinesischen Marktaussicht informell angefragt habe, wie diese zu einer Übernahme steht. Die chinesischen Behörden wollen aber mit einer Einschätzung warten, bis Qualcomm auch tatsächlich ein Angebot vorlegt.
Laut Bloomberg habe sich Qualcomm daraufhin entschieden, bis zur Amtseinführung des nächsten US-Präsidenten im Januar 2025 zu warten. Erst dann wolle man sich endgültig für oder gegen ein Angebot entscheiden. Die politische Zusammensetzung der nächsten US-Regierung könnte sicherlich etwas an den Aussichten ändern. Doch tendenziell ist eine Akquise Intels durch Qualcomm eher unwahrscheinlich – nicht, ohne dass Intel und Qualcomm gezwungen wären, signifikante Teile ihres Geschäfts an andere zu verkaufen oder auszugründen. Das könnte sich zu einem Pyrrhussieg für Qualcomm gestalten.
Stand: 08.12.2025
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Erwirbt Softbank-Tochter ARM das Prozessorengeschäft?
Der nächste Interessent, der zumindest Teilgeschäfte von Intel erwerben wollte, war ARM. Am 27.9. meldete Bloomberg, dass der Prozessor-IP-Anbieter ein Angebot für die Übernahme der Produktsparte vorgelegt habe, eine der beiden Hauptgeschäftszweige von Intel. Pikanterweise hatte sich Intel erst im Sommer diesen Jahres von seinen eigenen Anteilen an ARM getrennt. Das Angebot war möglicherweise vom japanischen Softbank-Konzern vorangetrieben worden, der Hauptanteilseigner an ARM ist. Ähnlich wie Qualcomm ist auch Softbank daran interessiert, den Schöpfer der gleichnamigen Prozessorarchitektur aus dem noch immer stark vom Smartphone- und Tabletmarkt getriebenen Geschäft verstärkt in andere Geschäftsbereiche wie Server oder dem Desktop-Markt zu heben.
Ist das wahrscheinlich? Höchst unwahrscheinlich. Der Name Intel ist eng mit seinen Produkten, vor allem den x86- und Server-CPUs, verknüpft. Ein Verkauf dieses Geschäftszweigs würde die langfristigen Pläne zur Sanierung des Unternehmens gefährden. Die wichtigsten Produkte abzugeben, die viele Menschen mit Intel verbinden, wäre wie der Verkauf der Identität des Unternehmens. Entsprechend folgte Bloomberg bereits kurze Zeit später mit der Meldung, dass Intel dieses Angebot bereits rundheraus abgelehnt habe. Ein neuerlicher Vorstoß seitens ARMs bzw. Softbank ist sehr unwahrscheinlich.
Steigt eine Kapitalgesellschaft bei Intel ein?
Ein Großteil der Verluste, die Intel melden musste, hängt mit dem Ausbleiben erhoffter Fördergelder zusammen. Mehr als 8 Mrd. US-$ hatte man sich aus dem Fördertopf des US CHIPS Act für den Ausbau der Fabs in Arizona erhofft, und auch für den veranschlagten Bau der Foundry-Anlage in Magdeburg standen 10 Mrd. Euro in Aussicht. Doch da Intel mit seinen Ausbau-Plänen nicht vorankommt, wurden diese Gelder bislang zurückgehalten; wären sie geflossen, hätte dies den Verlust ausgleichen können.
Doch Intel erhofft sich viel von dem Ausbau seiner modernen Anlagen – gerade im Feld der Auftragsfertigung für Dritte sieht man große Chance. Da liegt es nahe, dass Intel hier eher nach Partnern sucht, die diese Pläne unterstützen, ohne dass Geschäftsteile aufgegeben werden müssten.
Einer dieser potentiellen Partner ist die Kapitalgesellschaft Apollo Global Management. Der Vermögensverwalter hat bereits im Juni diesen Jahres 49 % der Anteile an Intels Fab 24 im irischen Leixlip erworben. 11 Mrd. US-$ waren bei dieser Übereinkunft bereits geflossen. Ende September meldeten verschiedene Nachrichtenagenturen, dass Apollo und Intel erneut am Verhandlungstisch säßen. Demnach gäbe es die Überlegung, dass Apollo weitere 5 Mrd. US-$ in Intels Unternehmungen investieren könnte.
Ist das wahrscheinlich? Durchaus wahrscheinlich, wenn auch mit Risiken verbunden. Mit einer Finanzspritze durch eine Kapitalgesellschaft erkauft sich Intel in erster Linie Zeit. Das Geld kann genutzt werden, um damit den Ausbau der geplanten Anlagen voranzutreiben, auch wenn Fördermittel ausbleiben.
Der Einstieg einer Kapitalgesellschaft ist allerdings immer ein zweischneidiges Schwert. Diese sind vorrangig daran interessiert, dass sich ihre Investitionen auch auszahlen. Intel steht damit unter zusätzlichem Druck, möglichst schnell wieder in die Gewinnzone zurückzukehren. Gelingt das nicht, könnte Apollo das Unternehmen zwingen, trotzdem Geschäftsbereiche und Tochterunternehmen zu verkaufen. Der lange, schmerzhafte Investorenstreit bei Toshiba mag hierfür als Beispiel dienen.
Andererseits könnte ein solcher Druck durch Investoren sich auch als Segen erweisen und dazu führen, dass Intel seine Strategie bei eigenen Firmenakquisen gründlich überdenkt. Der milliardenschwere Einkauf von Unternehmen wie Altera, Movidius oder Habana Labs hatte schließlich in keinem der genannten Fälle ernsthaft langfristige Erfolge vorzuweisen.
Steht eine Allianz mit Samsung an?
Mitte Oktober meldete das asiatische Fachjournal Digitimes, dass Pat Gelsinger Gespräche mit Samsung aufgenommen haben soll. Smartphone- und Tablet-Blogs äußerten daraufhin die Vermutung, dass der südkoreanische Elektronikkonzern ebenfalls am Portfolio des amerikanischen Halbleitervorreiters interessiert sein könnte.
Analysten aus der Halbleiterbranche gehen dagegen davon aus, dass es bei diesem Gespräch in erster Linie um das Foundry-Geschäft geht. Samsung Foundry gilt nach TSMC als weltweit zweitgrößter Auftragshersteller von Halbleiterprodukten – ein Bereich, in dem Intel seit einigen Jahren ebenfalls Fuß fassen möchte. Doch Intel hat immer noch Schwierigkeiten, für dieses Geschäft Großkunden an Land zu ziehen. Das Geschäftsfeld blieb bisher deutlich hinter den Erwartungen der Investoren zurück.
Ist das wahrscheinlich? Es wäre abwegig anzunehmen, dass Samsung ernsthaft für sein Smartphone-Geschäft an Intels Produktportfolio interessiert sein könnte. Samsungs Prozesse in diese Bereich sind fest etabliert, das Unternehmen verfügt bereits über eine weitreichende vertikale Integration, und auch die hauseigenen Strukturprozesse im Foundry-Geschäft gehören zu den technologisch fortschrittlichsten im Markt.
Wesentlich wahrscheinlicher ist dagegen, dass Intel eine Allianz mit Samsung bei der Auftragsfertigung anstreben könnte. Denn auch Samsung hat mit Schwierigkeiten im Foundry-Geschäft zu kämpfen. Auch hier haben sich die Investitionen in den Fab-Ausbau aus den letzten Jahren noch nicht ausgezahlt, einzelne Produktionslinien seien Medienberichten zufolge zu weniger als 50 Prozent ausgelastet. Hier würde eine Partnerschaft sehr viel Sinn ergeben, um sich im gegenseitigen Interesse unter die Arme zu greifen, effizienter zu arbeiten und den Rückstand zu TSMC aufzuholen. Auch die Möglichkeit, dass Intel und Samsung für den Foundry-Bereich ein Joint Venture bilden könnten, scheint nicht vollkommen aus der Luft gegriffen
Greift Apple nach Foundries und Produkten aus dem Hause Intel?
Nahezu im selben Atemzug wie Samsung brachten Smartphone- und Tablet-Blogs auch Apple als möglichen Kandidaten ins Spiel. Denn das Tech-Unternehmen ist zunehmend am Thema vertikale Integration interessiert. Seit Ende 2020 verbaut das Unternehmen in-house entwickelte SoCs in seinen iPhones, iPads und Macbook-Rechnern auf Basis der ARM-Prozessor-IP. Diese Chips werden derzeit von TSMC gefertigt. Auch Wireless-Chips sollen künftig selbst produziert werden. Hier könnte das vorhandene Portfolio von Intel interessant sein.
Ist das wahrscheinlich? Diese Gerüchte gehen von der Fehlannahme aus, dass auch Samsung an Intels Produktportfolio interessiert sein könnte. Eine Übernahme von Intel passt allerdings nicht in Apples Strategie der letzten Jahre. Die Einführung der durchaus effizienten M-Prozessorenfamilie war eine bewusste Abkehr von x86-basierten Prozessoren und eine Fokussierung auf ARM; eine Rückkehr zu CISC-basierten SoCs in Macbooks und iMacs würde einen Großteil dieser Bemühungen umkehren. Apple hat darüberhinaus langfristige Vereinbarungen mit TSMC zur Produktion der eigenen Chips geschlossen und erst Ende vergangenen Jahres eine Packaging-Anlage mit Amkor in Arizona in Angriff genommen.
Kann ein Altera-Verkauf Intels Haushalt sanieren?
Bereits mit der Ausgründung der Intel Programmable Solutions Group und der Wiedergeburt des FPGA-Unternehmens Altera äußerten Marktbeobachter die ersten Vermutungen, dass sich Intel zumindest in Anteilen von dem 2015 eingekauften Tochterunternehmen trennen möchte. Diese erhielten mit der Veröffentlichung der schlechten Quartalszahlen im August zusätzlichen Aufwind. Dennoch blieb es um den FPGA-Spezialisten lange Zeit erstaunlich still.
Seit Anfang November nimmt die Geschichte allerdings deutlich Fahrt auf. Die Nachrichtenagentur Reuters meldete am 4. November, dass sich bereits eine reihe potentieller Freier gefunden hätte, die bei Altera wenigstens mit einer Minderheitenbeteiligung einsteigen möchten. Drei konkrete Namen wurden bereits genannt: Bain Capital, die auch den Einstieg der einer multinationalen Investorengruppe bei der Toshiba-Ausgründung Kioxia angeführt haben; Silver Lake, die unter anderem auch signifikante Anteile an der deutschen Software AG halten; und Francisco Partners, einer auf Technologieunternehmen fokussierten Private Equity Group. Auch andere Unternehmen und Gruppierungen bereiteten Reuters zufolge bereits konkrete Angebote vor.
Ist das wahrscheinlich? Dass Intel sich zumindest in Teilen von Altera trennen wird, gilt mittlerweile schon fast als gesichert. Die versuchte Integration des FPGA-Herstellers ins Unternehmen war in den letzten Jahren zu erfolglos verlaufen – anders, als es beim Konkurrrenten AMD/Xilinx der Fall war. Die Ausgründung unter dem Namen Altera war nicht zuletzt auch deswegen erfolgt, um bei FPGA-Kunden wieder neues Vertrauen ins Portfolio des Spezialisten für Programmierbare Logik herzustellen. Der Teilverkauf einer bereits ausgegründeten Tochtergesellschaft dürfte garantiert wichtige Milliarden in die Haushaltskasse spülen.
Fraglich ist hingegen, ob die ambitionierten Ziele auch erreicht werden. Reuters zufolge möchte Intel mit einem Teilverkauf an Investoren den alten Kaufpreis von 2015 wieder einspielen, ohne dabei den eigenen Mehrheitsanteil an Altera zu verlieren. Sicher wäre das attraktiv: Der Kauf von Altera hatte Intel 2015 16,7 Mrd. US-$ gekostet. Das entspricht fast exakt der Summe, die im dritten Quartal 2024 als Verlust gemeldet wurde. Auf dem Papier wäre das sicherlich eine elegante Lösung. FPGAs sind zudem gefragt wie nie zuvor, vor allem was aktuelle Entwicklungen in künstlicher Intelligenz oder effizienteren Embedded-Systeme anbelangt.
Aber Intel hatte Altera 2015 auf dem bisherigen Höhepunkt des Unternehmens eingekauft. Was folgten waren neun Jahre schleppend verlaufender Integration, die im vorhandenen FPGA-Portfolio kaum vorzeigbare technische Fortschritte hervorbrachten. Altera ist weiterhin eine feste Größe im Markt, muss sich aber dennoch erst wieder neu beweisen. Es ist daher sehr unwahrscheinlich, dass Intel durch einen anteiligen Verkauf sein Haushaltsloch sanieren wird - nicht, ohne dabei auch die mehrheitliche Kontrolle über Altera abzugeben.
Könnte ein politisch motivierter Merger mit AMD oder Marvell anstehen?
Womit wir zum vorläufigen Höhepunkt der Gerüchteküche kämen. Dass in der amerikanischen Politik über die Causa Intel diskutiert wird, ist wenig verwunderlich: Das Unternehmen war über Jahrzehnte hinweg ein technologischer Vorreiter der Chipindustrie, eine weltweit kaum wegzudenkende Größe in der Elektronikbranche – und damit ein Leuchtturm und Stützpfeiler der US-amerikanischen Wirtschaft. Gerät ein so wichtiges Vorzeigeunternehmen ins Straucheln, oder unter Kontrolle eines Unternehmens außerhalb der USA, kann das fatale Folgeeffekte auch für andere Unternehmen mit sich ziehen.
Die Meldung der Nachrichtenwebseite Semafor sorgte daher für weltweites Aufsehen: In einem Exklusivbericht unter Berufung auf Insider-Kreise hieß es, dass politische Entscheidungsträger in Washington bereits im Stillen Szenarien diskutiert würden, wie man dem angeschlagenen Chipriesen noch weitere Unterstützung zukommen lassen könnte. Diese sollen über die bereits zugesicherten Fördermittel aus dem CHIPS Act hinausgehen, ohne allerdings deren Investitionssumme zu erhöhen. Ein Bailout wie in der Bankenkrise 2008 käme derzeit nicht in Betracht.
Fast schon als Randbemerkung wurde dabei das Szenario eines potentiellen Mergers ins Spiel gebracht, dass in der Folge von zahlreichen weiteren Nachrichtenmedien aufgegriffen wurde. Demnach stand bei den Diskussionen - zumindest zwischenzeitlich - auch die Option einer Fusion des Chip-Design-Geschäfts von Intel mit einem Konkurrenten wie AMD oder Marvell im Raum: Ein vom privaten Sektor angeführter Zusammenschluss, der aber möglicherweise von der Regierung gefördert werden könnte.
Ist das wahrscheinlich? Die Vorstellung, dass ein Merger der Chipdesign-Geschäftszweige von AMD und Intel anstehen könnte, ist schon nahezu absurd! Selbst wenn ein solcher Vorgang von der US-Regierung gefördert würde – unabhängig davon, wer im Januar 2025 das Präsidentenamt bekleiden wird – würden die Kartellbehörden im Rest der Welt dieses Spiel nicht mitspielen. Schließlich würde auf diesem Weg im Bereich der x86-Hersteller ein klares Monopol entstehen. Kartellwächter müssten entweder feststellen, dass dadurch in Geschäftsfeldern wie Servern, Notebooks oder PCs aufgrund der Konkurrenz durch ARM-basierte Produkte kein Ungleichgewicht besteht. Oder sie müssten darauf bestehen, dass Intel und AMD dieses Geschäftsfeld für einen solchen Merger komplett ausgründen, so dass ein neues Unternehmen entsteht.
Für das erste Szenario ist aber derzeit die ARM-Konkurrenz in den genannten Feldern, trotz zunehmender Fortschritte in den letzten Jahren, noch zu schwach. An letzterer Option können dagegen weder Intel noch AMD ein ernsthaftes Interesse haben, denn das würde das bestehende Geschäftsfeld der beiden Unternehmen signifikant schwächen.
Ein Merger mit Marvell Technology erscheint ebenso unwahrscheinlich. Zwar handelt es sich auch hier um ein Vorzeigeunternehmen der amerikanischen Chipbranche. Und gewisse Synergien zwischen dem Portfolio an Peripheriehalbleitern und Intels Kerngeschäft mit Prozessoren, aber auch Modem-Chips, sind zumindest vorstellbar. Dennoch ist es mehr als fraglich, ob Marvell ein ernsthaftes Interesse an einer solchen Fusion haben könnte, befindet sich das Unternehmen doch auch in einer deutlich schwächeren Position. Schließlich beträgt Marvells Jahresumsatz immer noch gerade einmal ein Zehntel des Intel-Umsatzes, trotz der katastrophalen Quartalszahlen.
Zusammenfassung
Zusammenfassend lässt sich sagen: Am wahrscheinlichsten ist es, dass Intel alles Mögliche unternehmen wird, um Investoren ins Boot zu holen. Sicher schadet es dem Unternehmen nicht, sich von wenig rentablen Teilbereichen zu trennen - eine Entschlackungskur täte dem Chipriesen wahrscheinlich gut. Ein Teilverkauf von Altera scheint gesichert. Auch der Einstieg von Kapitalgesellschaften dürfte mehr in Intels Interesse sein, trotz der damit verbundenen mittelfristigen Risiken. Eine Allianz oder ein Joint Venture mit Samsung im Foundry-Geschäft könnte möglicherweise für beide Unternehmen Vorzüge bieten.
Scheitern diese Bemühungen, könnte ein Teilverkauf oder gar eine Akquise drohen. Das scheint angesichts des noch immer hohen Geschäftswerts Intels zwar unwahrscheinlich, ist aber auch nicht vollkommen ausgeschlossen – man denke an Broadcoms Versuch von 2018, für mehr als 100 Mrd. US-$ Qualcomm zu übernehmen, was letztendlich aber am Veto des US-Präsidenten scheiterte. Ein solches Veto dürfte allerdings ausbleiben, wenn das Übernahmeangebot auch von einer amerikanischen Firma kommt – was bei Qualcomm der Fall wäre. In diesem Fall käme es letztlich auf die Einschätzungen der globalen Kartellbehörden an.
Dass Softbank via ARM einen weiteren Vorstoß versucht scheint unwahrscheinlich. In der gegenwärtigen politischen Lage dürfte selbst bei einem Wechsel an der Spitze die US-Regierung nicht willens sein, dass ein nicht-amerikanisches Unternehmen Kontrolle über signifikante Teile Intels erlangt. Das Apple Interesse zeigen könnte ist angesichts des Kurses, den das Unternehmen in den letzten Jahren verfolgt hat, auch eher unwahrscheinlich. Über einen politische motivierten Merger mit AMD muss man dagegen nicht ernsthaft diskutieren. (sg)