Die Fakten zur verschollenen Boeing 777

Was die elektronischen Systeme über Flug MH370 sagen

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Automatic Dependent Surveillance - Broadcast war an Bord

Die betroffene Boeing 777 mit der Zulassungsnummer 9M-MRO war zwar schon knapp zwölf Jahre alt, aber mit einem ADS-B-Sender ausgestattet. Sie wurde regelmäßig von Diensten wie Flightradar24 getrackt. Auch in der fraglichen Nacht konnte Flightradar24 die Position der Maschine ermitteln. Demnach wurde die Boeing 777 zwischen 1.19 Uhr und 1.20 Uhr Ortszeit getrackt, als die Maschine ihre Flugrichtung von 25 Grad auf 40 Grad änderte. Dies war nichts Ungewöhnliches, diese Kursänderung erfolgte laut einer Mitteilung auf der Facebook-Seite von Flightradar24 auch bei früheren Flügen auf dieser Route an etwa derselben Position.

Die letzten beiden Positionsmeldungen ergaben, dass die Maschine ihren 40-Grad-Kurs fortsetzte. Danach gab es keine ADS-B-Signale mehr. Es muss also ein Ereignis eingetreten sein, das dazu geführt hat, dass das ADS-B ausgefallen ist oder ausgeschaltet wurde. Das System ist grundsätzlich mit dem Transponder des Flugzeugs verknüpft und kann nur abgeschaltet werden, indem der Transponder auf Standby geschaltet wird. Der Transponder antwortet quasi auf das Sekundärradar der Flugsicherung und gibt die Identität des Flugzeuges preis.

Die Tatsache, dass der Transponderkontakt zum Flugzeug etwa zur selben Zeit ausfiel wie die Ortung per ADS-B, deutet auf eine plötzlich eingetretene ernste Notlage hin, die es den beiden Piloten offenbar nicht erlaubte, einen Notruf abzusetzen. Über die Art dieser Notlage kann nur spekuliert werden, bevor das Flugzeug nicht gefunden wird.

Die Boeing 777 verfügt auch über das Datenfunksystem ACARS (Aircraft Communications Addressing and Reporting System), das automatisch Meldungen absetzt, zum Beispiel über den Zustand kritischer Systeme. Bei dem Air-France-Flug AF 447, der im Juni 2009 über dem Atlantik abstürzte, lieferten die ACARS-Meldungen Hinweise darauf, was vor dem Absturz vorgefallen war. Klarheit brachte allerdings erst der Fund des Flugdatenspeichers und des Stimmenrekorders zwei Jahre später. Die beiden Geräte lagen auf dem Meeresgrund und konnten erst nach einer aufwendigen Suche mit Unterwasserrobotern geborgen werden. Ob das ACARS-System von MH370 in der fraglichen Nacht Daten gesendet hat, ist zur Zeit nicht bekannt.

Große Bedeutung kommt – wie immer bei Zwischenfällen in der Luftfahrt – den Flugschreibern zu. Sie verfügen über eine sogenannte Unterwasser-Ortungsbake, die sich einschaltet, wenn sie mit Wasser in Kontakt kommt. Das Gerät sendet ein akustisches Signal, das bis in eine Tiefe von über 4000 Metern verfolgt werden kann. Einmal aktiviert, kann die Unterwasser-Ortungsbake ihr Signal mindestens 30 Tage lang senden.

Aktuell wird darüber spekuliert, ob das Flugzeug eventuell wendete und versuchte, zu seinem Heimatflughafen zurückzukehren. Der US-Nachrichtensender CNN meldete gestern, das Flugzeug sei auf dem Radar der malaysischen Luftwaffe noch deutlich länger zu sehen gewesen. Erst in der Nähe der kleinen Insel Pulau Perak in der Straße von Malakka soll das Flugzeug von den Radarschirmen verschwunden sein. Das bedeutet, die Boeing wäre umgekehrt, hätte Malaysia von Osten nach Westen überquert und wäre dann über die Meerenge zwischen Malaysia und Indonesien geflogen.

CNN beruft sich dabei auf einen hochrangigen Offizier der Luftwaffe Malaysias. Laut der Online-Ausgabe der malaysischen Zeitung New Straits Times hat inzwischen General Rodzali Daoud, der Oberbefehlshaber der malaysischen Luftstreitkräfte, auf einer Pressekonferenz erklärt, man habe in der fraglichen Nacht um 2:15 Uhr Ortszeit 200 Meilen westlich von Penang (einer Stadt an der Westküste Malaysias) ein Flugzeug geortet. Der General sagte aber nicht, ob es sich bei diesem Flugzeug um die vermisste Boeing gehandelt habe.

Daher wird nun auch westlich von Malaysia nach Spuren des Fluges MH 370 gesucht. Falls die Boeing tatsächlich Richtung Westen geflogen sein sollte (auf der Karte durch die rote Linie angedeutet), bleibt eine zentrale Frage offen: Warum wartet die malaysische Luftwaffe beinahe fünf Tage, bevor sie diese wichtige Information preisgibt?

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