Smartes Lieferantenmanagement

Warum Firmen ihre Lieferanten unterschiedlich behandeln sollten

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Direkten Vergleich zwischen ähnlichen Lieferantentypen schaffen

Abb. 2: Oberkriterien für Lieferantenbewertung sind Qualität und Kosten
Abb. 2: Oberkriterien für Lieferantenbewertung sind Qualität und Kosten
(Bild: HÖVELER HOLZMANN CONSULTING)
Um diese beiden Fehler (zu pauschal oder zu individuell) zu vermeiden, ist eine Mischform zu empfehlen: Hierfür werden die Klassifizierungsergebnisse direkt mit den Bewertungskriterien verknüpft. Dabei gilt die Regel, Lieferanten innerhalb eines Klassifizierungsclusters mit den gleichen Kriterien und im gleichen Detailgrad zu bewerten. Dies ermöglicht anschließend den direkten Vergleich zwischen ähnlichen Lieferantentypen. Strategisch wichtige Lieferanten werden dann einheitlich, detailliert und häufig im Vergleich zu Lieferanten unwichtiger Warengruppen bewertet.

Neben der Bewertungsfrequenz und dem -detailgrad sind weitere Herausforderungen der starke Fokus bei der Bewertung auf qualitative Kriterien und eine nur sehr grobe Bewertung der Kosten(-entwicklung). Dies hängt auch damit zusammen, dass eine Bewertung der Kosten von den Zertifizierungsstellen in der Regel nicht vorgeschrieben wird.

Um auch dieser Dimension gerecht zu werden, empfehlen wir, die Lieferanten unabhängig von der Klassifizierung nach zwei Oberkriterien zu bewerten: Qualität und Kosten (vergleiche Spannungsfeld in Abb. 1 und siehe Abb. 2). Welches Oberkriterium wie stark gewichtet wird, sollte direkt von der Klassifizierung des jeweiligen Lieferanten abhängen.

Je höher die strategische Bedeutung der Lieferanten, desto höher die Gewichtung von Qualität gegenüber Kosten. Für unkritische Lieferanten hingegen, die meist Standardartikel liefern, sollte die Kostenseite unter Einhaltung des vorgegebenen Qualitätsniveaus stärker gewichtet sein.

Während es bei dem Oberkriterium Kosten vor allem darum geht, den aktuell gezahlten Einkaufspreis gegen ein bestmöglich zu definierendes Preisoptimum zu messen, lässt sich das Oberkriterium Qualität in mehrere Kriterien aufteilen (siehe Abb. 3).

Sinnvolle Kriterien erstellen

Allgemeine Kriterien erfassen die Finanzsituation, die Mitarbeiteranzahl und ggf. Auszeichnungen des Lieferanten. Das Produktkriterium besteht aus der Fehlerquote gelieferter Produkte, welche beim Wareneingang erfasst wird, sowie aus Qualitätsstichproben und Zertifikaten (z.B. ISO 9001).

Das Lieferkriterium setzt sich aus Lieferpünktlichkeit und der Einhaltung von bzw. der Flexibilität bei Liefermengen zusammen. Das Innovationskriterium erfasst Produkt- und Prozessneuheiten. Die Compliance wird über eine Erfüllungsquote gemessen, in der Aspekte wie Umwelt-, Sicherheits- und Arbeitsschutz festgeschrieben werden können.

Für einige Kriterien lassen sich schnell und einfach Kennzahlen bilden (z.B. bei Fehlerquoten), für andere Kriterien bedarf es hingegen einer qualitativen Bewertung (z.B. Innovation). Wo immer möglich, sollten Sie quantitative Kennzahlen entwickeln, um die Messung zu objektivieren und eine optimale Vergleichbarkeit sicherzustellen.

Warengruppenspezifische Gewichtung der Kriterien

Abb. 3: Einteilung des Oberkriteriums Qualität in mehrere Kriterien
Abb. 3: Einteilung des Oberkriteriums Qualität in mehrere Kriterien
(Bild: HÖVELER HOLZMANN CONSULTING)
Die Gewichtung der einzelnen Kriterien sollte warengruppenspezifisch vorgenommen werden. So kann für eine Warengruppe bzw. ein Bündel von Warengruppen die Lieferpünktlichkeit maßgebend sein, für eine andere hingegen ist diese Kennzahl weniger relevant. Es ist außerdem möglich, je nach Warengruppe (z.B. Rohwaren) einzelne Kriterien bei der Lieferantenbewertung zu vernachlässigen, beispielsweise die Innovation.

Aus diesen beiden Kriterien ergibt sich anschließend der Lieferantenscore. Alle Lieferantenscores einer Warengruppe ergeben dann den Warengruppenscore. Auf diese Weise können auf den unterschiedlichen Ebenen Lieferanten oder Warengruppen verglichen werden und auf Basis des Vergleichs Verbesserungspotenziale identifiziert und Optimierungsinitiativen priorisiert werden.

Lieferanten smart entwickeln

Nachdem im vorangegangenen Schritt die Lieferanten bewertet und das Entwicklungspotenzial identifiziert wurde, geht es in diesem Schritt darum, das Entwicklungspotenzial zu heben bzw. sich von schlechten Lieferanten ohne Potenzial zu trennen. Durch Aufbrechen des Lieferantenscore können die Stärken und Schwächen des Lieferanten erkannt und Zielvorgaben abgeleitet werden.

Zur Verknüpfung der Analyse des Lieferantenscore mit den konkreten Entwicklungsmaßnahmen empfiehlt sich die Ausarbeitung eines Schemas, in welchem festgehalten wird, für welchen Lieferantentyp (siehe Klassifizierung) welche Entwicklungsmaßnahme am zielführendsten ist.

Denn während sich die Kosten einer aktiven Entwicklungsarbeit für einen strategisch wichtigen Lieferanten durchaus auszahlen können, sollte für den Großteil der Lieferanten auf einen Standardentwicklungsplan mit konkreten Zielvorgaben zurückgegriffen werden. Die Überprüfung der Zielvorgaben kann dann z.B. im Rahmen eines Lieferantenaudits oder eines Werksbesuches stattfinden.

Tipps zur Einführung eines smarten Lieferantenmanagements

Die Etablierung eines smarten LMS ist keine triviale Angelegenheit. Konkurrierende Interessenlagen, verschiedene IT-Landschaften sowie unterschiedliche Bewertungsansätze sind die häufigsten Herausforderungen, die bei der Einführung gemeistert werden müssen.

Betrachten Sie daher die Einführung eines smarten Lieferantenmanagementsystems als Change-Management-Prozess und gewinnen Sie vor Einführungsbeginn prominente Fürsprecher auf Top-Managementebene für die Initiative. Arbeiten Sie darüber hinaus den Nutzen eines smarten LMS für das Unternehmen und für die einzelnen Abteilungen heraus. Während der Implementierungsphase sollten Erfolge frühzeitig kommuniziert werden, auch deshalb, um möglichen Gegenwind und Zweifel abzuschwächen.

Um der Gefahr eines Einschlafens der Initiative vorzubeugen, sollte zu Beginn des Projekts ein Steering-Team gebildet werden, das regelmäßig den Implementierungserfolg überwacht und vorantreibt. Sobald das System implementiert ist, sollten in regelmäßigen Abständen Feedbackrunden veranstaltet werden mit dem Ziel, die Leistung und Handhabung kontinuierlich und schrittweise zu verbessern.

Zu den Autoren

*Florian Holzmann ist geschäftsführender Gesellschafter der HÖVELER HOLZMANN CONSULTING GmbH, Düsseldorf.

*Antoni Aguado arbeitet als Consultant für die HÖVELER HOLZMANN CONSULTING GmbH, Düsseldorf.

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