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Typische Fehler aus dem Schadenmangagement
Leider laufen GAUs nach dem gleichen Muster ab, und kein Unternehmen ist letztlich davor verschont. Gerade VW ist dafür ein gutes Beispiel für einen einst standfesten- nun wackeligen Riesen.
Aber lassen Sie mich kurz die typischen Fehler aus dem Krisenmanagement bzw. Schadenmmanagement betrachten:
Frühe Warnhinweise ignoriert – Zeit verloren
Es gab schon Mitte 2014 auf Seiten der US-Behörden klare Anzeichen, dass sich hier etwas Kräftiges zusammenbraut. Anstatt sich aber im Unternehmen darum intensiv zu kümmern, wurden die Warner im Unternehmen ignoriert und „mundtot“ gemacht.
Dies gibt es in den meisten Unternehmen, die sich in der Krise befinden: Auch hier waren klare Anzeichen schon lange bekannt, aber selten beachtet.
Verdrängen und Überheblichkeit
Nichts ist unmöglich, auch nicht im Hause VW. Diese Art des Titanic-Denkens „wir sind doch un-sinkbar oder „un-thinkbar“ wird auch dem Riesen VW zum Verhängnis. Man hatte mit allem gerechnet, aber nicht, dass ein paar kleine Software-Zeilen dies auslösen können.
Falsches Hierarchie-Denken
Im Unternehmen wurden Ziele definiert, die scheinbar unerreichbar waren. Aber anstatt dies zu kommunizieren und die Konsequenzen auszudiskutieren, wurde das scheinbar Unmögliche mit ein paar Softwarezeilen möglich gemacht. Natürlich wusste dies keiner, nur ein paar „böse“ Ingenieure, oder?
GAU – Das Undenkbare wird zur Wirklichkeit
Der Schwarze Freitag für den Autokonzern beginnt mit dem Auftritt von Cynthia Giles. Die Chefin der US-Umweltbehörde EPA tritt in Washington vor die Presse und erzählt, wie die „Deutschen ihre Kunden und den Staat“ betrogen haben: der GAU ist ausgelöst, das Undenkbare wird zur Wirklichkeit.
Das typische Anfangs-Chaos
: Nachdem fast lange 48 Stunden verstrichen sind, das erste Statement der Unternehmensleitung. Dann hektischer Personalaustausch, Ad-hoc-Reaktionen als Zeichen guten Willens an die Geschädigten.
Aber anstatt dringend zu analysieren und anzupacken, wird ausgetauscht. Man kämpft um Stühle und Positionen, oder besser um Pensionen?
Das Unternehmen verfällt in Schockstarre
. Wissensträger werden beurlaubt, Häuser durchsucht, Kunden warten lassen, Behörden vertröstet und ungeduldig. Im Unternehmen übernehmen neue Köpfe das Ruder, versprechen eine Rundumsanierung unter dem Motto: Alles wird neu… aber die Frage ist was und vor allem bis wann?
Die wilde Kommunikation
Vor dem US-Kongress steht Michael Horn, US-Chef von Volkswagen, Rede und Antwort. Was er von sich gibt, ist teils fragwürdig und scheint teilweise nicht abgestimmt.
Die Reaktion der Abgeordneten Demokratin Jan Schakowsky aus Illinois als Vertreterin der US amerikanischen Öffentlichkeit kommt prompt: "Ich sage es Ihnen ganz deutlich, Herr Horn: Das kaufe ich Ihnen nicht ab. Das amerikanische Volk, die Umweltbehörde EPA und solche Einrichtungen weltweit wurden von Volkswagen betrogen. Das Wort dieser Firma ist keinen Cent wert.“
Der Fall VW liegt für die US-Parlamentarier anders, weil ihnen der vorsätzliche Betrug bei der Dieselmanipulation offensichtlich erscheint. Gnade wurde Horn nicht zuteil, auch wenn er unmittelbar nach Bekanntwerden des Emissionsskandals zugab: „We totally screwed up“, also „wir haben es völlig vermasselt“. Noch besser kann man es nicht sagen, zumindest nicht in der Öffentlichkeit. (Quelle: Tagesschau.de – Stand: 08.10.2015, 20:39 Uhr)
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