Hochtemperaturspeicher Warmes Bier: Wie Heineken mit Wärmespeichern „grünes Bier“ braut

Von Dipl.-Ing. (FH) Michael Richter 2 min Lesedauer

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Heineken heizt sein Bier künftig mit Sonnenstrom statt mit Gas, und zwar dank eines Wärmespeichers, der überschüssige Energie in Hitze verwandelt. Was nach Brauerei-Experiment klingt, könnte eine Alternative zu Batteriespeichern werden.

Die Speichertechnologie ermöglicht, Dampf schnell für Prozesse bereitzustellen. Alternativ lässt sich der Dampf durch Turbinen in Strom zurückwandeln.(Bild:  Rondo Energy, Inc.)
Die Speichertechnologie ermöglicht, Dampf schnell für Prozesse bereitzustellen. Alternativ lässt sich der Dampf durch Turbinen in Strom zurückwandeln.
(Bild: Rondo Energy, Inc.)

Heineken testet in Portugal gemeinsam mit Rondo Energy und dem Versorger EDP einen elektro-thermischen Speicher, der überschüssigen Ökostrom in Hochtemperaturwärme verwandelt. Das System heizt ein robustes Speichermaterial auf bis zu 1.500 °C auf. Das Material hält dann die Energie und gibt sie bei Bedarf als Dampf für den Brauprozess frei. Statt fossile Brennstoffe zu verwenden, entsteht so rund um die Uhr Prozessdampf.

Der Ansatz klingt wie eine Rückkehr der Nachtspeicheröfen, zeigt aber den Wandel in der Wärmeversorgung. Wärmespeicher werden zur robusten und günstigsten Lösung. Während Wärmepumpen bei Gebäuden und mittleren Temperaturen glänzen, schwächeln sie in Industrieprozessen. Vor allem, wenn Dampf über 150 bis 200 Grad gebraucht wird oder die Produktion flexibel läuft.

Im Fall Heineken heißt das konkret: rund 100 MWh Speicherkapazität, um dampfbasierte Prozesse im Braubetrieb mit erneuerbarer Energie zu versorgen.

Technologie

Genau bei Prozesswärme trumpfen Speicher auf. Sie werden unabhängig vom Zeitpunkt aufgeladen, speichern ihn billig und geben die Wärme exakt dann ab, wenn sie gebraucht wird. Für Betriebe mit eigenem Solarstrom oder häufigen Netzspitzen sind sie ideal. Wärmepumpen bleiben zwar effizienter, verlieren aber deutlich an Wirkung, je höher die Zieltemperatur steigt. In Brauereien, Metallwerken, Keramik- oder Lebensmittelproduktion ist ein großer Speicher deshalb oft die praktikablere Wahl.

Natürlich sind Wärmespeicher kein Wundermittel. Je nach Material können Wärmeverluste nicht ganz vermieden werden. Für saisonale Speicherzeiten taugen viele Systeme kaum. Gleichzeitig holen Alternativen auf. Hochtemperatur-Wärmepumpen erklimmen stetig neue Temperaturstufen. Thermochemische Speicher versprechen hohe Energiedichten bei minimalen Verlusten, sind aber noch nicht marktreif. Und hybride Lösungen – Batterie plus Wärmepumpe plus Speicher – gewinnen an Bedeutung, weil sie sich jedem Lastprofil anpassen.

Doch was das Heineken-Projekt zeigt ist dennoch klar. Die Industrie muss und will aus Kostengründen weg vom Gas und hin zu flexibler, erneuerbarer Wärme. Wärmepumpen bleiben tragende Säulen der Energiewende. Doch Wärmespeicher rücken dorthin, wo hohe Temperaturen zählen. Sie machen Bier nicht nur warm, sondern klimafreundlicher. (mr)

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