Meilensteine der Elektronik Vom „Wanderprediger“, der ein berühmtes Kochbuch schrieb

Von Johann Wiesböck 5 min Lesedauer

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Als Eilhard Haseloff 1967 die Ingenieurschule in Hamburg verlies, bekam er alsbald mit sogenannten TTL-Schaltungen zu tun. Sechs Jahre später veröffentlichte er das noch heute legendäre TTL-Kochbuch. Lesen Sie hier seine Geschichte.

Das TTL-Kochbuch von TI – zusammengestellt von Eilhard Haseloff – wurde etwa 60.000 Mal verkauft (Bild:  Bild: E. Haseloff)
Das TTL-Kochbuch von TI – zusammengestellt von Eilhard Haseloff – wurde etwa 60.000 Mal verkauft
(Bild: Bild: E. Haseloff)

Nach dem Abschluss meines Studiums im Jahre 1967 an der Ingenieurschule in Hamburg (heute Fachhochschule) trat ich meine erste Stelle beim Deutschen Elektronen Synchrotron (DESY ist eine Hochenergie-Forschungsanlage, ähnlich wie CERN bei Genf) an. Dort wurde ein neuer Linearbeschleuniger als Teilchenquelle (in diesem Falle Elektronen) für den eigentlichen Speicherring (Synchrotron) gebaut.

Zur Steuerung dieser Anlage, die damals zum ersten Mal mit einem Computer erfolgen sollte, waren umfangreiche analoge und
digitale Interface-Schaltungen erforderlich: Angefangen von Digital-Analog-Wandlern mit einer Genauigkeit und Reproduzierbarkeit von 10 hoch minus 5, bis hin zu umfangreichen, zum Teil autonom in Echtzeit rechnenden, Interface Schaltungen zur Steuerung der einzelnen Komponenten des Beschleunigers.

Mein damaliger Vorgesetzter entschied, für die zu entwickelnden Geräte die damals neu auf dem Markt eingeführten und vor allem von Texas Instruments propagierten TTL-Schaltungen zu verwenden. Diese Logik-familie bestand zwar erst aus einigen Gattern, Flipflops und wenigen komplexeren Bauelementen wie dem 4-Bit-Volladdierer SN7483 (damaliger Stückpreis DM 83,00) oder 4-Bit-Zählern.

TTL-Schaltungen waren neben den noch erheblich schnelleren ECL-Schaltungen die einzigen Bauelemente, die den voraussehbaren Geschwindigkeitsanforderungen genügten. Unsere Entwicklungsgruppe war damals ein wichtiger TTL-Kunde von Texas Instruments im Norddeutschen Raum.

Es war eine interessante Zeit, in der ich lernen musste, wie man störsichere Logiksysteme baut, die in der Nähe von Magneten arbeiten sollten, die mit Impulsen mit einer Dauer von einer Mikrosekunde von einem Spitzenstrom von 20.000 Ampere betrieben wurde. Ich musste Dinge verstehen, von denen ich während des Studiums nie etwas gehört hatte.

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