EMS-Tag in Würzburg

„Verfügbarkeitsfenster für Bauteile werden immer kürzer“

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Kosten für Triebwerkssteuerung stiegen um mehr als das Zehnfache

Das Cockpit des zweimotorigen Regionalflugzeugs Q400 von Bombardier. Bedingt durch abgekündigte Bauteile und dadurch notwendige Designänderungen schossen die Projektkosten für die elektronische Triebwerkssteuerung (FADEC) über den gesamten Lebenszyklus des Flugzeugs von ursprünglich geplanten 4,24 Millionen auf 51,16 Millionen Dollar.
Das Cockpit des zweimotorigen Regionalflugzeugs Q400 von Bombardier. Bedingt durch abgekündigte Bauteile und dadurch notwendige Designänderungen schossen die Projektkosten für die elektronische Triebwerkssteuerung (FADEC) über den gesamten Lebenszyklus des Flugzeugs von ursprünglich geplanten 4,24 Millionen auf 51,16 Millionen Dollar.
(Bild: Dtom, Wikipedia/gemeinfrei / CC0 )

Vor allem der Zeitdruck, dem die Entwickler beim Design elektronischer Baugruppen ausgesetzt sind, hat zur Folge, dass immer wieder Teile in Designs einfließen, die vom Hersteller als „not recommended“ (nicht mehr empfohlen) deklariert oder bereits abgekündigt wurden. „Wer hat heute die Zeit, alle Herstellerwarnungen zu lesen?“, fragt Ermel rhetorisch in die Runde der EMS-Praktiker und erntet dort ein ernstes Nicken.

Das führt immer wieder zu teuren Redesigns. Bei einem Sonarsystem für Überwasserschiffe, das 1996 von der US-Marine in Auftrag gegeben wurde, waren bereits 2003, dem Jahr, in dem die ersten Geräte installiert wurden, 70 Prozent aller ursprünglich vorgesehenen Bauteile nicht mehr beschaffbar.

Und in der Zivilluftfahrt zeigte sich, dass die elektronische Triebwerkssteuerung (FADEC) des zweimotorigen Regionalflugzeugs Q400 von Bombardier praktisch alle eineinhalb Jahre wieder umkonstruiert werden musste, da Teile von den Herstellern für obsolet erklärt wurden. Die ursprünglich über die gesamte Lebensdauer der Baugruppe veranschlagten Projektkosten von 4,24 Millionen Dollar wurden daher um mehr als das Zehnfache überschritten und betrugen zuletzt 51,16 Millionen Dollar.

TQ-Manager Ermel wies nach, dass konsequentes Obsolescence Management hätte helfen können, diese Kostenexplosion zumindest einzudämmen. Anstelle von über 51 Millionen Dollar hätte das Projekt über die gesamte Laufzeit 31 Millionen gekostet, wenn man alle Register des Obsolescence Management gezogen hätte – eine Einsparung von satten 40 Prozent.

Unverständlich blieb Ermel zum Beispiel, warum die Entwicklungsingenieure auch bei Redesigns Teile eingeplant hatten, die von den Herstellern mit einem „Not recommended“-Status versehen worden seien und deshalb bei der nächsten Umkonstruktion ersetzt werden mussten. Von Seiten von Honeywell, dem Hersteller des Triebwerkssteuerungssystems, gab es darauf nur die knappe Antwort, man habe „keine aktuelle Veranlassung“ gesehen, mehr als das Nötige zu tun.

Um derartige Überraschungen zu vermeiden, wurde beim EMS-Dienstleister TQ Group ein ausgefeiltes Instrumentarium entwickelt. So basiert das Obsolescence Management des Seefelder Elektronikbauers auf folgenden Säulen:

  • Stücklistenanalyse auf Verfügbarkeit
  • Prognose der verbleibenden Verfügbarkeitsdauer
  • Risikobewertung der Liefersituation
  • Obsolescence Roadmap zur Kostenreduktion

Dazu nutzt TQ zum Beispiel den Zugriff auf eine US-Datenbank, in der jeder Halbleiterhersteller die Informationen über die Vefügbarkeiten seiner Bauteile hinterlegen muss. Darüber hinaus sieht das Obsolescence Management verschiedene Eskalationsstufen je nach Dringlichkeit vor, so etwa die Suche nach alternativen Bausteinen, der Langzeitlagerung der Komponenten, der Wiederverwendung geprüfter Bausteine (Reclamation), die funktionelle Nachbildung (Emulation) bis hin zum Redesign und dem Reverse Engineering der betroffenen Baugruppe.

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