Smartes Lieferantenmanagement Warum Firmen ihre Lieferanten unterschiedlich behandeln sollten

Autor / Redakteur: Florian Holzmann*, Antoni Aguado* / Margit Kuther

Ist der Lieferant einmal ins Boot geholt, werden Beziehungen oft vernachlässigt und alle gleich behandelt. Das kann sich bei Toplieferanten rächen, denn hier drohen Lieferausfälle.

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Lieferantenmanagement: Neben Kosten zählen auch andere Faktoren
Lieferantenmanagement: Neben Kosten zählen auch andere Faktoren
(Bild: Thorben Wengert, pixelio.de)

Auch wenn den meisten Unternehmen die Bedeutung ihrer Lieferanten und deren Bindung an das eigene Unternehmen bewusst ist, gehört ein umfassendes Lieferantenmanagementsystem heutzutage in vielen Unternehmen noch nicht zum Standard.

Die Konsequenzen können gravierend sein: Ein nur halbherzig durchgeführtes Lieferantenmanagement führt meist dazu, dass die Zusammenarbeit mit den eigenen Lieferanten suboptimal ist und es im Extremfall zu Lieferausfällen kommt. Deshalb fragen sich viele Entscheider in Unternehmen, wie sie das Beste aus ihren Lieferanten herausholen und die guten Lieferanten an sich binden können.

Vorteile eines smarten Lieferantenmanagementsystems

Die Einführung eines smarten Lieferantenmanagementsystems (LMS) kann an dieser Stelle maßgeblich dazu beitragen, einen Mehrwert für das eigene Unternehmen zu leisten.

Ein entscheidender Faktor für solch ein Lieferantenmanagementsystem (LMS) ist, dass es ganzheitlich und transparent die Leistung der bestehenden Lieferanten eines Unternehmens bewertet.

Dabei gilt die Maxime, sich von unterdurchschnittlichen Lieferanten zu trennen, durchschnittliche Lieferanten weiterzuentwickeln und überdurchschnittliche Lieferanten perspektivisch an das eigene Unternehmen zu binden. Das LMS kann dabei stets als Prozess im Spannungsfeld zwischen Kostenzielen und Qualitätsanforderungen betrachtet werden (siehe Abb. 1 unten).

Um den vollen Mehrwert eines smarten LMS erreichen zu können, muss zunächst die Infrastruktur um das System herum angepasst werden. Dies bedeutet in erster Linie, ein übergreifendes IT-System zu etablieren, in welchem alle relevanten Daten zur Lieferantenleistung zusammenlaufen. Sobald sichergestellt ist, dass die Datenaufnahme in das IT-System korrekt verläuft, können die drei Prozessschritte (Klassifizieren, Bewerten, Entwickeln) durchlaufen werden.

Lieferanten smart klassifizieren

In einem ersten Schritt sind die Lieferanten zu klassifizieren. Wir empfehlen, sich an einem bewährten Konzept – z.B. der Kraljic-Matrix – zu orientieren und dieses um die spezifischen Anforderungen des eigenen Unternehmens zu ergänzen.

Abb. 1: Das Lieferantenmanagementsystem, im Spannungsfeld zwischen Kostenzielen und Qualitätsanforderungen
Abb. 1: Das Lieferantenmanagementsystem, im Spannungsfeld zwischen Kostenzielen und Qualitätsanforderungen
(Bild: HÖVELER HOLZMANN CONSULTING)
Als Basismodell lässt sich mit solch einer Matrix jeder Lieferant anhand seiner strategischen Bedeutung für das Unternehmen und anhand der Komplexität seiner Produkte in einer 2-x-2-Matrix einordnen. Aufbauend hierauf kann dann der Detailgrad der Analyse erhöht werden, indem z.B. für das Kriterium der strategischen Bedeutung nicht nur die Höhe des Einkaufsvolumens berücksichtigt wird, sondern auch die Möglichkeit des Lieferanten, strategische Pläne seines Kunden umsetzen zu können (z.B. Marktexpansionen).

Entscheidend ist am Ende, dass mithilfe der Lieferantenklassifizierung für das Unternehmen transparent wird, welche Lieferantenbewertungen Vorrang haben. Nachdem die Lieferanten klassifiziert worden sind, gilt es, diese zu bewerten.

Lieferanten smart bewerten

In der Praxis werden Lieferanten oftmals zu pauschal bewertet (Fall 1: alle in einen Topf) oder zu individuell (Fall 2: je nach `Lust und Laune´ des Bewertungsverantwortlichen).

Im ersten Fall, `alle in einen Topf werfen´, ergibt sich die Situation, dass wichtige genau so wie unwichtige Lieferanten behandelt werden. Dies gilt in der Regel sowohl für die Häufigkeit der Bewertung (z.B. 1 x pro Jahr) als auch für den Detailgrad (z.B. nach denselben acht Kriterien).

Da die meisten Unternehmen dann für Frequenz und Detailgrad einen gesunden Mittelweg verwenden, werden wichtige Lieferanten zu selten und zu grob bewertet. Für unwichtige Lieferanten gilt daneben häufig das genaue Gegenteil: Diese werden zu häufig und detailliert bewertet und fressen so unnötig die Zeit der zuständigen Mitarbeiter.

Im zweiten Fall,`je nach Lust und Laune´, wird deutlich, dass durch individuelle Bewertungsschemen häufig die Lieferantenleistungen nicht vergleichbar sind. So kann z.B. ein Verpackungslieferant, der mehrere Divisionen eines Unternehmens mit der exakt gleichen Ware, vergleichbaren Mengen und unter gleichen qualitativen Anforderungen beliefert, in einer Division als „sehr gut“, in der anderen Division als „durchschnittlich“ bewertet werden.

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