Die Fakten zur verschollenen Boeing 777 Was die elektronischen Systeme über Flug MH370 sagen

Redakteur: Franz Graser

Ein Dickicht aus widersprüchlichen und zum Teil auch falschen Meldungen umgibt das Schicksal des seit Samstag verschollenen Fluges MH370 der Malaysia Airlines. ELEKTRONIKPRAXIS versucht, die Fakten des Dramas zu entwirren.

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(Bild: EPA/Luong Thai Linh/dpa)

Die Geschichte des Malaysia-Airlines-Fluges MH370, der in den frühen Morgenstunden des 8. März verschwand, hält die Welt in Atem. Insbesondere an den Angehörigen der 239 Insassen der Boeing 777, die von Kuala Lumpur, der Hauptstadt Malaysias, gestartet war und in Beijing landen sollte, zehrt die Ungewissheit. Widersprüchliche Meldungen und Nachrichtenmedien, die in Abwesenheit greifbarer Fakten immer mehr dazu übergehen, sich ihre eigenen Antworten zusammenzuspekulieren, tun ein Übriges dazu, dass das Geheimnis immer undurchdringlicher zu werden scheint.

Viele Menschen fragen sich, wie ein Flugzeug einfach verschwinden kann. Schließlich ist man mittlerweile gewöhnt, dass Smartphones den Aufenthaltsort ihrer Benutzer auf Schritt und Tritt und auf wenige Meter genau angeben können. Zudem gibt es Webdienste und Handy-Applikationen wie Flightradar24, auf denen auch Laien die Flugrouten von Passagierflugzeugen praktisch in Echtzeit nachvollziehen können.

Die derzeit einzige greifbare Tatsache ist, dass der Kontakt zu der Maschine zwischen 1:22 Uhr und 1:30 Uhr Ortszeit, also rund 40 Minuten nach dem Abheben in Kuala Lumpur, abbrach (Hierüber gibt es widersprüchliche Angaben. Zunächst wurde 1:22 Uhr genannt, diese Angaben wurden dann aber zu 1.30 Uhr korrigiert). Zu diesem Zeitpunkt befand sich die Boeing 777 über dem Golf von Thailand. Die Fluglinie Malaysia Airlines wurde allerdings erst um 2:40 Uhr verständigt. Dies berichtet die Webseite The Aviation Herald.

Warum die Diskrepanz von über einer Stunde? Wie die Welt in ihrer Online-Ausgabe berichtet, gibt es über dem offenen Meer zum Teil keine Radarverfolgung. „Je nach Flughöhe verschwindet das Flugzeug gewissermaßen aus dem Sichtfeld der Anlage hinter dem Horizont“, heißt es in dem Artikel. Die Reichweite der Bodenradare an den Küsten wird mit rund 400 Kilometern angegeben.

Das Flugzeug hätte wenig später in den vietnamesischen Luftraum eintreten sollen. Dies geschah ganz offensichtlich nicht. Es ist möglich, dass die vietnamesische Flugsicherung noch eine gewisse Zeit zuwartete, bis man sich entschloss, die Kollegen in Malaysia darüber zu informieren, dass der Flug MH 370 überfällig war. Dies könnte erklären, warum die Fluglinie erst mit über einer Stunde Verzögerung unterrichtet wurde. Hier beginnen aber bereits die Spekulationen.

Trotz der Tatsache, dass die Radarsysteme eine begrenzte Reichweite haben, ist können Flugzeuge über dem Golf von Thailand durchaus verfolgt werden. Dazu dient das System ADS-B (Automatic Dependent Surveillance - Broadcast). Hierbei strahlen die Flugzeuge einmal pro Sekunde ihre beispielsweise per GPS ermittelte Position sowie ihre Flugnummer, die Flughöhe, ihre Geschwindigkeit, die Flugrichtung und einen Zeitstempel aus. ADS-B wird von der Flugsicherung eingesetzt, Webdienste wie Flightradar24 werten die Informationen aber gleichfalls aus und bereiten sie auf.

Die maximale Funkreichweite des ADS-B wird mit rund 350 Kilometern angegeben. Die Entfernung zwischen der malaysischen Küste und der Südspitze Vietnams beträgt an der engsten Stelle etwa 400 Kilometer. Das bedeutet, dass die Verfolgung eines Linienflugzeugs, das über dem Golf von Thailand zwischen Malaysia und Vietnam fliegt, grundsätzlich möglich ist – es sei denn, der ADS-B-Sender der Maschine fällt aus.

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