EMS-Dienstleister „Vom reinen Bestücker zum Full-Size-Fertiger“
Mit rund 20 Mitarbeitern gehört Kitron aus Grossbettlingen bei Stuttgart zu den kleineren deutschen EMS-Betrieben. Als Teil der gleichnamigen internationalen Firmengruppe ist Kitron jedoch global vernetzt, wie Geschäftsführer Roland Lutz erzählt.
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EP: Kitron ist eine Unternehmensgruppe mit momentan acht Standorten auf drei Kontinenten. Grossbettlingen bei Stuttgart ist einer der kleineren Standorte im Firmenverbund. Welche Bedeutung hat dieser Standort in der Kitron-Gruppe?
Lutz: Der Standort in Grossbettlingen hat strategisch einen sehr hohen Stellenwert. Grossbettlingen ist der Footprint von Skandinavien in den größten Binnenmarkt Europas, in den deutschsprachigen Raum. Wir hier haben die Hauptaufgabe, Kunden im deutschsprachigen Raum für die Kitron-Gruppe zu finden - in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Kitron Deutschland wird - ich sage jetzt einmal - als Marketing-Instrument genützt, um in den deutschen Markt zu kommen, um im deutschen Markt mit einem deutschen Team für deutsche Kunden präsent zu sein.
EP: Für welche Branchen sind Sie momentan am meisten aktiv?
Lutz: Im Moment ist der Industriesektor die stärkste Branche. Wir forcieren in Deutschland die Strategie in drei Sektoren, die wir im Moment proaktiv angehen und bearbeiten. Das sind der Defence-Bereich, der Industriebereich und die Medizintechnik.
EP: Sie sind noch ein recht junges Mitglied im Kitron-Verbund. Wie hat sich der Wandel vollzogen von dem Elektronikfertiger, der hier in der Region verwurzelt war, hin zum Fertiger, der im weltweiten Verbund wirkt?
Lutz: Ende 2009 hat Kitron Skandinavien sich strategisch orientiert, einen EMS-Dienstleister zu übernehmen. Das war die Vorgängerfirma VERU Electronic. Und die Strategie hat sich dergestalt gewandelt, dass man wegging von der einfachen Lohnbestückung mit Materialbeistellung hin zur einem Dienstleister, der seinen Kunden die komplette Wertschöpfungskette in der Elektronikbranche bieten kann. Das heißt: Wir bieten unseren Kunden Entwicklungsdienstleistungen, Prototypenfertigung, Industrialisierung, Kleinserienfertigung, auch die Produktion von Test-Equipment und Testgeräten. Und was sich ganz stark gewandelt hat: Kitron ist von einem Bestücker mit Materialbeistellung zu einem Full-Size-Fertiger inklusive der kompletten Materialbeschaffung geworden. Und da kommt uns das Schwergewicht des Global Sourcing von Kitron zugute: Auch wir als kleiner Standort profitieren von dem großen Volumen und den dadurch resultierenden guten Preisen in der Materialbeschaffung,
EP: Welche Vorteile hat ein Kunde, der sich hier in Deutschland an Kitron wendet, davon, dass das Unternehmen in einen so großen internationalen Verbund integriert ist?
Lutz: Der Kunde hat natürlich die Sicherheit der großen, finanzkräftigen und stabilen Kitron-Gruppe. Er hat den Vorteil, dass wir im Unternehmensverbund auf Kompetenzen zurückgreifen können und im eigenen Unternehmensverbund anzapfen, die wir möglicherweise speziell in Deutschland nicht haben, und als Drittes natürlich die Beschaffungsseite: Kitron ist ein Schwergewicht in der Beschaffung. Und wo andere vielleicht Bauteile nicht mehr oder nur zu teuren Preisen bekommen, bekommt Kitron auch die schwer beschaffbaren Bauteile immer noch.
EP: Welche Projekte sind für Sie interessant? Viele Fertiger gerade in Deutschland konzentrieren sich ja hauptsächlich auf Projekte mit hoher Komplexität.
Lutz: Die Konzentration und die strategische Ausrichtung liegen ganz klar auf hoher Komplexität - je größer die Komplexität, desto interessanter ist es für Kitron, so dass wir dem Kunden die Fertigung, den Test und auch Montage und eventuell die Logistik bis hin zum Transport an den Endkunden bieten können.
EP: Wird es nicht manchmal etwas kompliziert, wenn man mit Ihnen in Großbettlingen spricht, die eigentliche Fertigung dann aber oft in Litauen oder Norwegen stattfindet?
Lutz: Gerade deshalb wurde Kitron Deutschland gegründet - dass es eben nicht kompliziert wird. Die deutschen Kunden sollen in Deutschland einen deutschen Ansprechpartner haben, und wir managen das Ganze dann im Hintergrund. Wenn wir den Kunden zum Beispiel in Deutschland haben und die Fertigung in Litauen, dann hat der Kunde die Wahl, dass entweder alles in Deutschland abgewickelt wird - dass wir also die Ansprechpartner sind - oder, wenn es der Kunde will, bekommt der Kunde auch den Direktkontakt. Der Kunde kann also in Litauen, in Schweden oder in China mit unseren Standorten in Kontakt treten. Aber die Entscheidung darüber überlassen wir unseren Kunden.
EP: Wegen der Kosten findet ja ein großer Teil der Fertigung weltweit in Asien statt. Wie wichtig ist denn aus Ihrer Sicht dieser Kostenblock bei der Auswahl eines Dienstleisters im Bereich Elektronikfertigung? Ist das der alles entscheidende Faktor oder gibt es noch andere, die genauso wichtig sind?
Lutz: Es ist nicht der zu hundert Prozent alles entscheidende Faktor, aber es ist doch einer der Schwerpunkte für die Lieferanten-Auswahl eines Kunden. Es gehören natürlich auch die Qualität dazu, die Liefer-Performance und Pünktlichkeit, aber um Neukunden zu gewinnen und an neue Projekte zu kommen, dient oftmals der Preis als Einstieg.
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