Zölle gegen China Trumps Elektronikkrieg und seine weltweiten Auswirkungen

Ein Gastbeitrag von Henrik Bork 3 min Lesedauer

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Die US-Importzölle auf chinesische Elektronikprodukte und deren Auswirkungen sorgen weltweit für Unsicherheit. Während die Maßnahmen sowohl Verbündete der USA als auch heimische Unternehmen belasten, bezweifeln Experten die Wirksamkeit dieser Politik zur Stärkung der heimischen Chipproduktion. Die Chinesen reagieren gelassen.

Die US-Zölle auf chinesische Elektronikprodukte sorgen weltweit für Verunsicherung. Experten bezweifeln die Wirksamkeit von Trumps Politik zur Stärkung der heimischen Chipproduktion.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Die US-Zölle auf chinesische Elektronikprodukte sorgen weltweit für Verunsicherung. Experten bezweifeln die Wirksamkeit von Trumps Politik zur Stärkung der heimischen Chipproduktion.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Die vergangene Woche war für die Technologiebranche turbulent: Im Zentrum stand die Ankündigung neuer Zölle auf Elektronik und Chips aus China durch die US-Regierung.

Am 9. April verkündete das Weiße Haus 125 Prozent Importzölle für alle chinesischen Waren, was zusammen mit bestehenden Zöllen eine Gesamtrate von 145 Prozent ergibt. Zwei Tage später, am 11. April, wurden jedoch Ausnahmen für Smartphones und Computer erklärt – Produkte wie iMacs und iPhones waren davon betroffen. Diese Ausnahmen wurden am 13. April jedoch wieder zurückgenommen, als Präsident Trump klarstellte, dass niemand auf Dauer geschont werde.

Verwirrung bei den Zöllen

Dieses hin und her sorgte für Verwirrung in der Branche. Der Analyst Amit Daryanani von Bloomberg bemerkte dennoch einen kurzfristigen Kursanstieg der Apple-Aktie um 2,2 Prozent, da eine sofortige Verschärfung abgewendet schien.

Die Zukunft weiterer Zollerhebungen bleibt ungewiss. Laut US-Handelsminister Howard Lutnick sind zusätzliche Zölle auf Halbleiterprodukte innerhalb der nächsten zwei Monate möglich, konkrete Zahlen nannte er jedoch nicht.

Gelassenheit aus China

Die Reaktion aus China erfolgte mit relativer Gelassenheit. Das Handelsministerium in Peking forderte die USA auf, in einen Dialog auf Augenhöhe zu treten. Gleichzeitig stehen Verbündete der USA unter Druck, insbesondere Chip- und Ausrüstungslieferanten aus Taiwan, Südkorea und den Niederlanden. Unternehmen wie TSMC, die für viele große US-Firmen Chips produzieren, könnten schwer getroffen werden.

Laut einer Untersuchung der US International Trade Commission stammen etwa 44,2 Prozent aller Logikchips aus Taiwan. Eine Störung dieser Ströme könnte die Chippreise in den USA um 59 Prozent ansteigen lassen. Auch andere Branchenriesen wie Samsung Electronics und ASML stehen unter Druck, ihre Handelsströme zu überdenken.

Mehr Kosten und Verlust bei Marktanteilen

Die Auswirkungen sind weitreichend: US-amerikanische Komponentenhersteller befürchten Kostensteigerungen und Marktanteilverluste. Eine Schätzung spricht von möglichen Verlusten über eine Milliarde Dollar durch die Zölle. In China selbst, in Huaqiangbei in Shenzhen, dem wohl weltgrößten Elektronikmarkt der Erde, ist die Stimmung momentan allerdings nicht gut.

„Die Preise sind um bis zu 40 Prozent gestiegen. Wir denken ernsthaft darüber nach, vorübergehend zu schließen“, sagt ein Chip-Händler gegenüber der South China Morning Post. „Es ist sinnlos, geöffnet zu bleiben. Das kostet uns nur Geld.“ Auch Liu Chunying, Inhaberin eines chinesischen Distributionsunternehmens, spricht von einer „dramatischen Implosion der Lieferketten“. Einige US-Zulieferer hätten am Freitag plötzlich aufgehört, Preise zu nennen oder Ware zu verschicken, offenbar aus Angst vor weiteren Zöllen aus Washington oder Gegenzöllen aus Peking.

Chipverlagerung in die USA?

Analysten fragen sich, ob diese Maßnahmen die eigene Chipproduktion der USA ankurbeln können. Präsident Trump strebt eine Rückkehr der Produktion in die USA an, doch Experten sind skeptisch. Apple-CEO Tim Cook hatte bereits 2017 die Herausforderungen betont, die damit verbunden sind – insbesondere der Mangel hochqualifizierter Ingenieure in den USA im Vergleich zu China. Ein jüngster Kommentar der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua betonte, dass wahre Stärke durch technologische Unabhängigkeit entsteht und nicht durch geopolitische Machtdemonstrationen.

Marc Einstein, Forschungsdirektor bei „Counterpoint Research“, bezeichnete Trumps Industriepolitik als unrealistisch. Er betonte, dass man Halbleiterfabriken nicht aus dem Nichts erschaffen könne. Diese hochsensiblen, spezialisierten Produktionsstätten erfordern Jahre für ihre Errichtung, erklärte Einstein in einem Interview mit der BBC.

In China verfolgt man die unberechenbare Politik aus Washington mit einer Mischung aus Besorgnis, Skepsis und einem demonstrativen Selbstbewusstsein. Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua kommentierte kürzlich, dass der Versuch, eine Schlüsselindustrie durch Zölle umzusiedeln, als Zeichen geopolitischer Unruhe gewertet werden könne. Wahre Stärke, so Xinhua, beruhe auf technologischer Unabhängigkeit und nicht auf politischen Machtspielen.

Fazit: Der Elektronikkrieg zwischen den USA und China hat nicht nur Auswirkungen auf China, sondern belastet auch verbündete Staaten und US-amerikanische Unternehmen innerhalb der Halbleiterindustrie. (heh)

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